Abgebrannte Messehalle Düsseldorf Justiz

Haftbefehl gegen Adel Z. aufgehoben

Düsseldorf. Der Hauptangeklagte im Prozess um die Messehallen-Brandstiftung ist wieder auf freiem Fuß. Angeblich soll ein Überraschungszeuge Adel Z. am Montag ein Alibi gegeben haben. Da viele Gerichtsreporter an diesem Tag bei den Plädoyers im Salafisten-Prozess und damit nicht im Landgericht waren, gibt es derzeit keine verlässlichen Informationen zu dem Zeugen und seiner Aussage.

Adel Z. wartet auf seinen Prozess (Bild: NRW.direkt)

Gegen den 27-jährigen Adel Z. wird seit Mitte Januar vor dem Landgericht in Düsseldorf verhandelt. Ihm wird vorgeworfen, am 7. Juni 2016 eine als Asylbewerberunterkunft genutzte Messehalle angezündet zu haben, weil der gläubige Muslim darüber empört war, dass während des Ramadans tagsüber Speisen und Getränke an nicht fastende Mitbewohner ausgegeben wurden. Erst in der letzten Woche wurde Adel Z. von einem 20-jährigen Iraner schwer belastet. So soll er „alle bedroht“ und wegen des Ramadans angekündigt haben, „alles zu brennen“.

Medienberichten zufolge ist der Algerier seit Anfang dieser Woche wieder auf freiem Fuß, weil ihm ein Zeuge am Montagmorgen ein Alibi gegeben haben soll. So soll sich Adel Z. zum Tatzeitpunkt mit dem Zeugen an einem anderen Ort der Halle aufgehalten haben. Die Angaben zu dem Zeugen sind jedoch widersprüchlich; so ist in zwei Presseartikeln von einem Zimmernachbarn die Rede, an anderer Stelle von einer Frau. Für die Sitzung am Montagmorgen waren aber nur Polizisten als Zeugen angekündigt.

Keine neutralen Informationen zum mysteriösen Überraschungszeugen?

In den letzten Wochen war der Verfasser dieses Artikels der einzige regelmäßig anwesende Pressevertreter beim Verfahren gegen Adel Z. und dem wegen Anstiftung mit angeklagten Mohamed B. Ebenso wie andere Düsseldorfer Gerichtsreporter war er aber am Montag wegen der gleichzeitig am Oberlandesgericht stattfindenden Plädoyers im Verfahren gegen den mutmaßlichen Bonner Bombenleger Marco G. nicht beim Prozess gegen Adel Z. und Mohamed B.

Das wie auch die für Presseberichterstattung ungewöhnlich große zeitliche Distanz zwischen der Sitzung am Montagmorgen sowie der Medienveröffentlichungen am späten Dienstagabend werfen die Fragen auf, ob tatsächlich während der Adel Z. entlastenden Zeugenaussage ein Journalist im Sitzungssaal anwesend war und ob die derzeit in den Medien dazu herumgereichten Darstellungen nicht vielmehr am Dienstag von einem Verfahrensbeteiligten an die Presse lanciert wurden. Damit gibt es derzeit weder eine seriöse Darstellung der Zeugenvernehmung vom Montag noch eine neutrale Information dazu, wer dieser Zeuge gewesen sein soll. Bestätigt ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur, dass der Haftbefehl gegen Adel Z. tatsächlich aufgehoben und dies mit dem Wegfall des dringenden Tatverdachts begründet wurde.

Widersprüche zu seiner eigenen Darstellung?

Am zweiten Verhandlungstag hatte Adel Z. selber behauptet, er habe zur Tatzeit geschlafen und sei dann wegen des Brandes geweckt worden. Eine Zeugenaussage, nach der er sich zum Tatzeitpunkt mit einem Zimmernachbarn an einem anderen Ort der Messehalle aufgehalten haben soll, wäre damit nur schwerlich in Einklang zu bringen. Auch deshalb nicht, weil in diesem Verfahren bislang nie von einem Zimmernachbarn die Rede war.

Aufgrund dieser ungewöhnlich hohen Unklarheiten und Widersprüchen hat unsere Redaktion heute beim Landgericht einen umfangreichen Fragenkatalog mit der Bitte um Beantwortung eingereicht. Von Seiten des Gerichts wurde in Aussicht gestellt, die Fragen bis zum Wochenende zu beantworten. Die Verhandlung soll am 2. März fortgesetzt werden. Die Bild-Zeitung schreibt bereits, dass es dann einen Freispruch geben soll.

Print Friendly, PDF & Email