Essen Politik

Guido Reil macht weiter

Essen. Wertvollster Wahlkämpfer der AfD dürfte der Bergmann Guido Reil gewesen sein. Wegen seines undankbaren Listenplatzes schaffte es der ehemalige Sozialdemokrat jedoch selber nicht in den Landtag. Reil will trotzdem weitermachen und seine neue Partei auch im Bundestagswahlkampf unterstützen.

„Besuch im Guido-Reil-Land“ titelte die WAZ am Tag nach der Landtagswahl. Damit war der Essener Norden gemeint, wo Guido Reil für die AfD regelrecht abgeräumt hatte: In Vogelheim und Karnap holte er mehr als 20 Prozent, in Altenessen und Bergeborbeck kam Reil auf mehr als 15 Prozent.

Aber der Bergmann verhalf seiner Partei nicht nur im Essener Norden zu überdurchschnittlichen Ergebnissen: Fast täglich tourte er in der Schlussphase des Wahlkampfs unter dem Motto „Der Steiger kommt“ durch Nordrhein-Westfalen, nicht selten zusammen mit Frauke Petry und Marcus Pretzell. Damit wurde er nicht nur zum Gesicht seiner Partei im Ruhrgebiet, wo die AfD fast überall überdurchschnittlich abschnitt. Sondern half auch kräftig mit, das Image einer von Negativ-Schlagzeilen geplagten Partei wieder aufzupolieren.

Leicht hatte er es sich nie gemacht: Im Mai 2016 ist Guido Reil aus der SPD ausgetreten. Auslöser war die Flüchtlingspolitik der Partei, später sagte Reil, er sei auch enttäuscht gewesen, dass die Partei nur noch „von oben nach unten regiert“ wurde. Auf einfache „Malocher“ wie ihn würde in der SPD nur noch herabgesehen. Der Essener Kreisvorsitzende Stefan Keuter überzeugte ihn davon, in die AfD einzutreten. Nicht jedem in der AfD gefiel das; Keuter musste nicht wenig Kritik einstecken.

Offener Hass der Linken gegen den Ex-Sozialdemokraten

Nach seinem Beitritt zur AfD wurde Guido Reil mit Formen von Hass und Ablehnung konfrontiert, die für einen Politiker, der 26 Jahre lang in der SPD aktiv war, völlig neu waren. Zuletzt bekam der Gewerkschaftler das zu spüren, als er in Essen wie in jedem Jahr an einem Umzug zum 1. Mai teilnahm: Andere Teilnehmer beschimpften und beleidigten ihn, teilweise wurde er bedroht und konnte seinen Weg nur unter dem Schutz der Polizei fortsetzen.

Ähnlich erging es ihm beim Wahlkampf-Abschluss am Freitag in Gelsenkirchen, wo linksradikale Schalke-Fans ihn als „Nazi-Sau“ oder „Verräter“ beschimpften und die Polizei mit Diensthunden für seine Sicherheit sorgen musste. Aber auch davon ließ er sich nicht beirren, sondern machte bis zur letzten Minute im Ruhrgebiet Wahlkampf. „Ich fress seit dreißig Jahren Kohle, von euch Witzfiguren lasse ich mich nicht einschüchtern“, schleuderte der Bergmann den Demonstranten in Gelsenkirchen entgegen. Zu den Protesten hatte die SPD aufgerufen, seine ehemalige Partei.

Aber trotz seines unermüdlichen Engagements ist Guido Reil am Wahlabend leer ausgegangen. Trotz seines respektablen Wahlergebnisses wurde der Wahlkreis Essen I – Mülheim II von seinem SPD-Konkurrenten Thomas Kutschaty gewonnen. Und bei der Aufstellung der Landesliste war Reil mit dem undankbaren und wenig aussichtsreichen Platz 26 abgespeist worden. Damit gehört Guido Reil nicht zu den 16 Landtagsabgeordneten der AfD, ihm bleibt auch weiterhin nur das aus seiner SPD-Zeit stammende Mandat im Essener Stadtrat. Zufrieden mit den Ergebnissen ist er trotzdem: „Das habe ich für uns gemacht“, sagte er auf der Wahlparty seiner Partei in Düsseldorf.

„‚Der Steiger kommt‘-Deutschland-Tournee“ angekündigt

Und im gleichen Atemzug kündigte er an, sich für die Bundestags-Direktkandidatur in seinem Essener Wahlkreis zu bewerben. Dabei will er nicht nur in seiner Heimat Wahlkampf machen, sondern in allen 16 Bundesländern. „Ich werde jetzt die nächsten vier Monate unbezahlten Sonderurlaub nehmen und voll Wahlkampf machen“, sagte Reil. „Und ich bin mir sicher, dass es dabei noch ein deutlich besseres Ergebnis geben wird als die 20 Prozent, die wir jetzt schon haben. Und diese ganzen Angriffe gegen uns haben uns nur gestärkt und zusammengeschweißt.“

„Nach der Landtagswahl ist vor der Bundestagswahl“, sagte der neben ihm stehende Stefan Keuter, der Reils Ankündigung als „phantastische Neuigkeit“ bezeichnete. „Bei uns entscheiden natürlich die Mitglieder, die Partei ist basisdemokratisch“, sagte Keuter weiter. „Aber bei dem Rückhalt, den Guido in der Partei hat, sollte die Wahl zum Direktkandidaten keine Schwierigkeit sein.“

Bild: Guido Reil im Wahlkampf. Bildrechte: NRW.direkt

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