Düsseldorf Panorama

Israel-Tag wird zur großen Party

Düsseldorf. Mit rund 1.000 Besuchern, Stargast Gil Ofarim, weiteren Sängern und Attraktionen sowie zahlreicher Politik-Prominenz geriet der 15. Israel-Tag am Donnerstag auf dem Schadowplatz zur großen Party. „Die Düsseldorfer haben deutlich ihre Freundschaft und Solidarität gezeigt und mit Israel gefeiert“, freute sich Michael Naor, einer der Koordinatoren der Veranstaltung. Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, schlug in seiner Rede aber auch nachdenkliche Töne an.

Junge Union und Schüler Union beim Israel-Tag, 2.v.l. stehend Ulrich Wensel, rechts von ihm David Gladilin vom JU-Arbeitskreis „Ben Gurion“ und SU-Kreisvorsitzende Anna Kantor (Bild: NRW.direkt)

Wenn Israel seinen 70. Geburtstag feiert, wird der Israel-Tag in Düsseldorf eine große Party. Das versprach der Düsseldorfer Psychologe Michael Naor, einer der Koordinatoren der Veranstaltung, beim letzten Israel-Tag. Und er hielt Wort: Zahlreiche Attraktionen, israelische Spezialitäten und Weine, musikalische Unterhaltung, unter anderem von Stargast Gil Ofarim, sowie rund 1.000 Besucher sorgten am Donnerstag auf dem Schadowplatz dafür, dass der 15. Israel-Tag bei sommerlich warmem Wetter erneut zur großen und fröhlichen Party wurde.

Das zog auch viel Polit-Prominenz aus allen Richtungen an: Trotz der gleichzeitig stattfindenden Plenardebatten ließen es sich Landtagspräsident André Kuper (CDU) und die Abgeordneten Norbert Römer (SPD), Markus Wagner sowie Christian Loose (beide AfD) und Stefan Engstfeld (Grüne) nicht nehmen, beim Israel-Tag vorbeizuschauen. Auch ein halbes Dutzend Vertreter der Jungen Union (JU) und Schüler Union (SU), darunter der JU-Kreisvorsitzende Ulrich Wensel, wollten sich die fröhliche Feier nicht entgehen lassen. Aber auch zahlreiche Vertreter jüdischer und israelischer Organisationen fanden sich auf dem Schadowplatz ein, darunter auch Lilly Jockels, Präsidentin der Zionistischen Organisation in Deutschland (ZOD).

„Israel braucht uns und wir brauchen Israel“

Ruth und Herbert Rubinstein beim Israel-Tag. Ruth Rubinstein gehört zum Vorstand der JGD, ihr Ehemann Herbert ist der jüdische Vorsitzende der GCJZ Düsseldorf (Bild: NRW.direkt)

„Israel ist für seine Bewohner und für die in der Diaspora lebenden Juden nicht einfach ein Staatsgebilde“, sagte Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (JGD). Nicht jeder Jude sei Israeli und nicht jeder Israeli sei Jude. „Dennoch besteht diese besondere Verbindung, die man mit Worten oder Ratio kaum bis gar nicht ausdrücken kann.“ 70 Jahre Israel stehen „für Pioniergeist, für einen unbeugsamen Willen, für ökonomische und wissenschaftliche Erfolge, für eine demokratisch geprägte und lebensbejahende Gesellschaft“, fuhr Horowitz fort.

Dann aber schlug er nachdenkliche Töne an: „Gerade heutzutage wird uns wieder schmerzlich bewusst, wie schnell sich die vermeintlich guten Zeiten ändern, wie schmal die Brücke zwischen einem sicheren Gefühl und aufkommender Angst tatsächlich sein kann. Umso mehr schauen wir mit großer Besorgnis auf die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten. Umso mehr werden jüdischen Menschen hier und auf der ganzen Welt unsere Stimme erheben, um für Israel Partei zu ergreifen. Israel braucht uns und wir brauchen Israel.“

„Nur eine Gruppe von Idioten, Deutschland ist bunt“

Gil Ofarim (Bild: NRW.direkt)

Wie beim Israel-Tag zumeist üblich, blieben aktuelle Bedrohungen, insbesondere für Juden in Deutschland, in den übrigen Reden jedoch unerwähnt oder wurden allenfalls angedeutet. So beklagte etwa Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), der den Israel-Tag seit Jahren als Schirmherr unterstützt, das Mobbing jüdischer Kinder an Schulen. Aber nicht jeder auf dem Schadowplatz wusste, was sich dahinter verbarg: Im letzten Jahr wurde die JGD durch eine Flut von Schilderungen jüdischer Kinder und Jugendlicher über zunehmendes Mobbing durch muslimische Mitschüler an Düsseldorfer Schulen erschüttert.

Darauf ging Geisel jedoch nicht näher ein, stattdessen lobte der SPD-OB das Engagement der Landeshauptstadt gegen Antisemitismus. Als Beispiele dafür nannte er die Mahn- und Gedenkstätte sowie den Toten-Hosen-Sänger Campino. Stargast Gil Ofarim spielte den dramatisch gestiegenen Judenhass später herunter: „Man muss keine Angst haben. Denn es ist nur eine Gruppe von Idioten und Deutschland ist bunt.“ Sicherheitsleute der JGD und Polizisten behielten aus dem Hintergrund alles im Auge, vorsorglich waren vor Veranstaltungsbeginn Absperrgitter aufgebaut worden. Aber ebenso wie in den Jahren zuvor blieb auch am Donnerstag alles ruhig und entspannt.

Info-Möglichkeiten, Verlosungen, Weine und Spezialitäten

Ausgelassene Stimmung vor und auf der Bühne (Bild: NRW.direkt)

Im Laufe des Nachmittags füllte sich der Schadowplatz mehr und mehr. Neben den traditionellen Info-Ständen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) waren in diesem Jahr auch andere Organisationen vertreten, so etwa der Sportverband Makkabi Deutschland. Auch die Fluggesellschaft El Al präsentierte sich mit einem eigenen Stand, einer der Besucher konnte sich bei deren Verlosung über eine Flugreise nach Israel freuen. Mobileye, ein israelischer Hersteller für Fahrerassistenzsysteme mit Sitz in Jerusalem, war ebenfalls vertreten und stiftete einen Preis für eine Verlosung.

Auch für das leibliche Wohl war gut gesorgt; es wurden Falafel angeboten und das Düsseldorfer Spezialitätenrestaurant „Lechaim“ war mit einem Verkaufswagen für koschere Lebensmittel mit dabei. Insbesondere die dort angebotenen israelischen Weine erfreuten sich großer Beliebtheit. Vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt von Gil Ofarim unterhielten Yael Deckelbaum und Idan Toledano sowie der Sänger und DJ Boaz Peri das Publikum. Und auf dem Großbildschirm durfte natürlich auch „Toy“, das Siegerlied der israelischen Sängerin Netta beim diesjährigen Eurovision Song Contest, nicht fehlen.

Beendet wurde der Israel-Tag am frühen Abend mit der haTikwa, der israelischen Nationalhymne. Für zusätzliche Emotionalität sorgten Bilder von der Staatsgründung am 14. Mai 1948, die gleichzeitig auf dem Großbildschirm gezeigt wurden. Michael Naor war zufrieden: „Ein vielfältiger Mix aus Musik, Kulinarik, Sonnenschein und Lebensfreude – hier passen das lebensfrohe Israel und das weltoffene Düsseldorf sehr gut zusammen! Die Düsseldorfer haben deutlich ihre Freundschaft und Solidarität gezeigt und mit Israel gefeiert“, freute er sich.

Bild ganz oben: Johannes Engelhardt vom Verein „Brücke Düsseldorf-Haifa“ mit israelischer Flagge

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