Brandstiftung in Flüchtlingsunterkunft Justiz Mönchengladbach

„Ich bringe euch alle um“

Mönchengladbach. Auch am zweiten Verhandlungstag schilderten Zeugen, dass Adel-Mohamed M. die Brandstiftung in der Flüchtlingsunterkunft vorab angekündigt habe. „Ich komme morgen früh und bringe euch alle um“, soll er unter anderem gesagt haben. Vorwürfe gegen die Polizei, sie habe den Somalier ohne Gefährderansprache wieder aus dem Gewahrsam entlassen, erwiesen sich jedoch als haltlos.

Adel-Mohamed M. beim Prozessauftakt (Bilder: NRW.direkt)

Am Dienstag wurde der Prozess gegen Adel-Mohamed M. fortgesetzt. Gegen den 21-Jährigen wird seit Montag vor der 7. Großen Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts verhandelt. Vorgeworfen wird ihm schwere Brandstiftung und versuchte Tötung. Der Somalier hatte bereits kurz nach der Tat zugegeben, am 23. März sein Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft im Mönchengladbacher Volksgarten angezündet zu haben. Der betroffene Wohncontainer brannte dabei völlig aus.

Zum Zeitpunkt seiner Tat stand Adel-Mohamed M. aufgrund einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung unter laufender Bewährung. Auch sind noch weitere Verfahren wegen Körperverletzungs- sowie Betäubungsmitteldelikten gegen den in Deutschland geduldeten Somalier anhängig. Nach dem Brand wurden Anzeigen gegen die zuständige Ausländerbehörde gestellt, der darin vorgeworfen wurde, dem 21-Jährigen durch dessen Verbleib in Deutschland die Brandstiftung erst möglich gemacht zu haben.

Als Motiv hatte Adel-Mohamed M. in seiner Einlassung am Montag angegeben, sich umbringen zu wollen. Er sei „besoffen“, „sehr wütend“ und nicht mehr „Herr seiner Sinne“ gewesen. Dass er seine Tat vorher angekündigt habe, bestritt der Somalier: „Das habe ich niemals gesagt. Warum sollte ich das machen?“

„Dieses Heim ist scheiße!“

Aber bereits die ersten Zeugenaussagen zeichneten ein anderes Bild. Diese Tendenz setzte sich auch am Dienstagmorgen fort. So berichte ein Hausmeister der Asylbewerberunterkunft, dass Adel-Mohamed M. am Vorabend in arabischer Sprache gedroht habe: „Ich komme morgen früh und bringe euch alle um!“ Danach habe er zu einer Polizistin auf Deutsch gesagt: „Ich komme morgen früh und mache Feuer. Dieses Heim ist scheiße!“ Auf den Einwand von M.s Anwalt, der Somalier könne gar kein Arabisch, sagte der Hausmeister: „Wir haben mit dem definitiv auf Arabisch gesprochen.“ Dann platzte dem Hausmeister der Kragen: „Ich weiß, dass Sie den verteidigen müssen. Aber ich sage meine Meinung. Und die ist: Abschieben und raus.“

Einer der Polizisten, die Adel-Mohamed M. daraufhin zur Wache gefahren haben, berichte davon, dass der Somalier dabei in seiner Muttersprache geredet habe. Zwischendurch aber habe er plötzlich auf Deutsch von „Feuer machen im Heim“ gesprochen. Dann sei er wieder in seine Muttersprache verfallen.

Zeuge erscheint schwankend

Bizarr wurde es, als ein ebenfalls in der Flüchtlingsunterkunft untergebrachter 52-jähriger Somalier vernommen wurde. Zuerst musste seine Vernehmung verschoben werden, weil er noch nicht da war. Später betrat er den Gerichtssaal mit sichtbarer Schlagseite. Seine Verspätung erklärte er damit, zuerst bei einem anderen Gericht gewesen zu sein. Alkoholisiert zu sein, bestritt er jedoch: „Ich habe gestern getrunken, nicht heute.“ Dafür stellte sich schnell heraus, dass er in der Nacht vor dem Brand wegen „einer Auseinandersetzung mit einem Araber“ ebenfalls im Polizeigewahrsam war.

Auf die Frage, ob er mit Adel-Mohamed M. verwandt oder verschwägert sei, antwortete der Mann, dass er dessen „Landsmann und Freund“ sei. Später aber konnte er sich daran nicht mehr erinnern. Auch davon, nach dem Brand gegenüber der Polizei zu Protokoll gegeben zu haben, dass M. bereits Monate zuvor „immer wieder“ gesagt habe, dass er die Unterkunft anzünde, wenn er nicht verlegt werde, wollte er plötzlich nichts mehr wissen: „Ich weiß nicht mehr, kann mich nicht mehr erinnern.“

Nach dem Ende der Vernehmung wurde es Staatsanwalt Stefan Lingens zu bunt: „Sagen Sie dem Herrn M., dass er eine Ladung von der Polizei bekommt. Das wird ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage geben“, sagte er in Richtung des Dolmetschers. Als der 52-Jährige durch den Übersetzer antwortete, nichts Falsches gesagt zu haben, sagte der Staatsanwalt kurz angebunden: „Das werden wir noch klären. Jetzt können Sie gehen.“

Vorwürfe gegen Polizei haltlos

Die über eine große Mönchengladbacher Tageszeitung gegen die Polizei erhobenen Vorwürfe erwiesen sich am Dienstag jedoch als haltlos. Wie bereits berichtet, hatte ein anonymer Anzeigensteller behauptet, die Polizei hätte Adel-Mohamed M. am Morgen des Brandtages ohne Gefährderansprache wieder aus dem Gewahrsam entlassen.

Am Dienstag aber schilderte eine Polizistin, die an diesem Tag im Frühdienst war, dass ihr davon berichtet wurde, dass der Somalier mit einem Feuer in der Unterkunft gedroht hatte. Ihr wurde aufgetragen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, falls er diese Drohungen am Morgen wiederhole. Wie bereits bei früheren Fällen, bei denen er ebenfalls aggressiv und betrunken in Gewahrsam genommen wurde, war Adel-Mohamed M. aber auch an diesem Morgen nach seiner Ausnüchterung wieder ruhig. Seine Drohungen nahm er dabei wieder zurück: „Nein, nix Feuer, nix machen.“ Vorsorglich machte sie ihm dennoch klar: „Wenn Feuer, dann Gefängnis!“ Nicht ahnend, dass sich das nur Stunden später bewahrheitet, versuchte sie, ihm verständlich zu machen, dass er im Falle eines Brandes für die Polizei sofort als Täter in Frage komme.

Der Vorsitzende Richter Lothar Beckers hatte bereits zur Prozesseröffnung darauf hingewiesen, dass auch eine Verurteilung wegen versuchten heimtückischen Mordes in Frage komme. Vorher aber muss geklärt werden, ob Adel-Mohamed M. zum Tatzeitpunkt schuldfähig war. Dazu wird ein Sachverständiger am Freitag sein Gutachten vortragen. Die Plädoyers und das Urteil sollen bereits in der kommenden Woche erfolgen.

Bild ganz oben: Löscharbeiten an dem ausgebrannten Wohncontainer

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