Düsseldorf Geplanter IS-Anschlag in Düsseldorf? Justiz

IS-Prozess leert sich

Düsseldorf. Beim Prozess um den angeblich geplanten Altstadt-Anschlag wurde das Verfahren gegen Hamza C. abgetrennt. Der Algerier ist bereits aus der Untersuchungshaft entlassen und in Abschiebehaft genommen worden. Damit sitzt nur noch Saleh A. auf der Anklagebank.

Hamza C. (Bild: NRW.direkt)

Im Prozess um einen möglicherweise von der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) in der Düsseldorfer Altstadt geplanten Anschlag ist inzwischen auch das Verfahren gegen Hamza C. abgetrennt worden. Da kein dringender Tatverdacht mehr bestand, wurde der 29-jährige Algerier bereits im Dezember aus der Untersuchungshaft entlassen. Derzeit befindet er sich in Abschiebehaft. Das Verfahren gegen einen weiteren Verdächtigen aus Jordanien wurde bereits im Dezember abgetrennt und mit einem Freispruch abgeschlossen.

Hamza C. hatte sich dem Gericht seit Prozesseröffnung zumeist lachend und feixend präsentiert. Im September sorgte er mit einem kurzzeitigen Hungerstreik für Irritationen. Begründet wurde der Hungerstreik damit, dass er sich in der Haft ungerecht behandelt gefühlt habe. Einem Medienbericht zufolge soll er jedoch in seiner Zelle randaliert haben. Auch hätten sich Mithäftlinge über seinen nächtlichen Lärm und seine „Allahu akbar“-Rufe beschwert.

War wirklich ein Anschlag geplant?

Im Juni 2016 sorgten Zeitungsberichte für Entsetzen, nach denen vier Männer im Auftrag des IS einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben sollen. Die Darstellungen basierten im Wesentlichen auf den Aussagen des 30-jährigen Syrers Saleh A., der sich in Frankreich den Behörden gestellt hatte. Im Juli 2017 eröffnete das Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) den Prozess gegen drei der vier Männer.

Mehrfache teilweise bizarre Erklärungen von Saleh A. führten nach Prozesseröffnung jedoch schnell zu Zweifeln an seinen Darstellungen. Jetzt muss der Sechste Strafsenat des OLG unter dem neuen Vorsitzenden Richter Winfried van der Grinten nicht weniger klären als die Frage, ob es diesen Anschlagsplan tatsächlich so gegeben hat oder ob sich der Syrer Planung und Nichtausführung des Blutbads nur ausgedacht hat, um – so seine eigenen Worte – „einen Aufenthaltstitel, einen gewissen Geldbetrag und ein Haus oder zumindest eine Wohnung als Belohnung“ für dessen vermeintliche Nicht-Ausführung zu bekommen. (ph)

Print Friendly, PDF & Email