Politik

Islamismus-Expertin warnt: „Imame werden Laschet ignorieren“

Düsseldorf. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will, dass Imame in Freitagsgebeten erklären, dass das Kopftuchtragen von Mädchen nichts mit Religion zu tun habe. Ali Kizilkaya, Ex-Vorsitzender des Islamrats, reagierte darauf mit Empörung. „Die Imame werden sich nicht von einem deutschen Politiker in ihre religiösen Sichtweisen hineinreden lassen“, warnt die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall.

Armin Laschet (Bild: NRW.direkt)

„Die Moschee-Gemeinden könnten hier helfen, indem jeder Imam im Freitagsgebet den Familien erklärt, dass das Kopftuchtragen von Mädchen mit Religion nichts zu tun hat“, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) laut ZDF am Samstag. An diesem Tag hatte Laschet eine Rede bei der Eröffnung einer neuen DITIB-Moschee in Aachen gehalten. Hintergrund seiner Forderung dürfte die Debatte um ein mögliches Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren sein. Anfang April hatten Landesintegrationsminister Joachim Stamp (FDP) und Integrations-Staatssekretärin Serap Güler (CDU) ein solches Verbot ins Gespräch gebracht. Begründet wurde das damit, dass religionsunmündige Kinder nicht zum Tragen eines Kopftuchs gedrängt werden dürfen.

Ali Kizilkaya, ehemaliger Vorsitzender des Islamrats für Deutschland, reagierte auf Laschets Wunsch mit Empörung. „Erlässt jetzt der nordrhein-westfälische Minister Laschet schon ‚Fatwas‘, die die Imame bitteschön umsetzten sollen. Unglaublich!“, polterte Kizilkaya am Montagnachmittag auf seiner Facebook-Seite. Viele seiner Leser sahen das ähnlich: „Wir haben also neue Imam Herr Laschet?“, fragte einer. Ein anderer Kommentator spottete: „Grossmüfti Laschet. Oder Gross Ayetullah ibn’i Laschet el Almani.“ Einer warb für die von radikalen Islamisten initiierte Internet-Petition „Nicht ohne mein Kopftuch“ und erinnerte: „Selbst wenn unsere jungen Schwestern noch nicht das Alter erreicht haben, bei dem sie sich verpflichtend bedecken müssen, so haben ihre Eltern immer noch das verfassungsgemäße Elternrecht, ihre Töchter schon vorher erzieherisch an die islamische Kleiderordnung heranzuführen.“

Die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall hält es für unrealistisch, dass Imame dem Wunsch des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Folge leisten werden. „Der Wunsch von Armin Laschet ist zwar nachvollziehbar, wird aber kaum Gehör finden“, sagte Herrmann-Marschall unserer Redaktion. „All die Imame, die zum Beispiel von der türkischen Religionsbehörde Diyanet nach Deutschland entsendet wurden, sind an deren Weisungen gebunden. In der Türkei war erst vor kurzem eine Absenkung des Heiratsalters bei Mädchen, und damit ihrer Religionsmündigkeit, auf neun Jahre im Gespräch. Wünsche hiesiger Politiker sind für diese Imame zweitrangig, weil sie Angestellte des türkischen Staats sind. Das ist bei weitem nicht nur bei der DITIB so. Und auch die anderen Imame werden sich nicht in ihre religiösen Sichtweisen hineinreden lassen. Die Auslegung eines deutschen Politikers interessiert viele einfach nicht.“

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