Justiz Mönchengladbach

Hohe Haftstrafe für Messer-Attacke im Zug

Mönchengladbach. Das Landgericht verkündete am Freitag das Urteil gegen den 23-Jährigen, der seine Frau im Mai im Regionalexpress mit einem Messer angegriffen hatte. Der Somalier wurde zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die junge Frau war geflüchtet, weil sie von ihm eingesperrt und mehrfach unter Vorhalt eines Messers vergewaltigt wurde. Kurz vor dem Urteil hatte der Asylbewerber vergeblich vorzutragen versucht, er sei durch seine Flucht nach Europa traumatisiert.

Regionalexpress im Bahnhof Odenkirchen (Bild: NRW.direkt)

Der 23-jährige Abdirazak H. wurde am Freitag von der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts Mönchengladbach wegen Nötigung, gefährlicher Körperverletzung sowie zwei als besonders schwer eingestuften Vergewaltigungen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten verurteilt. Damit entsprach das Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Anwalt des 23-Jährigen hatte auf vier Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert. Bis Freitag nächster Woche kann gegen das Urteil Revision eingelegt werden.

Der Somalier hatte seine Frau am 24. Mai in einem Regionalexpress zwischen den Mönchengladbacher Bahnhöfen Rheydt und Odenkirchen mit einem Messer angegriffen. Laut eines Zeugen hatte er über eine Minute lang auf die Frau eingestochen. Danach seien „fünf bis sechs“ Blutlachen zu sehen gewesen.

In Odenkirchen hatte der 23-Jährige den Zug verlassen. Später rief er die Polizei an und sagte: „Ich habe Unfall mit Messer gemacht.“ Die 19-jährige Frau, die kurz zuvor ein gemeinsames Kind zu Welt gebracht hatte, überlebte schwer verletzt, da ein Messerstich in den Oberkörper an einer Rippe abgeprallt war und ein anderer die Schlagader knapp verfehlte.

Prozess bot verstörende Einblicke

In den insgesamt vier Verhandlungstagen boten sich den Prozesszuschauern verstörende Einblicke in das Leben der jungen Frau, die seit der Tat an einem sicheren Ort untergebracht ist und nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen werden konnte. Durch die Vernehmung einer Polizistin wurde jedoch bekannt, dass die Frau gegenüber der Polizei von rund 20 Vergewaltigungen gesprochen hatte. Auch sei sie von ihm verprügelt und eingesperrt worden. Falls sie ihn verlasse, werde er sie „abstechen“, habe er gedroht.

Abdirazak H. aber bestritt die Darstellungen seiner Frau und bezeichnete sie als „Lügnerin“, die immer nur „Schwierigkeiten“ gemacht habe. Bei den anderen Fahrgästen des Regionalexpresses, die die Bluttat miterleben mussten, entschuldigte er sich im Gerichtssaal dafür, dass er ihnen dieses Szenario zugemutet hatte. Eine Entschuldigung dem Opfer gegenüber blieb jedoch aus. Der Somalier wurde bereits im Dezember 2016 vom Amtsgericht Neuss wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verwarnt und zu Jugendarrest verurteilt.

„Opfer in Leibeigenschaft gehalten“

In seiner Urteilsbegründung sprach der Vorsitzende Richter Lothar Beckers davon, dass die junge Frau „in Leibeigenschaft gehalten wurde“. Abdirazak H. habe sie „kontrolliert und eingesperrt“. Auch habe er gemeint, „mit ihr machen zu können, was er will“. Die beiden Vergewaltigungen habe die Strafkammer deshalb als besonders schwere Fälle gewertet, weil er ihr dabei mit einem Messer gedroht habe.

An die Frau gerichtete Vorwürfe, sie habe nicht um Hilfe ersucht, wies der Richter zurück: Das Opfer sei „in einem männerdominierten Kulturkreis weit weg von uns entfernt aufgewachsen“. Bereits dort habe sie „mit ihrer Beschneidung wirklich schlimme Dinge erlebt“. Dass sie als Frau in Deutschland Rechte hat und Hilfe in Anspruch nehmen kann, sei ihr möglicherweise gar nicht bewusst gewesen.

„Wenn ich rauskomme, mache ich dich fertig“

Der Forderung der Nebenklage nach einer Verurteilung wegen versuchtem Totschlag kam die Kammer jedoch nicht nach. Lothar Beckers begründete das damit, dass die Beweisaufnahme ergeben hatte, dass Abdirazak H. im Zug, nachdem er auf seine Frau eingestochen hatte, gesagt habe: „Ich gehe ins Gefängnis. Gefängnis ist für Männer. Aber wenn ich da rauskomme, mache ich dich fertig.“ Dieser Satz belege eindeutig, dass er in dem Augenblick, in dem er wieder von ihr abgelassen hatte, davon ausgegangen sei, die junge Frau nicht getötet zu haben.

Kurz vor dem Urteil hatte der Somalier noch versucht, dem Gericht zu erklären, er sei seit seiner Flucht nach Europa depressiv. „Ich konnte nicht schlafen, ich bin traumatisiert und ich habe Albträume“, übersetzte der Dolmetscher. Bei Lothar Beckers biss er damit jedoch auf Granit: „Wir haben hier häufiger mit depressiven Angeklagten zu tun. Und die neigen nicht zu Gewalt gegen andere, eher gegen sich selber“, sagte der Richter. „Und wir verhandeln hier ein Gewaltdelikt.“ Auch die Staatsanwältin sowie die Anwältin der Nebenklage widersprachen sofort und verwiesen auf gewalttätige Vorfälle in der Haft, in die Abdirazak H. offenbar verwickelt war: „Da hat er ja auch Aktivitäten entwickelt, die mit Depression nichts zu tun haben.“

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