Panorama

Gemeinsame Israel-Reise abgesagt

Düsseldorf. Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden hat sich einstimmig für die Absage einer mit der Evangelischen Kirche geplanten Israel-Reise entschieden. Grund ist eine Arbeitshilfe, in der historische Abläufe falsch dargestellt wurden. Dies stamme „aus dem klassischen Repertoire palästinensischer Propaganda zur Delegitimierung Israels und der Juden“, kritisierte der langjährige Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm. Jetzt plant der Landesverband eine eigene Israel-Reise.

Ulrich Sahm (Bild: NRW.direkt)

Eine zusammen mit der Evangelischen Kirche im Rheinland (EkiR) für die Zeit vom 26. bis 29. April geplante Israel-Reise wurde am Dienstag vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein abgesagt. Der Vorstand des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden hatte sich einstimmig zu der Absage entschieden.

Hintergrund der kurzfristig erfolgten Absage ist ein Essay von Rainer Stuhlmann in einer kürzlich veröffentlichten EKiR-Arbeitshilfe mit dem Titel „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin auch im christlichen Kalender?“ Darin schrieb Stuhlmann unter anderem: „Was für Juden ein Grund zum Feiern ist, das ist für andere ein Grund zur Trauer. Den einen hat die Staatsgründung Schutz, Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit gebracht, den anderen Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht.“ Weiter behauptete Stuhlmann: „Die von den Vereinten Nationen beschlossene Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat hat zu einem grausamen Krieg geführt, in dem es auf allen Seiten Opfer gegeben hat.“

Am Montag warf der Journalist und langjährige Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm Stuhlmann in einem Gastbeitrag für den Blog Ruhrbarone vor, dabei historische Fakten falsch dargestellt zu haben: „Nicht die Empfehlung der UNO-Generalversammlung von 1947 hat zu einem Krieg geführt. Der Krieg wurde von den arabischen Staaten Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und anderen beschlossen, weil sie keinen jüdischen Staat in ihrer Mitte dulden wollten. Deshalb fielen sie in der Nacht nach der Ausrufung Israels 1948 über den frisch gegründeten jüdischen Staat her, um ihn zu vernichten“, schrieb Sahm. Sein Fazit lautete: „Die Argumente Stuhlmanns stammen aus dem klassischen Repertoire palästinensischer Propaganda zur Delegitimierung Israels und der Juden.“

„Unterschlagung historischer Fakten für uns nicht hinnehmbar“

„Wir wissen es sehr zu schätzen, dass die Evangelische Kirche im Rheinland als einzige evangelische Landeskirche anlässlich des 70. Jubiläums des Staates Israel eine Arbeitshilfe herausgegeben hat. Wir sehen darin einen Beleg des langjährigen konstruktiven Dialogs miteinander“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, Oded Horowitz, am Dienstag. „Umso mehr hat uns der darin enthaltene Beitrag bestürzt und traurig zurückgelassen. Die darin geäußerte Verunglimpfung des Staates Israel als brutale Besatzungsmacht und die Unterschlagung historischer Fakten sind für uns nicht hinnehmbar. Zur 70. Jubiläumsfeier der Gründung des Staates Israel auf die Lebenslage der palästinensischen Bevölkerung als direktes Resultat der Staatgründung Israels zu verweisen, stellt das Existenzrecht Israels in Frage und hinterlässt einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype.“

Zur Aufrechterhaltung der gemeinsamen Reisepläne wäre für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden „eine unmissverständliche Erklärung der Kirchenleitung“ oder eine Distanzierung zu Stuhlmanns Artikel notwendig gewesen, erläuterte Horowitz. „Nachdem dazu kein Übereinkommen erzielt werden konnte, haben wir uns als Vorstand des Landesverbandes entschieden, die gemeinsame Reise nicht anzutreten.“ Gleichzeitig seien Planungen des Landesverbandes für eine eigene Israel-Reise anlässlich des Staatsjubiläums und als Zeichen der Solidarität mit Israel angelaufen. (ph)

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