Wirtschaft und Verkehr

Flugpreise steigen wegen Monopol

Düsseldorf. Aufgrund des Lufthansa-Monopols sind die Preise im innerdeutschen Flugverkehr nach dem Aus für Air Berlin teilweise exorbitant gestiegen. Dennoch spricht Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) auch weiterhin davon, deswegen keine Preissteigerungen zu erwarten.

Nachdem Air Berlin Ende Oktober den Flugbetrieb einstellen musste, steigen die Preise im innerdeutschen Luftverkehr teilweise exorbitant. Insbesondere auf den aufkommensstarken Routen hat das Ende von Air Berlin deutliche Lücken im Flugplan hinterlassen. Selbst Economy-Class-Tickets seien für Strecken wie Berlin-München oder Berlin-Köln oft nur noch zu Preisen oberhalb von 300 Euro ohne Rückflug zu bekommen, berichtete das Fachmagazin airliners.de am Montag.

Damit steht die Lufthansa jetzt im Ruf einer Monopol-Airline. „Wir als Lufthansa wollen ja nicht die deutschen Verbraucher gegen uns aufbringen“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr im Interview mit der Bild-Zeitung. „Wenn ich in 100 Tagen alle Sympathien verspielen würde, die die Lufthansa in 65 Jahren aufgebaut hat, dann wäre ich schlecht beraten.“

Um die Kunden zu beschwichtigen, will die Lufthansa jetzt mehr Flüge anbieten. „Sobald wir grünes Licht aus Brüssel haben, wollen wir pro Monat allein bei Eurowings 1.000 innerdeutsche Flüge dazunehmen“, sagte Spohr der Bild-Zeitung. „Ich kann versprechen, dass mit neuen innerdeutschen Flügen wieder stabile Preise kommen.“ Bislang hatte die Lufthansa steigende Preise im Zuge der Air-Berlin-Übernahme abgestritten.

Zypries leugnet Preissteigerungen und spricht von Zehn-Euro-Tickets

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) aber hält trotz solcher Horror-Meldungen an ihrer Aussage fest, keine steigenden Ticketpreise wegen des Endes von Air Berlin zu erwarten. In der Welt am Sonntag erneuerte sie diese Aussage und kritisierte stattdessen Tickets zu Dumpingpreisen. „Wenn das Flugticket zehn Euro kostet, dann kann ich nicht glauben, dass das kostendeckend ist“, sagte sie der Zeitung.

Zusammen mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich Zypries nach der Insolvenz von Air Berlin trotz Warnungen von Kartellrechtlern dafür ausgesprochen, dass große Teile der Fluglinie an den Lufthansa-Konzern verkauft werden. Dobrindt und Zypries begründeten das damit, die Lufthansa müsse ein „nationaler Champion“ werden. Dass der Gläubigerausschuss von Air Berlin diesen Vorgaben gefolgt ist, hat im Ergebnis dazu geführt, dass der Lufthansa-Konzern im innerdeutschen Flugverkehr derzeit ein Marktanteil von fast 99 Prozent hat. (ph)

Bild: NRW.direkt

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