Hagen Interview Politik

Im Interview: Katerina Gaitanoglou

Katerina Gaitanoglou, die CDU-interne Herausforderin von Cemile Giousouf, spricht im NRW.direkt-Interview über ihre politische Positionen und erklärt, was sie zu ihrer Kandidatur bewogen hat.

Katerina Gaitanoglou (Bild: NRW.direkt)

Katerina Gaitanoglou (Bild: NRW.direkt)

NRW.direkt: Frau Gaitanoglou, es war Cemile Giousouf, die Sie von der Mitgliedschaft in der CDU überzeugt hat. Und jetzt fordern Sie sie heraus. Wie passt das zusammen?

Gaitanoglou: (lacht) Ja, stimmt. Sie hat mich dazu gebracht, in die CDU einzutreten. Durch meine ehrenamtliche Arbeit kannten wir uns ja aus dem Wahlkreis. Aber nachdem ich der CDU beigetreten bin und mich eingearbeitet habe, fiel mir auf, dass Frau Giousouf fast nur in türkischen Moschee-Gemeinden unterwegs ist. Zu unserer griechisch-orthodoxen Gemeinde etwa ist sie nie gekommen, obwohl wir sie mehrfach eingeladen hatten. Das finde ich sehr bedauerlich, denn die griechische Gemeinde umfasst rund 4.000 Bürgerinnen und Bürger. Und neben all den anderen vielfältigen Gruppierungen wollen diese Menschen auch vertreten werden. Wir alle sind Hagen. Deswegen habe ich mich entschlossen, selber zu kandidieren.

NRW.direktGiousouf kam in Negativ-Schlagzeilen, als sie eine Delegation von Milli Görüs in der Hagener CDU-Kreisgeschäftsstelle empfangen hatte. Wie würden Sie den Umgang mit solchen Organisationen handhaben?

Gaitanoglou: Das Demokratieverständnis, das unsere Partei vertritt und das ja auch im Grundgesetz verankert ist, darf nicht verletzt werden. Ich würde nie mit solchen Organisationen kooperieren. Das heißt auch, dass Vertreter einer als antisemitisch bekannten Organisation wie Milli Görüs nicht in den Räumen einer christlichen Partei empfangen werden sollten. Und vor allem auch nicht unreflektiert, denn es handelt sich hierbei um eine Organisation, die lange Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet wurde.

NRW.direkt: Und wie sehen Sie die UETD?

Gaitanoglou: Die UETD wird in den Medien als der verlängerte Arm Erdogans dargestellt. Interessenvertreter in den deutschen Parteien, egal aus welchem Herkunftsland, sollten hier nicht die Möglichkeit bekommen, Lobbyarbeit zu betreiben. Ich bin eine griechischstämmige Deutsche. Griechenland hat eine Regierung und es liegt nicht an mir, die politischen Ereignisse dort zu beeinflussen. Wir Bürgerinnen und Bürger mit Zuwanderungsgeschichte haben meist eine emotionale Bindung zu Deutschland als auch zu unseren Herkunftsländern, unsere kulturelle Identität wird von beidem mehr oder weniger geprägt. Doch wir dürfen unsere Emotionen nicht zum Maßstab unseres politischen Handelns machen.

NRW.direkt: Wie stehen Sie zu der Demonstration der Erdogan-Anhänger Ende Juli in Köln? War diese Kundgebung ein Ausdruck fehlender Loyalität gegenüber Deutschland?

Gaitanoglou: Ich würde mir wünschen, dass wir unabhängig von solchen gravierenden Ereignissen, wie es der Putsch nun einmal war, für Freiheit und Demokratie demonstrieren würden. Wenn wir hier leben, dann sollten wir deutschen Interessen gegenüber loyal sein.

NRW.direkt: Wie sehen Sie die doppelte Staatsbürgerschaft?

Gaitanoglou: Ich fühle mich nicht weniger griechisch, wenn ich den griechischen Pass nicht mehr habe. Und ich fühle mich ohne den griechischen Pass nicht weniger deutsch. Es gibt genug Beispiele auf der Welt, bei denen die Menschen keinen Pass ihres Herkunftslandes mehr haben und ihre kulturelle Identität trotzdem weiter pflegen. Für mich ist die Debatte der doppelten Staatsbürgerschaft durchaus eine, die wir führen sollten. Ich persönlich hätte kein Problem, diese abzuschaffen. Aber das Thema ist viel komplexer.

NRW.direkt: Ein anderes Reizthema im Moment ist ein Verbot der Vollverschleierung.

Gaitanoglou: Einige Politiker aus meiner Partei haben gesagt, das sei im Moment nicht unser Problem. Aber die Vollverschleierung sollte nicht erst zum Massenphänomen werden, bevor das Problem angegangen wird. Wenn das passiert, wird es noch schwieriger. Auch deswegen, weil die Religionsfreiheit beachtet werden muss. Aber die Vollverschleierung hat ja nichts mit Freiheit zu tun, sie ist Ausdruck des politischen Islam, sie ist Ausdruck einer Unterwerfung. Hier geht es in erster Linie nicht um das Stück Stoff, sondern um die Ideologie, die dahintersteckt. Die muss an der Wurzel gepackt werden und intensiver strafrechtlich verfolgt werden.

NRW.direkt: Sie sind also für das Verbot der Vollverschleierung?

Gaitanoglou: Ja.

NRW.direktAls Gegenkandidatin von Frau Giousouf, die Leverkusenerin ist und erst zu ihrer Bundestagskandidatur nach Hagen gezogen ist, sind Sie in Hagen geboren und im Ennepe-Ruhr-Kreis aufgewachsen. Glauben Sie, dass Sie den Wahlkreis damit in Berlin besser vertreten werden?

Gaitanoglou: An solchen Punkten störe ich mich nicht. Frau Giousouf wurde eine einzigartige Chance geboten, die Interessen unseres Wahlkreises zu vertreten. Leider wurde dem in den letzten drei Jahren keine starke Stimme in Berlin gegeben. Hagen und der Ennepe-Ruhr-Kreis waren einmal ein Industriekern. Unser Wahlkreis war einst der am stärksten gewerblich und industriell geprägte Raum in Nordrhein-Westfalen. Wir wissen alle, dass es einen Einbruch im industriellen Bereich gegeben hat und gleichzeitig als Ausgleich tausende Arbeitsplätze in anderen Sektoren geschaffen wurden. Aber das hat diesen Einbruch trotzdem nie richtig ausgleichen können. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Ressourcen, die wir vor Ort haben, stärker ausbauen. Der Ennepe-Ruhr-Kreis etwa hat sich in den vergangenen Jahren vor allem zum Naherholungsort entwickelt. Diesen Sektor müssen wir weiter ausbauen, in Kooperation vor allem mit den mittelständischen Unternehmen vor Ort. Von einer Bundestagsabgeordneten sollten besonders diese Interessen in Berlin gut vertreten werden. Diesen Herausforderungen müssen wir uns als Kreis stellen.

NRW.direkt: Ihr Bezug zum Wahlkreis ist also stärker?

Gaitanoglou: Ja, natürlich. Ich bin ein Hagener Mädchen und ich kenne die Probleme der Stadt, egal, ob es Integration, Zuwanderung oder organisierte Kriminalität betrifft. Wir brauchen Maßnahmen dazu, von mir aus auch mit der SPD zusammen. Die ist im Moment in Hagen viel aktiver und bürgernaher als wir. Und so sollte auch eine Politikerin sein, die das „C“ im Namen ihrer Partei stehen hat. Und „C“ heißt für mich nicht, dass ich andere ausgrenze, sondern für andere da bin. Ein Mandat zu haben, ist die politische Verantwortung schlechthin. Man ist der direkte Vertreter dieser Bürgergemeinschaft. Wem nutzt es, wenn einseitige Interessen bestimmter Gruppierungen vertreten werden, aber alle anderen Interessen, auch die wirtschaftlichen und die der Bildung, einfach fallengelassen werden?

NRW.direktFrau Gaitanoglou, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview mit Katerina Gaitanoglou wurde am 27. August in Hagen geführt.

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