Düsseldorf Wirtschaft und Verkehr

Flughafen-Chef kritisiert Lufthansa-Konzern

Düsseldorf. Flughafen-Chef Thomas Schnalke reagiert auf die ablehnende Haltung der Lufthansa zur beantragten Kapazitätserweiterung. „Wir wollen Wettbewerb“, sagte er am Samstag. Fürchtet der Lufthansa-Konzern, der mit seiner Billigtochter Eurowings in der Landeshauptstadt 45 Prozent Marktanteil hat, Konkurrenz?

Der Düsseldorfer Flughafen-Chef Thomas Schnalke wehrt sich gegen die Behauptung, mit der geplanten Kapazitätserhöhung drohe dem Airport eine Überlastung. „Ich sehe die Hauptprobleme unserer Branche ganz klar in der Luft und nicht bei den Flughäfen“, sagte er in der Samstagausgabe der Rheinischen Post (RP). „Rund 60 Prozent“ der 3.000 in diesem Jahr in Düsseldorf gestrichenen oder umgeleiteten Flüge seien auf die Lufthansa-Gruppe entfallen, obwohl sie nur 45 Prozent Marktanteile habe, sagte Schnalke.

Dem Vormachtanspruch von Lufthansa an Deutschlands drittgrößtem Flughafen will sich Schnalke nicht beugen: „Der Flughafen Düsseldorf ist für viele Fluggesellschaften ausgesprochen attraktiv. Da können und da dürfen wir uns nicht zu sehr von Eurowings und Lufthansa abhängig machen. Sie sind mit 45 Prozent Marktanteil zweifelsohne unser wichtigster Partner. Darüber hinaus ist Vielfalt gut für die Reisenden und gut für Nordrhein-Westfalen. Wir wollen Wettbewerb.“

Fürchtet der Lufthansa-Konzern Konkurrenz?

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte Ende August in einer Rede vor Journalisten begrüßt, dass Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) dem Flughafen Düsseldorf die von ihm beantragte Kapazitätserweiterung frühestens 2022 genehmigen will. „Wenn es so etwas gibt wie ein positives Beispiel, war es die Entscheidung der Politik in NRW, den Flughafen Düsseldorf nicht mit einem Kapazitätssprung weiter zu verstopfen.“ Stattdessen sei klug, „erst einmal einige Jahre bis mindestens 2022 zu warten, um zu sehen, dass die Infrastruktur im Luftverkehr ausreichend mitwächst.“

Um in verkehrsstarken Tageszeiten künftig 60 statt der bisherigen 47 Slots anbieten zu können, hatte der Flughafen im Februar 2015 einen entsprechenden Planfeststellungsantrag eingereicht. Der Begriff Slot kennzeichnet ein Zeitfenster, während dessen eine Fluglinie den Airport zum Starten oder Landen eines Flugzeugs benutzen darf. Die Landesregierung ließ jedoch durchblicken, dass die Bearbeitung des Antrages bis 2022 andauern könne.

Erst im Juli hatte eine Antwort von Verkehrsminister Wüst auf eine Nachfrage der AfD-Fraktion ergeben, dass sich die Zahl der wegen Kapazitätsmangel nicht bewilligten Slots am Düsseldorfer Flughafen innerhalb von sechs Jahren mehr als verdoppelt hat. Experten wie der Unternehmensberater Gerald Wissel sehen die ablehnende Haltung des Lufthansa-Konzern zur Kapazitätserweiterung auch in Sorge vor damit drohender Konkurrenz begründet. „Der Verzicht auf höhere Kapazitäten begrenzt den Wettbewerb. Lufthansa und Eurowings können als Marktführer so ihre eigenen Flugrechte besser ausnutzen“, sagte Wissel wenige Tage nach der Rede von Carsten Spohr in der RP. (ph)

Bild: Flughafen Düsseldorf. Bildrechte: NRW.direkt

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