Düsseldorf Panorama

„Für die Situation der Juden in aller Welt sensibilisieren“

Düsseldorf. Am 30. November wird der Gedenktag der Vertreibung von Juden aus den arabischen Länder und dem Iran gefeiert. Dieser geht auf den UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 zurück. Die Jüdische Gemeinde will diesen Jahrestag auch in Deutschland stärker in der Öffentlichkeit verankern.

Synagoge der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (Bild: NRW.direkt)

Es ist ein wichtiges Jubiläum für die Juden in Deutschland und der ganzen Welt: Am 29. November jährt sich der UN-Teilungsplan für Palästina zum 70. Mal. Ende November 1947 beschloss die UN-Generalversammlung die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat und legte damit den Grundstein für die Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948.

„Der 30. November gilt als Jahrestag der arabischen und asiatischen Juden. Das hat das israelische Parlament 2014 festgelegt. Das hat einen bestimmten Grund: Eine Drohrede hoher islamischer Geistlicher an der al-Azhar-Universität in Ägypten unmittelbar nach dem UN-Teilungsplan 1947 löste Gewaltakte gegen jüdische Gemeinden in vielen arabischen und islamischen Staaten aus. Juden in islamischen Ländern waren seit jeher nach dem Recht der Dhimma wie andere Nicht-Muslime nur geduldet und geschützt. Daher haben diese die Idee des jüdischen Staates sehr wohlwollend aufgenommen und dies als positiv für die eigene Zukunft aufgenommen“, erläutert Barei Efraim Sarwar, Mitglied des Gemeinderates der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (JGD), der drittgrößten in Deutschland.

Bis zu eine Million Juden mussten aus den arabischen Staaten flüchten

Die Gründung des Staates Israel hat zum Israelisch-Arabischen Krieg 1948 geführt, danach kam es in vielen Staaten zu Bomben-Anschlägen, wie dem Angriff auf die Menarscha-Synagoge 1949 in Damaskus, Pogromen wie etwa 1948 in Tripolis, Verhaftungen, Folter, Enteignungen und Massenausweisungen von Juden, rekapituliert Barei Efraim Sarwar die Geschichte. „Daran erinnern wir Juden in der ganzen Welt uns speziell am 30. November.“ Vom Anfang des Krieges 1948 zwischen Israel und den arabischen Staaten bis zu den frühen 1970er Jahren wurden 800.000 bis zu einer Million Juden aus ihren Heimatgebieten in den arabischen Staaten vertrieben oder mussten flüchten.

Er plädiert daher dafür, diesen Gedenktag auch in Deutschland bekannt zu machen. „Es ist wichtig, für die Situation der Juden in aller Welt zu sensibilisieren und immer wieder darauf hinzuweisen, dass Verfolgung und Schikane von Menschen jüdischen Glaubens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nie aufgehört hat. Insofern ist der 30. November als jährlicher landesweiter Gedenktag der Vertreibung von Juden aus den arabischen Länder und dem Iran im 20. Jahrhundert ein Ereignis, das viel Aufmerksamkeit braucht. Denn leider wiederholt sich Geschichte immer wieder, wie wir bis heute sehen.“

„Muslimischer Antisemitismus salonfähiger geworden“

Muslimischer Antisemitismus sei in den vergangenen Jahren salonfähiger geworden, weil er oftmals als „Israel-Kritik“ abgetan werde. Barei Efraim Sarwar bezieht sich bei dieser Feststellung auch auf einen Anschlag auf eine Synagoge 2014 in Wuppertal. Dieser Anschlag wurde von einem Gericht in Wuppertal als „Kritik an Israel“ ohne antisemitischen Hintergrund bewertet. Der Staat, fordert Barei Efraim Sarwar, müsse nun endlich stärkere Antworten auf diese Probleme finden, als er das bisher getan habe.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf setzt sich traditionell für den Kampf gegen Antisemitismus ein. Dazu passt auch die im September eröffnete Beratungsstelle Sabra (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus). Das Angebot richtet sich an alle, die in Nordrhein-Westfalen von Antisemitismus sowie in Düsseldorf von Rassismus oder Mehrfachdiskriminierung betroffen sind. Damit sollen auch antisemitische Vorfälle erfasst werden, die unterhalb der strafrechtlichen Schwelle liegen. „Wir erleben, dass unsere Kinder immer stärker von Antisemitismus betroffen sind und deshalb ihre Zukunft nicht in Deutschland sehen. Dagegen müssen wir etwas tun“, betont der JGD-Vorstandsvorsitzende Oded Horowitz die Bedeutung dieses neuen Angebots. (ph, mit Material der JGD)

Weitere Informationen zu „Sabra“, entsprechende Kontaktdaten sowie die Möglichkeit, antisemitische Vorfälle zu melden, finden Sie unter www.sabra-jgd.de.

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