Hagen Politik

Giousouf fordert Mindest-Migrantenanteil

Hagen. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf ist der Meinung, „dass Frauen nicht mehr viel zu melden hätten, wenn die AfD an die Macht käme“. Auch forderte sie kurz vor dem am Montag in Essen beginnenden Bundesparteitag der CDU einen Mindestanteil von Migranten bei den Bundestagskandidaten. In ihrer eigenen Partei wurde Giousouf mehrfach vorgeworfen, ihr Mandat einseitig für die Vertretung türkischer Interessen zu nutzen.

Cemile Giousouf (Bild: NRW.direkt)

Cemile Giousouf (Bild: NRW.direkt)

Kurz vor dem CDU-Bundesparteitag in Essen hat die Hagener CDU-Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf einen offensiveren Umgang ihrer Partei mit der AfD gefordert. „Ich würde ganz offensiv mit der AfD umgehen und den Menschen erklären, wie unser Land aussehen würde, wenn die AfD an die Macht käme“, sagte Giousouf am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Das würde nach ihrer Überzeugung bedeuten, „dass Frauen nicht mehr viel zu melden hätten, dass Deutschland aus der NATO raus soll, dass wir mittelalterliche Zustände bekommen, dass es dem Wirtschaftsstandort Deutschland sehr schlecht gehen würde“. Dies könne man den Menschen gut erklären, so Giousoufs Überzeugung.

Auch forderte Giousouf einen Mindestanteil von Migranten bei den Kandidaten für den Bundestag. „Viele junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte wollen in der CDU mitarbeiten. Aber wir haben immer noch viel zu wenig Mandatsträger. Ich würde mir wünschen, dass aus jedem Bundesland mindestens ein Kandidat mit Einwanderungsgeschichte für die Bundestagswahl antritt.“ Großstädte wie Oberhausen oder Essen könnten ihrer Meinung nur mit Unterstützung der Einwanderer gewonnen werden. „Es ist also auch im eigenen Interesse der Partei“, sagte Giousouf.

Giousouf löst parteiinternen Streit aus

Die 38-jährige Cemile Giousouf ist die erste muslimische Bundestagsabgeordnete der CDU. Dank des für eine so junge Politikerin ungewöhnlich guten Listenplatzes 25 zog die vom CDU-Landesvorsitzenden Armin Laschet unterstützte Giousouf 2013 in das höchste deutsche Parlament ein. Ihre Parlamentsarbeit begann sie mit einem Antrittsbesuch beim türkischen Botschafter in Berlin. Trotz ihrer politischen Unerfahrenheit wurde Giousouf von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sofort zur integrationspolitischen Sprecherin gewählt.

Durch ihre Nähe zu umstrittenen türkischen Moschee-Gemeinden wurde Giousouf jedoch auch schnell zur Skandalnudel der Hagener CDU: So wurde im Herbst 2014 bekannt, dass sie eine Delegation der als antisemitisch geltenden und damals noch vom Verfassungsschutz beobachteten Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) in der Hagener CDU-Kreisgeschäftsstelle empfangen hatte. Giousouf rechtfertigte sich damit, dass sie die IGMG-Delegation empfangen hatte, weil deren Moschee kurz zuvor zweimal zum Ziel eines Anschlags geworden sei. Zu Recherchen, nach denen es überhaupt keinen Anschlag auf die betreffende Moschee gegeben hatte, nahm sie keine Stellung.

Nachdem auch noch Bilder auf Facebook veröffentlicht wurden, die Giousouf in traditionell islamischer Frauenkleidung in der Hagener Moschee des von der Türkei aus gesteuerten Dachverbandes DITIB zeigen, wurden in der CDU Vorwürfe laut, sie würde ihr Bundestagsmandat einseitig für die Vertretung türkischer Interessen nutzen. Zur Jahreswende 2014/2015 krachte es in der Hagener CDU; erste Parteimitglieder erklärten ihren Austritt. Der Vorstand der Kreis-CDU jedoch unterstützte Cemile Giousouf, womit sich die Auseinandersetzungen wieder legten.

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