Bonn Justiz

Fared Saals Ex-Frau wieder frei

Bonn. Ob der wegen Kriegsverbrechen international gesuchte Jihadist Fared Saal nach Deutschland ausgeliefert wird, gilt als ungewiss. Als der von Kurden inhaftierte Saal noch in der ehemaligen Bundeshauptstadt aktiv war, hatte er trotz brutaler Angriffe auf Polizisten nichts von der Justiz zu befürchten. Seine 2015 wegen IS-Unterstützung verurteilte ehemalige Frau Karolina R. ist wieder auf freiem Fuß.

Medienberichten unter anderem des Bonner General-Anzeigers zufolge befindet sich der algerischstämmige Bonner Jihadist Fared Saal in einem Lager der kurdischen Miliz YPG in Haft. Der 29-Jährige mit dem Kampfnamen Abu Luqmaan al-Almani wird seit August 2014 wegen Kriegsverbrechen mit europäischem Haftbefehl gesucht. Von den US-Behörden wurde er als „Specially Designated Global Terrorist“ eingestuft. Damit gehört der gebürtige Bonner offiziell zu den gefährlichsten Terroristen der Welt.

Unter anderem wird ihm zur Last gelegt, nach einem Massaker im Juli 2014 für ein Propaganda-Video zusammen mit anderen IS-Terroristen mit Leichen von Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad posiert zu haben. In dem Video zeigt Saal auf die Leichen und sagt sichtlich stolz: „Wir haben die Schweine geschlachtet.“ Dann bittet er Allah darum, ihn für das Töten von „Ungläubigen“ mit dem Paradies zu belohnen.

Ob Fared Saal jedoch nach Deutschland ausgeliefert werden kann, gilt als ungewiss. Für ihn dürfte eine solche Auslieferung von Vorteil sein, da er in Deutschland auf eine deutlich mildere Justiz hoffen könnte als in Syrien.

Steine auf Polizisten geworfen

Wie großzügig die nordrhein-westfälische Justiz bislang mit ihm umgegangen ist, zeigte sich erstmals im März 2013. Damals wurde Fared Saal vom Amtsgericht Bonn wegen besonders schwerem Landfriedensbruch, versuchter gefährlicher Körperverletzung sowie versuchtem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu acht Monaten Haft verurteilt. Zusammen mit anderen Salafisten hatte der damalige Sozialleistungsempfänger am 5. Mai 2012 in Lannesdorf, einem Ortsteil in Bonn-Bad Godesberg, Polizisten mit Steinen, Messern und Stangen angegriffen.

Die Salafisten hatten sich von auf einer Kundgebung der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Partei Pro NRW gezeigten Mohammed-Karikaturen provoziert gefühlt. 29 Polizisten wurden von ihnen verletzt, drei davon schwer. Fared Saal warf dabei faustgroße Steine auf die Einsatzkräfte und traf damit zwei Polizisten, die lediglich aufgrund ihrer Schutzkleidung nicht verletzt wurden. Seine Steinwürfe beschädigten jedoch ein Einsatzfahrzeug der Polizei.

Richterin attestiert Fared Saal „positive Sozialprognose“

In dem Verfahren des Amtsgerichts kamen auch seine Vorstrafen zur Sprache: Zweifache Erschleichung von Sozialleistungen, Verstoß gegen das Waffengesetz, Betrug sowie vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis. Dennoch wurde seine achtmonatige Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Die Richterin am Amtsgericht begründete das mit einer „positiven Sozialprognose“. Es könne davon ausgegangen werden, dass Fared Saal „künftig keine Straftaten mehr begehen“ werde, so die Richterin – eine bei einem religiös motivierten Straftäter bemerkenswerte Prognose. Die Bewährungsfrist wurde auf vier Jahre festgesetzt.

Nur zwei Monate nach diesem Urteil ging Fared Saal nach Syrien und schloss sich zunächst der tschetschenischen Jihadisten-Gruppe Junud al-Sham (Soldaten Syriens) an. Später schloss er sich zusammen mit seinem engen Vertrauten Denis Cuspert der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) an. Dort bildeten Saal und Cuspert den Kern des deutschen Kontingents. Aber trotz seiner dortigen Aktivitäten wurde ihm in Bonn im Februar 2017 seine Bewährungsstrafe für seine Beteiligung an den gewalttätigen Angriffen auf Polizisten in Lannesdorf erlassen.

Berufswunsch Erzieherin

Karolina R., die ehemalige Ehefrau von Fared Saal nach islamischem Recht, wurde im Juni 2015 vom Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) wegen IS-Unterstützung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Während des Prozesses hatte sie sich von ihrem Mann losgesagt, der sich zwischenzeitlich mehrere andere Frauen genommen hatte. Ihre Distanzierungen vom IS wurden unterschiedlich beurteilt. Auf Nachfrage der Richterin sagte Karolina R., dass sie nach Verbüßung ihrer Haft Erzieherin werden wolle.

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Dienstagausgabe unter Berufung auf einen Sprecher des OLG berichtet, ist Karolina R. inzwischen wieder auf freiem Fuß. Nach der Verbüßung von knapp zwei Dritteln ihrer Haftstrafe wurde die Deutsch-Polin auf Bewährung freigelassen.

Bild: Karolina R. blättert bei der Prozesseröffnung Anfang 2015 im Koran. Bildrechte: NRW.direkt

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