Kolumnen Politik

Gleiche Arbeit, gleicher Lohn

Alljährlich wird der „Equal Pay Day“ zelebriert, um auf die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau aufmerksam zu machen. Dabei wird aber ein Aspekt vernachlässigt: Frauen arbeiten zumeist in anderen Berufen als Männer. Richtig wäre also ein Tag unter dem Motto „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn“. Doch das entspräche nicht der Ideologie rot-grüner Politik. Eine Kolumne von Christian Loose.

Christian Loose

Der „Equal Pay Day“ am 18. März sollte die die geschlechtsspezifische Lohnlücke symbolisch markieren. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage, die Frauen im Vergleich zu Männern in diesem Jahr „umsonst“ arbeiten. In einer einfachen Studie werden die durchschnittlichen Gehälter aller Frauen und Männer gegenübergestellt. Dabei wird die 18-jährige Kellnerin genauso betrachtet wie der 50-jährige Hubschrauberpilot oder die 40-Jährige Managerin. Damit findet eine unbereinigte Gegenüberstellung statt.

Das so errechnete geschlechtsspezifische Lohngefälle in Höhe von 21 Prozent führte dann zu einem großen medialen Aufschrei bei vielen Frauen- und Sozialverbänden, aber auch bei Parteien wie der SPD oder den Grünen, die diese scheinbare Ungerechtigkeit für ihre Zwecke instrumentalisieren möchten. Beklagt wurde, dass die Frauen diskriminiert und ausgebeutet werden.

Verfassungswidrige Frauenquoten

Damit diese Lohnlücke von 21 Prozent geschlossen wird, setzen besonders rot-grün regierte Länder auf Frauenquoten. Das heißt, es soll nicht mehr die Qualität eines Bewerbers ausschlaggebend sein, sondern vermehrt das Geschlecht. Dadurch sollen Frauen schneller befördert werden und mehr Geld erhalten. So versuchte die rot-grüne Landesregierung 2016 durch eine Änderung des Landesbeamtengesetzes, Frauen auch bei schlechterer Qualifikation zu befördern.

Die Konsequenzen waren ein „Geschlechterkrieg“ sowie massive Proteste und Klagen, insbesondere aus dem Bereich der Polizei. Ein im Februar veröffentlichtes Gutachten des Rechtswissenschaftlers Janbernd Oebbecke kam zu dem Ergebnis, dass das Vorgehen der rot-grünen Regierung verfassungswidrig ist. Das Oberverwaltungsgericht in Münster hat die Regelung inzwischen gekippt, da der verfassungsrechtliche Grundsatz der „Bestenauslese“ verletzt wurde.

Lohnlücke tatsächlich nur bei zwei bis sieben Prozent

Selbstverständlich sollen Frauen bei gleicher Qualifikation und bei gleicher Arbeitsleistung bei der gleichen Tätigkeit auch den gleichen Lohn erhalten. Deshalb darf man aber gerade nicht die Arzthelferin und den Dachdecker miteinander vergleichen. So sind 99 Prozent der Arzthelfer weiblich und 99 Prozent der Dachdecker männlich. Das Einstiegsgehalt eines Dachdeckers ist jedoch 20 Prozent höher als das eines Arzthelfers. Dies lässt sich unter anderem durch schwerere körperliche Arbeit, aber auch durch das höhere Unfallrisiko begründen.

Zum anderen ist es so, dass gesellschaftliche Topmanager meist um sechzig Jahre alt sind. Und in den meisten Fällen handelt es sich um Männer. Das ist auch begründbar: Die Karrieren dieser Top-Entscheider begannen vor 35 Jahren, in einer Zeit, wo weitaus mehr Männer einen Hochschulabschluss gemacht haben als Frauen. Dementsprechend verdienen heute 60-jährige Männer mehr als 60-jährige Frauen. Durch die höhere Anzahl von weiblichen Hochschulabsolventen wird dieser Unterschied aber nach und nach entfallen – und zwar ganz ohne staatliche Vorgaben.

Ein letzter Punkt ist die Arbeitskraftverfügbarkeit und -belastung. So arbeiten Frauen häufig Teilzeit und Männer häufig Vollzeit, meist mit der Möglichkeit, zusätzliche Überstunden zu leisten. Nun ist es aber so, dass Teilzeitbeschäftigte regelmäßig deutlich weniger als Vollzeitbeschäftigte verdienen – und zwar unabhängig vom Geschlecht. Dieser Aspekt macht bereits mehr als die Hälfte der Lohnlücke aus. Hintergrund der schlechteren Bezahlung ist, dass die allgemeinen Kosten des Unternehmens unabhängig von der geleisteten Stundenanzahl sind. So fallen etwa die Kosten für die Lohnabrechnungen bei Teilzeitbeschäftigten in gleicher Höhe an. Zudem sind Teilzeitbeschäftigte weniger flexibel einsetzbar.

Wenn man beim Vergleich nun das Ausbildungsniveau, die Berufserfahrung, das Alter sowie die Branche berücksichtigt, zerfällt die Lohnlücke selbst bei staatlichen Statistiken auf sieben Prozent. Unabhängige Studien, wie etwa die Glasdoor-Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft, kommen lediglich auf 2 bis 5,5 Prozent Lohnunterschied. Damit stellt sich die Frage, ob dafür wirklich ein staatliches Eingreifen notwendig ist?

Instrumentalisierung der Frauen durch die Politik

Ist der Ruf nach der Schließung dieser Lohnlücke nicht einfach eine große PR-Aktion, um sich als der moralisch Erhabene darzustellen, der für diskriminierte Frauen kämpft, die selber anscheinend zu verängstigt sind, um ein höheres Gehalt zu verlangen? Ist diese Art der Instrumentalisierung der Frauen nicht selbst eine Art, Frauen zu diskriminieren?

Besteht am Ende nicht sogar die Gefahr, dass einige Menschen sich bei Frauen in guten Positionen die Frage stellen werden, ob deren Qualifikation oder deren Geschlecht den Ausschlag bei der Auswahl gegeben haben? Werden die Menschen dann im Krankenhaus auf einen männlichen Herzchirurgen bestehen, weil sie nur bei ihm darauf vertrauen können, dass er aufgrund seiner Qualifikation ausgewählt wurde?

Chancengleichheit statt Ergebnisgleichheit

Statt durch Quoten einen Keil zwischen Männer und Frauen zu treiben, sollte der Gesetzgeber die Grundvoraussetzungen für gleiche Chancen stärken. Dabei gilt es auch zu akzeptieren, wenn eine Frau keine Karriere machen möchte, sondern ihr Glück in der Familiengründung findet. Ebenso gilt es natürlich auch, die Männer zu stärken, die sich der Erziehung ihrer Kinder widmen möchten.

Ein Stärkungsprogramm wäre die Anerkennung der Erziehungsleistung in einer späteren Rentenversorgung durch die gesamte Gesellschaft. Aber auch die Weiterbildung muss in den Fokus gerückt werden. Alle, die für die Kindererziehung ein paar Jahre zu Hause bleiben, müssen durch gezielte Weiterbildung für den Job fit gehalten werden. Das sorgt dann auch dafür, dass die Babypause kein Karriererückschritt ist.

Der Arbeitgeber aber soll auch weiterhin die Bewerber nach Qualifikation aussuchen und bezahlen dürfen. Ein Zwangseingriff über Quoten hätte fatale Folgen. Denn damit würden sich Leistung und Entlohnung voneinander abkoppeln. Wir würden in ein sozialistisches System geraten, was Deutschland nachhaltig schaden würde.

Die Kolumnen bei NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Christian Loose

Der im Münsterland geborene Christian Loose ist seit Mai 2015 wirtschaftspolitischer Sprecher der NRW-AfD. Seit Juni 2017 ist er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Der gelernte Bank- und Diplomkaufmann arbeitet seit sieben Jahren bei einem großen Energieunternehmen und führt dort wirtschaftliche Analysen für Großprojekte ab einer Million Euro durch. Eines seiner politischen Ziele ist es, die Steuerverschwendung der Politiker zu bekämpfen, wofür er auch einen entsprechenden Straftatbestand fordert. Sein Lieblingszitat stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money." Übersetzt: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir am Ende das Geld anderer Leute ausgehen wird."