Nachrichten Rhein-Erft-Kreis

Gewalt im Hambacher Forst geht weiter

Hambach/Kerpen. Seit vier Tagen ist der Hambacher Forst von der Polizei als gefährlicher Ort eingestuft. Die Angriffe von Linksautonomen auf Polizisten und RWE-Mitarbeiter gehen jedoch weiter.

Von der Polizei bei einer Durchsuchung in der letzten Woche sichergestellte Zwille (Bild: Polizei)

Wie bereits berichtet, hat das Polizeipräsidium Aachen den Hambacher Forst und dessen unmittelbare Umgebung am Freitag zum gefährlichen Ort im Sinne vom Paragraph 12 Polizeigesetz erklärt. Mit dieser Einstufung haben Polizisten eine Rechtsgrundlage, Personen anzuhalten und zu kontrollieren, die sich in diesem Bereich aufhalten. Das gilt auch für die Durchsuchung mitgeführter Fahrzeuge und sonstiger Gegenstände. Mehrere Tage zuvor hatte das Polizeipräsidium davon gesprochen, dass sich „offensichtlich zunehmend extreme, gewaltbereite, der linksautonomen Szene zugehörige Straftäter im Hambacher Forst befinden“.

Deren Angriffe gingen jedoch auch über den Freitag hinaus weiter: Nur einen Tag später wurden Polizisten auf der Trasse der alten BAB 4 am Hambacher Forst mit Steinen beworfen sowie mit Zwillen beschossen. Dabei wurde niemand verletzt, jedoch ein Polizeifahrzeug beschädigt.

Klein-Lkw fast völlig ausgebrannt

In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannte ein in Kerpen-Buir geparkter Klein-Lkw nahezu vollständig aus. Bei dem Auto handelt es sich um ein ehemaliges Feuerwehrfahrzeug, das nach Angaben des vor Ort erschienenen Benutzers in den letzten Tagen für die Mahnwachen im Zusammenhang mit den Protesten um den Braunkohletagebau in der Region benutzt worden war. Die Ermittlungskommission Hambach ermittelt jetzt wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung. Die Feuerwehr fand in dem Wagen neben zwei Gasflaschen eine Zwille mit mehreren Metallkügelchen.

Am Sonntagabend kam es im Hambacher Forst erneut zu Straftaten durch bislang unbekannte und vermummte Personen: Zweimal bemerkten Polizisten brennende Barrikaden auf der L 276; beim zweiten Mal gegen 21 Uhr versperrte ein brennender Baumstamm teilweise die Straße. Die Polizisten löschten die Brände in beiden Fällen selber. Bei der Anfahrt stellten sie noch etwa zehn vermummte Personen fest, die sofort in den Wald flüchteten.

Zwillen-Beschuss durch Vermummte

Als gegen 21 Uhr 45 Polizeibeamte mit ihren Streifenwagen an dieser Barrikade vorbeifuhren, wurden die Fahrzeuge durch etwa fünf bis sechs vermummte Personen mit Zwillen beschossen und Steinen beworfen. Ein Fahrzeug wurde dabei beschädigt; verletzt wurde niemand. Etwa um 23 Uhr 20 kam es zu einem Steinbewurf auf das Sicherheitscamp von RWE; auch dabei wurde ein Fahrzeug beschädigt und niemand verletzt. Außerdem schnitten Unbekannte den Außenzaun eines Trafohäuschens im Bereich des Tagebaus Inden auf und durchtrennten darin ein Kabel. Erst am Montag ging es offenbar wieder ruhiger zu: So wurde bis zum Dienstagmittag von Seiten der Polizei nichts über weitere Angriffe berichtet.

Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) hatte in der letzten Woche bereits einen Großeinsatz der Polizei im Hambacher Forst angekündigt. Dieser könne, falls nötig, auch vor dem Beginn der Rodungen durch RWE am 1. Oktober einsetzen. Wegen der Situation im Hambacher Forst müssen an anderen Orten, etwa in Duisburg-Marxloh, Polizisten abgezogen werden. (ph)

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