Kolumnen Politik

Hass-Kampagne BDS immer gefährlicher

Die Auseinandersetzungen über die Aus- und spätere Wiedereinladung der schottische Musik-Gruppe Young Fathers zur Ruhrtriennale zeigen den Druck der BDS-Bewegung auf. Ist künftig aktiv gelebter Israel-Boykott Teil der künstlerischen und kulturellen Landschaft an Rhein und Ruhr? Eine Kolumne von Michael Naor.

Michael Naor (Bild: NRW.direkt)

Die Ruhrtriennale ist zweifelsohne eines der wichtigsten Kulturereignisse in Nordrhein-Westfalen. Nun scheint auch dieses Festival vor dem Druck der anti-israelischen BDS-Bewegung eingeknickt zu sein. Zumindest vorübergehend: Intendantin Stefanie Carp hat die schottische Musik-Gruppe Young Fathers zur Teilnahme am Festival eingeladen, obwohl die Band für ihre Unterstützung für die von palästinensischen Organisationen gegründete BDS-Bewegung bekannt ist.

Nach Kritik an dieser Entscheidung und einer Intervention von Landeskulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen wurde die Band ausgeladen. Nach erneutem Druck der BDS-Bewegung wurde sie jedoch wieder eingeladen. Mittlerweile hat die Band selbst ihre Teilnahme abgesagt. Stefanie Carp aber trieb den Skandal auf die Spitze, indem sie die BDS-Bewegung am Donnerstag im Kulturausschuss des Landtages verteidigte und als Kämpfer für das Existenzrecht Palästinas bezeichnete. Erleben wir da neue Winde, die in NRW wehen? Ist künftig aktiv gelebter Israel-Boykott Teil der künstlerischen und kulturellen Landschaft an Rhein und Ruhr?

Wer oder was ist BDS?

BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“ (Boykott, Desinvestition und Sanktionen). Die Bewegung entstand 2005 durch palästinensische Organisationen und Gruppen, die sich das Modell des langjährigen Boykotts der arabischen Liga gegen Israel zum Vorbild gemacht hatten.

Ihre ersten Erfolge hatte die BDS-Bewegung in Großbritannien und zwar ausgerechnet im Bereich der Wissenschaft: Durch Einfluss und Druck von arabischen und linksradikalen Gruppierungen wurden an einigen britischen Universitäten israelische Wissenschaftler von internationalen Konferenzen wieder ausgeladen und ihre Publikationen abgelehnt.

Musiker werden unter Druck gesetzt

Musiker, die in Israel auftreten, werden zum Teil unter massiven Druck gesetzt, ihre Tourneen wieder abzusagen. Eine der bekanntesten Stimmen dieser Kampagne ist der durch die Rockgruppe Pink Floyd bekannt gewordene Musiker Roger Waters, der erst im Juni in der Lanxess-Arena in Köln bejubelt wurde. Seine Schmähfigur eines mit einem Davidstern bemalten aufgeblasenen Schweins auf seinem Konzert 2013 in Düsseldorf wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Mittlerweile haben einige Musiker vor dem Druck der BDS-Bewegung kapituliert. Die meisten jedoch sind – noch – selbstbewusst genug, um dem zu widerstehen und den teilweise heftigen Drohungen zu trotzen, wie die Rolling Stones, Radiohead und Alanis Morisette, um nur einige Beispiele zu nennen.

Israelische Sportler oft benachteiligt

Auch im Sport, dem Symbol des Miteinanders der Völker, konnte die BDS-Bewegung weitere Erfolge verzeichnen: Wenn israelische Sportler im Rahmen eines internationalen Turniers gegen einem Gegner aus einem arabischen Land antreten sollen, erscheint der in der Regel erst gar nicht. Oft wird eine plötzliche Erkrankung oder Verletzung vorgespielt. Wenn solche Turniere in einem arabischen Land stattfinden, werden die israelischen Mannschaften ausgeladen.

Wenn es doch mit Druck der internationalen Sportverbände gelingt, diese schließlich miteinzubeziehen, werden die Israelis als Pariah behandelt: Als einzige Mannschaft der Welt dürfen sie nicht mit ihren nationalen Abzeichen antreten und im Falle eines Sieges wird weder die israelische Fahne gehisst noch die Nationalhymne gespielt. Dies hindert die Weltgemeinschaft jedoch nicht, Turniere in diesen Ländern weiter zu fördern und finanziell zu unterstützen.

„Kauft nicht bei Juden“

In Deutschland hatte die BDS-Bewegung zunächst mit einer Kampagne gegen israelischen Waren begonnen. Die Bilder mit den Slogans „Kauft nicht israelische Produkte“ sind noch stark in Erinnerung. Nicht ohne Grund fühlten sich viele Bürger dieses Landes an die Nazi-Kampagne „Kauft nicht bei Juden“ erinnert.

Jetzt hat diese Hasskampagne ihre Aktivitäten erweitert und verbreitet ihre Propaganda in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Dabei geht es bei den Aktionen immer um „gegen“ und nie um „für“. Und was hat die BDS-Bewegung bislang damit bewirkt?

Ein gutes Beispiel für ihre destruktive Arbeit ist die Geschichte der israelischen Firma SodaStream. Diese hatte mehrere Jahre lang ihre Hauptproduktionsstätte in dem Palästinensischen Autonomiegebiet, wo Juden und Araber Seite an Seite arbeiteten. Nach vielen lauten Protesten und Verunglimpfungen sah sich das Unternehmen jedoch gezwungen, seinen dortigen Betrieb und schließen und ins Kernland Israel zu verlagern. Dutzende von Palästinensern haben damit ihre Arbeitsstellen verloren. Aber dies interessiert ja keinen der „Aktivisten“.

Höhepunkt der Heuchelei

Wenn die BDS-Anhänger in ihrer Boykottlinie wirklich konsequent wären, dürften sie kein Handy nutzen, da die darin enthaltene Technologie mit hoher Wahrscheinlich aus Israel stammt. Sie dürften keine Nachrichten über soziale Netzwerke lesen oder versenden, da all diese Kommunikationsdienste auf der in Israel entwickelten ICQ-Technologie aufbauen. Sie dürften auch keine USB-Sticks und keine nanographischen Drucker nutzen, sich von modernen medizinischen Methoden untersuchen lassen und müssten viele Medikamente und Lebensmittel von ihrem Einkaufszettel streichen.

Erst kürzlich rief eine Gruppe von Lesben und Schwulen in Irland zum Boykott gegen den Eurovision Song Contest auf, der 2019 in Israel stattfinden soll. Das Erstaunliche daran: Gerade in Israel genießt die LGBT-Gemeinschaft gleiche Rechte und viel Freiheit, was man aber über keines der Nachbarländer behaupten kann.

Nichts als Hass

Eine der medienwirksamsten Aktionen der BDS-Bewegung ist der sogenannte Al-Quds-Tag in Berlin. Dort wird Israel als „Krebsgeschwür“ bezeichnet und ganz offen zu seiner Vernichtung aufgerufen. Nicht ohne Grund stehen mehrere der daran beteiligten „Aktivisten“ unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Ironischerweise scheint die BDS-Bewegung selbst geschwürartig alle Bereiche unseres Lebens infiltrieren und verseuchen zu wollen. Lassen wir uns dabei nicht täuschen: Hinter dem Vorwand des „Schutzes von Menschenrechten“ stehen häufig nicht nur die Feinde Israels, sondern auch die Feinde der Demokratie und der offenen Gesellschaften. Viele von ihnen würden in ihren Ursprungsländern nicht einmal die Chance erhalten, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.

Was bedeutet das für uns? Eine freie und offene Gesellschaft darf und muss sich auch gegen solche destruktiven Elemente schützen. Es ist höchste Zeit, aufzustehen und dagegenzuhalten! Da sind klare und entschiedene Maßnahmen erforderlich – sowohl seitens der Politik als auch der Zivilgesellschaft. Die Umsetzung der Forderung der FDP-Fraktion nach einer personellen Neuaufstellung der Ruhrtriennale wäre schon mal ein guter Anfang.

Die Kolumnen von NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

Print Friendly, PDF & Email

Über den Autor

Michael Naor

Michael Naor ist in Tel Aviv, Israel, geboren und lebt seit 30 Jahren in Düsseldorf. Er ist Psychologe und Psychotherapeut und war viele Jahre in einer Fachklinik beschäftigt. Naor engagiert sich in verschiedenen Bereichen der Jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. So ist er Präsident der B’nai B’rith Franz-Rosenzweig-Loge in Düsseldorf und Mitglied im Exekutivkomitee von B’nai B’rith Europe (BBE). Außerdem war er Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Vize-Präsident der Zionistischen Organisation Deutschland (ZOD) sowie zehn Jahre lang Chefredakteur von ILI-News, dem Newsletter von „ILI - I Like Israel".