Goethe – ein Jeck?

Düsseldorf. In einer spannenden Ausstellung zeigt das Goethe-Museum unter dem Motto „Goethe und der Karneval“ passend zur Karnevalszeit die jecke Seite des größten deutschen Dichters (1749-1832).

Schloss Jägerhof beherbergt das Goethe-Museum (Bild: NRW.direkt)

Schloss Jägerhof beherbergt das Goethe-Museum (Bild: NRW.direkt)

Bunte Kostüme und viele originale Handschriften lassen den Besucher immer wieder staunen, dass sich dieser doch für so seriös gehaltene Dichterfürst dem Karneval in so zahlreichen poetischen Zeilen und Versen literarisch widmete.

So findet der Besucher in der sorgsam zusammengestellten Schau eine übersichtlich angefertigte, chronologische Aufstellung zu Goethes Biografie, zu seinen Werken und zum geschichtlichen Hintergrund. Dazu erfährt er, wie Goethe schon als junger Mensch gern in verschiedene Rollen schlüpfte. Als 14-Jähriger verglich er sich mit einem „Camaeleon“, das bekanntlich seine Farben wechselt und ein sehr scharfes Auge hat. Als 26-Jähriger erlebte er in seiner Geburtsstadt Frankfurt den Fasching, wo er auf Maskenbälle mit seiner verehrten Lili Schönemann durchtanzte.

Das Römische Carneval

Wie sehr Goethe sich mit dem Karnval beschäftigte, zeigen seine ausführlichen Zeilen im Kapitel „Das Römische Carneval“ (1788) der „Italienischen Reise“. Bemerkenswerte schöne, bunte Figurinen in Lebensgröße dazu findet der Betrachter der Ausstellung an der Wand im zweiten Raum. Goethes Eindrücke zum Karneval in Rom verblüffen durch den aktuellen Bezug zu unseren heutigen närrischen Rosenmontagsumzügen. So schreibt er über das karnevalistische Treiben in Roms Straßen, dass es „erlaubt sei, unter freiem Himmel töricht zu sein“. Er entdeckt dort Pferde „mit Flor und Blumen geputzt“, „Prachtwagen, auf denen „Kutscher und Bediente maskiert“ sind. „Verzuckerte Körner und Konfetti“, die geworfen werden, ließen schon damals wie heute so manches „Scharmützel“ entstehen.

Mummenschanz

Obwohl Goethe den jecken Charakterzug in sich erspürte und auslebte, stand er dem Karneval auch ambivalent gegenüber. Er „war für ihn Goethe eine Herausforderung … Wie gehen der Regelverstoß des Karnevals und das Verlangen nach Ordnung (in der Zeit der Klassik) … zusammen?“, so der Leiter des Museums, Professor Dr. Christof Wingertszahn, in seinen Erläuterungen. Ein ganzer Raum beschäftigt sich umfangreich und äußerst interessant mit dem Thema „Faust. Der Tragödie zweiter Teil“ aus verschiedenen Perspektiven. Im ersten Akt dichtete Goethe seinen tiefsinnigen Mummenschanz, dem phantastischen Maskenzug am kaiserlichen Hof. Daneben liest sich das Gedicht „Der Kölner Mummenschanz“ im Original doch etwas leichter: „Löblich wird ein tolles Streben / Wenn es kurz ist und mit Sinn“. Damit lässt es sich doch in den Hochburgen des Karnevals gut feiern. 

Die Ausstellung, zu der es qualifizierte Führungen gibt, ist bis zum 10. Februar 2016 geöffnet. Goethe-Museum, Schloss Jägerhof, Jacobistraße 2, 40211 Düsseldorf. Die Öffnungszeiten sind Dienstags bis Freitags und Sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie Samstags von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen zu kulturellen Veranstaltungen finden Sie unter www.goethe-museum.com.

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Über den Autor

Brigitta Dahlmann

Redakteurin für Kultur bei NRW.direkt seit Dezember 2015.