Hagen Politik

Giousouf gewinnt Kampfabstimmung

Hagen. Der CDU-Kreisverband hat sich erneut für Cemile Giousouf als Bundestagskandidatin entschieden. Ihre Herausforderin Katerina Gaitanoglou polarisierte mit einer klaren Absage an den politischen Islam und kündigte an, sich in der CDU „weiter einmischen“ zu wollen.

Katerina Gaitanoglou wurde es nicht leicht gemacht, als die Hagener CDU am Montagabend im Arcadeon-Hotel in einer Kampfabstimmung die Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2017 ermittelte. Bis sie endlich das Wort ergreifen konnte, musste die orthodoxe Christin einige demütigende Momente über sich ergehen lassen: Während die Favoritin, die von der Landespartei protegierte Muslimin Cemile Giousouf, inmitten hochrangiger Funktionäre der Kreispartei saß, wurde Gaitanoglou ein einsamer Sitzplatz auf der anderen Seite des Mittelganges zugewiesen.

Als Oliver Wittke, der im Herbst 2014 an Giousoufs umstrittener Türkei-Reise teilgenommen hatte, die Versammlungsleitung übernahm und Gaitanoglou offiziell begrüßte, sprach er deren Namen mehrfach falsch aus. Zehn ihrer Unterstützer wurden in den vollen Saal nicht mehr hereingelassen, einzelne Delegierte aber blieben dem Beginn ihrer Rede fern und kamen erst später. Als sie ans Mikrophon trat, funktionierte dieses nicht.

Gaitanoglou wendet sich gegen den politischen Islam

Katerina Gaitanoglou aber behielt Nerven; nach anfänglicher Nervosität ging sie schnell zu einer offensive Rede über. Dabei betonte sie, „als Christdemokratin zu Christdemokraten zu sprechen“. Mit ihrer offenen Kritik an Giousoufs Kontakten zu islamischen und islamistischen Organisationen sowie ihrer Aussage, der politische Islam habe „in Deutschland nichts verloren“, polarisierte sie schnell: Teile des Publikums honorierten das mit spontanem Beifall, andere schwiegen eisig. Gaitanoglou aber machte weiter und setzte mit der unmissverständlichen Forderung, in der CDU dürfe es „keine Zusammenarbeit mit türkischen Faschisten und Israel-Hassern geben“, ihre Kritik an Cemile Giousouf indirekt fort. Deren Reaktion bestand darin, demonstrativ mit ihrem Smartphone zu spielen.

Als Cemile Giousouf ans Rednerpult trat, ging sie mit keinem einzigen Wort auf die Kritikpunkte ein. Stattdessen verwies sie darauf, für die Bundestags-Resolution zur Verurteilung des türkischen Völkermords an den Armeniern gestimmt und mit Schülern eine Reise nach Israel unternommen zu haben: „Mir braucht man keine Nachhilfe in Sachen Demokratie und Menschenrechte geben.“ Damit machte die erste muslimische Bundestagsabgeordnete der Union unmissverständlich klar, dass sie aus ihrem Abstimmungsverhalten bei der Armenien-Resolution einen Anspruch ableitet, nicht mehr auf ihre Kontakte zu islamischen und islamistischen Organisationen angesprochen zu werden.

Giousouf mied das Thema Islam

Auch lobte Giousouf die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie deren Aussage „Wir schaffen das“: „Diese drei Worte von Angela Merkel werden in die Geschichte eingehen.“ Straffällige Flüchtlinge jedoch müssten abgeschoben werden. Auf ihre sonst üblichen Themen, den Islam und die Türkei, ging sie in ihrer Rede nicht ein. Für sie ebenso ungewöhnlich war, dass sie nur ein einziges Mal erwähnte, Muslimin zu sein – als sie betonte, dass sie sich christliche Werten „genauso verpflichtet fühle“ und diese „blind unterschreiben würde“. Die Vertreter der Kreispartei reagierten auf Giousoufs Rede mit demonstrativem Beifall. Danach durften die Delegierten ihre Wahl treffen.

Während die Stimmen ausgezählt wurden, verteilten sich beide Lager in kleinen Gruppen über den Raum. Mehrfach war zu hören, dass bei einer Wahl von Cemile Giousouf mit einem sicheren Listenplatz für diese gerechnet wird. „Wir wissen alle, dass wir diesen Wahlkreis nicht gewinnen können. Und Cemile hat einen sicheren Listenplatz“, sagte ein Delegierter. Im Gaitanoglou-Lager hingegen gärte der Unmut darüber, dass der Kreisvorsitzende Christoph Purps nur wenige Tage zuvor in der WAZ erklärt hatte, in der CDU gebe es einen einhelligen Pro-Giousouf-Beschluss. „Wenn schon vorher beschlossen wurde, wer gewählt werden soll, wieso wird dann überhaupt noch gewählt?“, schimpfte eine Frau.

„Ich werde mich weiter einmischen“

Damit war niemand mehr überrascht, als Oliver Wittke verkündete, dass 58 Stimmen auf Cemile Giousouf und nur 15 auf ihre Herausforderin entfielen. Dennoch wurde die erst 27-Jährige von vielen Parteimitgliedern zum Weitermachen ermuntert. Katerina Gaitanoglou kündigte an, dem folgen zu wollen: „Ich werde mich weiter in die Partei einmischen.“

Bild: Cemile Giousouf (l.) und Christoph Purps nach der Verkündung des Wahlergebnisses. Bildrechte: NRW.direkt

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