Ostwestfalen-Lippe Politik

Falsche Zahlen bei flüchtlingsfeindlichen Straftaten?

Bielefeld. In ihrer Statistik über flüchtlingsfeindliche Vorfälle soll die Amadeu-Antonio-Stiftung falsche Zahlen veröffentlicht haben. So wurde etwa ein in einem Waschkeller einer Asylbewerberunterkunft ausgebrochenes Feuer als „Brandanschlag“ eingestuft. Laut Polizei gab es jedoch keine Hinweise auf die Beteiligung von Außenstehenden.

Asylbewerberunterkunft in Düsseldorf (Bild: NRW.direkt)

Asylbewerberunterkunft in NRW (Symbolbild: NRW.direkt)

Das berichtete die Neue Westfälische (NW) am Freitag. So soll die „Fehlerquote“ der Amadeu-Antonio-Stiftung bei 80 Prozent, „eventuell gar bei 100 Prozent“ liegen. Die von Anetta Kahane gegründete Stiftung hatte gemeinsam mit der Organisation „Pro Asyl“ im Internet eine Karte veröffentlicht, um fremdenfeindliche Übergriffe zu dokumentieren. Einzelne Piktogramme wie etwa ein Haus, aus dessen Dach Flammen schlagen oder ein Männchen, das drohend einen Stock hochhält, sollen dabei gegen Asylbewerber gerichtete Straftaten symbolisieren.

Für den Raum Ostwestfalen-Lippe hatte die Stiftung dabei 70 flüchtlingsfeindliche Vorfälle ausgemacht. Fünf davon sollen sich seit Anfang 2015 in Bielefeld zugetragen haben, darunter ein „tätlicher Angriff“, ein „Brandanschlag“ und drei „Angriffe“ auf Asylbewerberunterkünfte. Als Quellen dafür wurden Polizeiberichte sowie Anfragen von Parteien an die Bundesregierung genannt. Laut der NW liege die Statistik der Stiftung für den Raum Bielefeld jedoch „komplett daneben“.

Brand automatisch als „Anschlag“ eingestuft?

So habe sich etwa der tätliche Angriff in Paderborn und nicht in Bielefeld ereignet. Bei der angeblichen Brandstiftung habe es sich um ein Feuer im Waschkeller einer Asylbewerberunterkunft im April gehandelt, für das es laut Polizei keine Hinweise auf Beteiligung von Außenstehenden gibt. Bei einem weiteren Fall handelte es sich um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, was aber nichts mit Asylbewerbern zu tun hatte.

Nach Ansicht der NW könnte lediglich einer der fünf genannten Vorfälle „zumindest theoretisch“ als flüchtlingsfeindlich bezeichnet werden. Dabei ging es um die Randale von fünf Betrunkenen im November vergangenen Jahres. Die Betrunkenen hatten an zwei Asylbewerberunterkünften in Bielefeld Blumenkübel geworfen und Böller gezündet. Von der Polizei wurde die Tat jedoch als „Frustabbau aufgrund privater Probleme“ ohne rassistisch motiviertes Motiv eingestuft. Von der Amadeu-Antonio-Stiftung soll der Vorfall in die Statistik für Bielefeld doppelt eingestellt worden sein.

Die Stiftung reagierte auf die Recherchen der NW mit der Ankündigung, die jeweilige Einschätzung der Polizei anzufügen. Damit soll jeder selbst entscheiden können, wie er das Ereignis bewertet. (ph)

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