„Glasnost“ bei der NRW-Polizei?

Düsseldorf. In der letzten Woche haben die nordrhein-westfälischen Polizeibehörden damit begonnen, sexuelle Belästigungen durch Asylbewerber genauso zu vermelden wie andere Straftaten auch. Das bedeutet aber auch, dass jetzt täglich von solchen Vorkommnissen zu lesen ist. Selbst der Missbrauch kleiner Kinder durch Asylbewerber wird mitgeteilt.

(Bild: NRW.direkt)

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Am Dienstag hat das nordrhein-westfälische Innenministerium erneut bestritten, dass die Herkunft von Straftätern bei Polizeimeldungen verschwiegen werde. Nach Angaben von Innenminister Ralf Jäger (SPD) verhalte sich die Polizei bei Medienauskünften entsprechend des Pressekodexes. Tatsächlich aber kamen Asylbewerber bei Polizeimeldungen 2015 als Täter meistens nur dann vor, wenn es sich um Meldungen über Schlägereien oder selbstgelegte Brände in Asylbewerberunterkünften gehandelt hatte. Polizeimeldungen über Sexualdelikte, in denen Asylbewerber verwickelt sind, sind in dieser Form erst seit letzter Woche zu beobachten. Diese Neuausrichtung vieler nordrhein-westfälischer Polizeidienststellen führt aber auch dazu, dass seitdem täglich, manchmal sogar mehrfach täglich, von sexuellen Belästigungen oder anderen Übergriffen gegenüber Frauen und Mädchen durch Asylsuchende zu lesen ist.

Hierbei handelt es sich auffällig oft um Taten, die aus einer Gruppe heraus oder zu mehreren begangen werden. So wurde etwa eine 18-jährige Frau am Montag in Minden von zwei Männern angegriffen. „Während einer der Täter die Frau an den Armen festhielt, begrabschte sein Komplize die wehrlose Frau mehrfach unsittlich“, so die Darstellung der Polizei. Zwei Asylbewerber aus Nigeria wurden unter „dringendem Tatverdacht“ verhaftet. Am Dienstag kamen beide in Untersuchungshaft. Bereits am Dienstag vergangener Woche war eine 22-jährige Frau, die ihre dreijährige Tochter vom Kindergarten abgeholt hat, in Rees am Niederrhein mit drei Männer konfrontiert, die sie mit „stöhnenden Geräuschen mit offensichtlich sexuellem Hintergrund“ und obszönen Gesten belästigten. Später ermittelte die Polizei drei in einer Asylunterkunft lebende Syrer als Täter, bei denen es sich unter anderem um Vater und Sohn handelte.

Ebenso gibt es offenbar auch Fälle, in denen der sexuelle Übergriff mit Diebstahl einhergeht. So berichtete die Dortmunder Polizei davon, dass Polizisten in der Nacht zum Dienstag am Hauptbahnhof beobachtet haben, wie ein Mann einer Frau den Hals abküsste und gleichzeitig in ihre Taschen griff, um etwas zu entwenden. Darauf folgten weitere unsittliche Berührungen an verschiedenen Körperstellen. Nachdem die Polizisten einschritten, stellte sich heraus, dass sich die 28-jährige Frau des Übergriffs deshalb schwach erwehren konnte, weil sie zum Tatzeitpunkt unter gesundheitlichen Problemen litt. Auch war sie nach dem Vorfall kaum ansprechbar. Der Täter, ein 28-jähriger Mann aus dem Irak, wurde festgenommen und am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt.

Auch Kindesmissbrauch durch Asylbewerber wird mitgeteilt

Aber auch Fälle von Kindesmissbrauch durch Asylbewerber befinden sich unter den „neuen“ Polizeimeldungen. So berichtete die Polizei in Kamen, dass ihr am Montagabend eine „Streitigkeit“ in einer kommunalen Asylbewerberunterkunft gemeldet wurde. Vor Ort brachten die Beamten in Erfahrung, dass ein Bewohner mit einem dreijährigen syrischen Mädchen gespielt hatte, während die Mutter in der Küche das Essen zubereitet hatte. In dieser Zeit soll der Mann das Mädchen sexuell missbraucht haben. Der 35-jährige pakistanische Tatverdächtige wurde vorläufig festgenommen, einen Tag später ordnete ein Richter Untersuchungshaft an.

Allerdings gab es in den letzten Tagen auch zwei Polizeimeldungen über Sexualdelikte, bei denen die mutmaßlichen Täter nicht als Asylbewerber kenntlich gemacht und mit Nationalität benannt wurden. Hierbei handelte es sich um einen 25-jährigen Mann, der am Sonntag in Essen festgenommen wurde, nachdem er laut Zeugenangaben eine 51-jährige Frau überfallen, mit der Schusswaffe bedroht und sexuell belästigt hatte. In diesem Fall waren Alter und Geschlecht die einzigen Angaben zum Täter. Bei einem 29-Jährigen, der am Freitag während einer Zugfahrt im Hochsauerland zwei junge Mädchen sexuell belästigte, wurde lediglich mitgeteilt, dass es sich um einen Zuwanderer gehandelt habe.

Wie bemüht die Polizeibehörden derzeit sind, sich solcher Vorgänge anzunehmen, zeigt ein Fall aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein: Dort wurde die Polizei durch eine Presse-Anfrage darauf aufmerksam, dass mehrere junge Männer aus einer Gruppe von Zuwanderern am Freitag im Freizeitbad Netphen Frauen belästigt haben sollen. Am Dienstag wurde mitgeteilt, dass das Siegener Kriminalkommissariat 1 Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts auf ein mögliches Sexualdelikt aufgenommen hat. Gleichzeitig erging ein Aufruf an mögliche Zeugen, sich unter der Telefonnummer 02 71 – 70 99 – 0 zu melden.

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