Politik

Jäger Führung durch „No-Go-Areas“ angeboten

Düsseldorf. Ralf Jäger hat der AfD vorgeworfen, „die Wirklichkeit zu verzerren“. Deutschland sei eines der sichersten Länder der Welt, so der SPD-Innenminister in einem Interview. Der von der SPD zur AfD gewechselte Jürgen Antoni bot Jäger daraufhin eine Führung durch NRW-Großstädte bei Einbruch der Dunkelheit an – allerdings ohne Personenschutz.

Ralf Jäger (Bild: NRW.direkt)

Ralf Jäger (Bild: NRW.direkt)

In einem Interview mit der Tageszeitung DIE WELT äußerte sich der nordrhein-westfälische Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) am Freitag zum Wahlerfolg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Bei der dortigen Landtagswahl hatte die AfD am vergangenen Sonntag 20,8 Prozent der abgegebenen Stimmen geholt und damit die CDU hinter sich gelassen.

Jäger sagte in der WELT, der AfD könne nur „das Wasser abgegraben“ werden, wenn deutlich gemacht werde, dass deren Zustandsbeschreibung falsch ist. „In Deutschland herrschen schließlich keine apokalyptischen Zustände. Da wird die Wirklichkeit verzerrt. Wir leben in einem der sichersten Länder der Welt“, sagte der SPD-Politiker wörtlich. Auf eine kritische Nachfrage zur Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen verzichtete der Redakteur der WELT.

Die AfD spreche „eine Sprache, die Neo-Nazis verstehen“, sagte Ralf Jäger weiter. „Ihren Wählern ist es egal, ob die AfD sich in ausreichendem Maße von Rechtsextremen abgrenzt.“ Eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz hänge aber davon ab, ob die freiheitlich-demokratische Grundordnung aktiv bekämpft werde. An dieser Stelle des Interviews musste Jäger einräumen, dass dies bei der AfD jedoch „derzeit nicht erkennbar“ sei.

„Beim Vergleich mit Lateinamerika hat er recht“

Jürgen Antoni (Bild: NRW.direkt)

Jürgen Antoni (Bild: NRW.direkt)

Aussagen, die Jürgen Antoni, innenpolitischer Sprecher der NRW-AfD, nur einen Tag nach Jägers Interview als „Verunglimpfung demokratisch denkender und wählender Bürger“ bezeichnete. Mehr noch störte sich der 52-jährige Kriminaloberkommissar, der 2009 und 2010 für die SPD im Landtag saß und 2014 in die AfD eintrat, aber an Jägers Darstellung, Deutschland sei eines der sichersten Länder der Welt: „Da hat er insofern recht, wenn er Deutschland in Sicherheitsfragen mit Mittel- und Lateinamerika vergleicht. In Nordrhein-Westfalen aber haben die rot-grüne Landesregierung und Innenminister Jäger auf ganzer Linie versagt.“

Dabei verwies Antoni auf die seit Jahren steigenden Einbruchszahlen bei gleichzeitig sinkender Aufklärungsquote, der massiv gestiegenen organisierten Kriminalität, den sexuellen Übergriffen von Asylbewerbern sowie Raub und Taschendiebstählen. „No-Go-Areas und Angsträume sprechen ihre eigene Sprache. Die Behauptung, es gebe in NRW keine No-Go-Areas, ist schlichtweg falsch. Erst in dieser Woche wurden in Dortmund Polizisten massiv angegriffen. Wie soll sich da erst der schutzlose Bürger fühlen?“

Dann machte Jürgen Antoni der Ministerpräsidentin und dem Landesinnenminister ein Angebot zur Klärung: „Ich biete Frau Kraft und Herrn Jäger eine Führung in unseren Großstädten an, bei Einbruch der Dunkelheit, beispielsweise in Duisburg-Marxloh, in Kölner oder Düsseldorfer Stadtteilen, in der Dortmunder Nordstadt oder in anderen Teilen des Ruhrgebiets. Allerdings ohne ihren Tross an Personenschützern. Einfach mal dort hingehen, wo die Angst der Menschen ist, statt diese aus der gepanzerten Dienstlimousine heraus ständig in Abrede zu stellen.“

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