„Große Verunsicherung bei Juden“

Düsseldorf/Mönchengladbach. In der Landeshauptstadt sprach der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde am Mittwoch von „großer Verunsicherung“, mit der Juden in diesem Jahr der Befreiung des KZ Auschwitz gedenken. In Mönchengladbach hingegen wurde das Gedenken daran dazu genutzt, die Situation von Asylsuchenden zu thematisieren.

Gedenken am Mahnmal in Düsseldorf-Derendorf (Bild: NRW.direkt)

Gedenken am Mahnmal in Düsseldorf-Derendorf (Bild: NRW.direkt)

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes. Zum Gedenken daran legten die Düsseldorfer Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke und Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde der Stadt, am Mittwochnachmittag am Mahnmal für die Deportierten am ehemaligen Güterbahnhof im Stadtteil Derendorf einen Kranz nieder.

Von 1941 bis 1944 wurden von diesem Bahnhof jüdische Bürger aus dem gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf in Ghettos und Konzentrationslager deportiert. Am Abend vor den Terminen hatten sich die Juden im Schlachthof an der Rather Straße einzufinden, wo sie registriert und mittels Leibesvisitationen ausgeplündert wurden. Am Tag darauf mussten sie in südlicher Richtung zu den Verladerampen gehen, wo sie in Personenwagen 3. Klasse verladen wurden.

Gegenwart von Ängsten und Sorgen geprägt

Vor rund 150 Zuhörern erinnerte Klaudia Zepuntke daran, dass mindestens 6.400 niederrheinische Juden vom Güterbahnhof Derendorf in Lager und Ghettos verschleppt wurden und die wenigsten davon die NS-Lager überlebt hätten. Oded Horowitz wagte den Blick in die Gegenwart und sprach davon, dass die Juden diesen Jahrestag „mit großer Verunsicherung“ erleben. Ein Grund dafür sei der islamistische Terror, der Juden weltweit bedrohe. In früheren Jahren sei dieser Gedenktag für die Jüdischen Gemeinden „mit weniger Ängsten und Sorgen als heute im Jahr 2016″ verbunden gewesen, sagte Horowitz, dessen Rede einmal vom Lärm einer nahe gelegenen Baustelle übertönt wurde.

In der jüngeren Vergangenheit mussten die Jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen deutlich mehr Geld für ihre Sicherheitsmaßnahmen aufbringen. Dies ist darin begründet, dass nach antisemitisch motivierten Anschlägen in Brüssel, Paris und Toulouse befürchtet wird, die Terror-Organisation Islamischer Staat könnte die unkontrollierte Aufnahme von Asylbewerbern in Deutschland auch zum Einschleusen von Attentätern nutzen.

Asylbewerber im Mittelpunkt der Gedenkstunde

Völlig andere Akzente hingegen wurden in Mönchengladbach zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gesetzt. Dort lud nicht die Stadt, sondern das Bündnis „Aufstehen – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ in die City-Kirche. Die Jüdische Gemeinde der Stadt ist bei diesem Bündnis seit 2015 kein Mitglied mehr und gehörte damit auch nicht zu den Veranstaltern der Gedenkstunde. Stattdessen beteiligten sich unter anderem der Arbeitskreis Asyl der Hauptpfarre sowie der Mönchengladbacher Flüchtlingsrat an der Veranstaltung. Nach dem Gedenken an die Opfer des National-Sozialismus wurden die aktuelle Asylpolitik sowie die Situation der Asylsuchenden in Mönchengladbach thematisiert.

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Über den Autor

Peter Hemmelrath

Herausgeber von NRW.direkt seit Dezember 2015.