Illegales Rennen in Mönchengladbach Justiz Mönchengladbach

Getöteten Fußgänger mit 75 bis 85 km/h erfasst

Mönchengladbach. Beim sogenannten Raser-Prozess trug der Sachverständige am Freitag sein mit Spannung erwartetes Gutachten vor. Das ergab unter anderem, dass der Fußgänger noch leben könnte, wenn das entsprechende Tempo-Limit eingehalten worden wäre. Den Angeklagten wird vorgeworfen, sich mitten in der Stadt ein Rennen geliefert zu haben.

Der Prozess um ein mutmaßlich illegales Autorennen am 16. Juni 2017 wurde am Freitag vor dem Mönchengladbacher Landgericht mit dem Gutachten des Sachverständigen fortgesetzt. Hauptangeklagter ist der 29-jährige Manuel S., dem vorgeworfen wird, mit seinem 180 PS starken Seat Cupra bei einem Überholmanöver während eines Rennens in der Mönchengladbacher Innenstadt mit rund 100 Kilometern pro Stunde (km/h) in den Gegenverkehr gerast und dabei einen Fußgänger erfasst und getötet zu haben.

Nachdem der Fußgänger nach dem Aufprall 36 Meter durch die Luft geschleudert wurde, kam dessen Körper nur zum Stillstand, weil er unter einem abgestellten Auto eingeklemmt wurde. Der 38-jährige Mann starb noch vor Ort.

Beide Angeklagten bestreiten illegales Rennen

Ebenfalls angeklagt ist der 26-jährige Nasratullah A. Ihm wird vorgeworfen, an dem Rennen beteiligt gewesen zu sein und Unfallflucht begangen zu haben. Den Angeklagten drohen im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung bis zu fünf Jahren Haft. Zu Beginn des Prozesses vor rund drei Wochen hatten beide das Unfallgeschehen sofort eingeräumt. Die jungen Männer bestritten aber, dass es sich dabei um ein Rennen gehandelt habe.

Der Sachverständige Peter Loskamp, der seit 27 Jahren Gutachten zur Ermittlung von Unfallursachen erstellt, erläuterte am Freitag, dass der Wagen von Manuel S. beim Zusammenprall mit dem Fußgänger eine Geschwindigkeit zwischen 75 und 85 km/h hatte. Dies habe er durch die Schäden am Auto sowie der Länge der Strecke, die der Fußgänger durch die Luft geschleudert wurde, ermitteln können.

Da der Fahrer des Seat Cupra den Fußgänger bei den Lichtverhältnissen zum Unfallzeitpunkt 40 Meter vorher habe sehen können, seien zwischen dem Erkennen und dem Aufprall noch zwei Sekunden Zeit gewesen. Unter der Annahme, dass eine Sekunde zum Erkennen benötigt wird und damit nur noch eine Sekunde Reaktionszeit zur Verfügung stand, hätte der Cupra im Falle eines Bremsmanövers davor eine Geschwindigkeit von mindestens 102 km/h haben müssen, erläuterte der Dekra-Ingenieur auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Ralf Gerads.

Bei Beachtung des Tempo-Limits könnte der Fußgänger noch leben

Die Frage des Richters, was geschehen wäre, wenn die an diesem Streckenabschnitt geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h beachtet worden wäre, beantwortete Peter Loskamp ebenfalls klar: Dann hätte es den Aufprall nicht gegeben, weil der Fußgänger, der seine Schritte kurz zuvor noch beschleunigt hatte, noch genug Zeit gehabt hätte, sich in Sicherheit zu bringen.

Auch berichtete der Sachverständige, dass das Steuergerät im Auto von Nasratullah A. am Tag nach dem Unfall eine kurze Unterbrechung verzeichnet hatte. Deformierungen deuteten darauf, dass das Gerät demontiert und wieder eingebaut wurde. Einen Chip habe er bei seiner Untersuchung mehrere Tage nach dem Unfall darin jedoch nicht gefunden. Die Erläuterungen hatten aber keine Nachfragen zur Folge. Zum Zeitpunkt des Unfalls habe dieses Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 54 oder mehr km/h gehabt, erläuterte Loskamp.

Der Prozess wird am 3. Dezember fortgesetzt. Erwartet werden noch weitere Nachfragen zum Gutachten des Sachverständigen. Derzeit wird von einem Urteil im Dezember ausgegangen.

Bild: Markierungen der Polizei an der Stelle, an der der Fußgänger erfasst wurde. Bildrechte: NRW.direkt

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