Justiz Köln

Fast alle Silvester-Täter kommen davon

Köln. Elf Monate nach den massenhaften Übergriffen von Asylbewerbern auf Frauen in der Silvesternacht sieht es danach aus, dass die meisten Täter straffrei davonkommen werden. Bei vier der bislang insgesamt sechs Verurteilungen wurden sogenannte Bewährungsstrafen verhängt.

Einsatzfahrzeuge der Polizei am Kölner Hauptbahnhof (Bild: NRW.direkt)

Einsatzfahrzeuge der Polizei am Kölner Hauptbahnhof (Bild: NRW.direkt)

Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Antwort des Landesinnenministeriums an den FDP-Politiker Marc Lürbke hervor. Wie der unserer Redaktion vorliegenden Antwort entnommen werden kann, konnten die Kölner Behörden in 369 Ermittlungsverfahren wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie Beleidigungen auf sexueller Basis keine Tatverdächtigen ermitteln. Bei der Staatsanwaltschaft werden in diesem Zusammenhang allerdings noch Verfahren gegen 83 namentlich bekannte Beschuldigte geführt, denen Straftaten wegen Sexualdelikten zur Last gelegt werden.

Bislang sind in Köln aber nur gegen sechs Beschuldigte Urteile ergangen, obwohl mit Stand vom 25. Oktober 2016 beim Polizeipräsidium 1.205 Strafanzeigen mit insgesamt 1.616 Straftaten bearbeitet worden sind. Von diesen hatten 509 Strafanzeigen sexuell motivierte Tathandlungen zum Gegenstand. Bei vier der bislang sechs Verurteilungen wurden sogenannte Bewährungsstrafen verhängt.

Herkunft der Täter zuerst verschwiegen

In der Silvesternacht kam es im und vor dem Kölner Hauptbahnhof zu massiven Diebstählen und sexuellen Belästigungen von Frauen. In der ersten Polizeimeldung vom Neujahrstag wurden die Vorfälle nicht erwähnt. Die Presse hingegen berichtete schnell von den Vorfällen, verschwieg aber zwei Tage lang die Herkunft der Täter. Erst der Kölner EXPRESS machte am 3. Januar öffentlich, dass es sich bei den Tätern überwiegend um Asylbewerber aus dem nordafrikanischen Raum gehandelt hat.

Im Juni wurde durch eine an die Öffentlichkeit gelangte interne Lageübersicht des Bundeskriminalamts (BKA) bekannt, dass die meisten Täter erst kurz zuvor als Asylsuchende nach Deutschland gekommen waren. Zwei Drittel der Tatverdächtigen waren trotz ihres meist erst kurzen Aufenthalts in Deutschland bereits zuvor polizeilich aufgefallen. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) will erst am 4. Januar von den Ereignissen erfahren haben. (ph)

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