Kleve Kultur

Joseph Beuys – aktueller denn je

Kleve. Im Museum Kurhaus kann der Besucher in der Ausstellung „Joseph Beuys-Werklinien“ dem Aktionskünstler und Philosoph Joseph Beuys begegnen.

Fast jeder hat in den achtziger Jahren von der „Fettecke“ gehört, weggeputzt von einer Reinigungskraft des Museums in Düsseldorf. Viele sagten damals: „Richtig so“. Doch dieses oberflächliche Urteil wird der Komplexität der Werke von Joseph Beuys nicht gerecht. Gelegenheit, sich ihm zu nähern und ihn zu verstehen, bietet das Museum Kurhaus Kleve, das sein originales Atelier rekonstruiert hat und einen Teil seiner Kunst ausstellt. Das imposante Museum an der Tiergartenstraße, wo Joseph Beuys bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr lebte, liegt wunderschön in einer idyllischen Landschaft und ist ein Ausflug wert. Hier wirkte Joseph Beuys von 1957 bis 1964.

Das Büdericher Ehrenmal – aktuelle Mahnung gegen den Krieg

Für Beuys wurde nach 1945 durch die Erfahrungen des Krieges das Kreuz zum Inbegriff christlicher Substanz und Zeichen eines heilendes Prinzips. Seine Kruzifixe, wie zum Beispiel das „Sonnenkreuz“ und die „Pieta“, zeugen mit den Komponenten „Leiden“ und „Tod“ von großem künstlerischen und spirituellen Gehalt. 1959 wurde sein „Büdericher Ehrenmal“ als Erinnerung an die Gefallenen beider Weltkriege in Büderich in der Nähe von Düsseldorf eingeweiht. Dieses monumentale Mahnmal in Form eines zweiflügeligen Tores erinnert an ein großes Scheunentor. Dazu schuf Joseph Beuys ein drei Meter hohes Hängekreuz aus Eichenholz mit einer Eisenscheibe auf der Brust als Auferstehungssymbol. Mit großer Präzision schnitzte er penibel alle Namen der Gefallenen mit einer Art Keilschrift in das Tor.

Das komplette Kunstwerk wirkt in dem eigens dafür hergerichteten Raum noch heute wie eine aktuelle Mahnung gegen den Krieg und eine Demonstration für den Frieden. Die Präsentation ist nur dieses einzige Mal als Gesamtkunstwerk zu bestaunen, da die Ausleihe nur im Zuge einer umfassenden Konservierungs- und Reinungsmaßnahme möglich war. Nach Ausstellungsende kann es wieder an seinem ursprünglich installierten Ort in Büderich besichtigt werden.

Die Straßenbahnhaltestelle

In den von Tiefsinn geprägten Werken verarbeitete Beuys im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit immer häufiger seine sozialen und politischen Ideen. Er nimmt Stellung. Er mischt sich ein. Das kostete ihn die Professur an der Kunstakademie Düsseldorf. 1972 entließ ihn der damalige Ministerpräsident Johannes Rau fristlos, nachdem er mit seinen Studenten eine Aktion gegen das Zulassungsverfahren an der Kunstakademie gestartet hatte. Wie sehr ihm gesellschaftliches Engagement am Herzen lag, zeigt eine seiner berühmtesten Installation, die „Straßenbahnhaltestelle“.

Als Kind wartete Joseph Beuys regelmäßig an der Haltestelle „Der Eiserne Mann“ in Kleve. Dort fesselte ihn das Trophäenmal, das im 17. Jahrhundert aus Utensilien des Dreißigjährigen Krieges geschaffen worden war. Das Denkmal inspirierte Joseph Beuys zu dieser großflächigen Installation. Sie besteht aus einer Straßenbahnschiene, aus vier verrosteten, scharfkantigen Rohren, aus einer Feldstange und einer Kanone. Der abgeschlagene Kopf mit leidendem Gesichtsausdruck von Jean Baptiste Cloots, seinem „revolutionären Bruder im Geiste“, wie Beuys ihn bezeichnete, ist Teil des Kunstwerkes. Es erinnert an Kopf-Trophäen.

An Cloots faszinierte Beuys die Idee einer klassenlosen Gesellschaft, für die dieser als Verfechter der Menschenrechte während der Französischen Revolution unter der Guillotine sein Leben lassen musste. Die ausgeliehene Installation befindet sich normalerweise im Kröller-Müller Museum in Otterlo bei Arnheim. Diese hochinteressante Ausstellung verschafft dem Besucher eine Begegnung mit Joseph Beuys, die ihn verblüfft. Sein soziales Denken, seine menschlichen Ideen, seine sorgsam durchdachten Werke an diesem authentischen Ort zu erleben, ist in jeder Hinsicht eine große Bereicherung.

Bild: Das Büdericher Ehrenmal. Bildrechte: NRW.direkt 

Die Ausstellung umfasst ein umfangreiches Begleitprogramm und endet am 4. September. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.museumkurhaus.de, Museum Kurhaus Kleve, Tiergartenstraße 41, 47533 Kleve, Telefon 0 28 21 – 750 – 10.

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Über den Autor

Brigitta Dahlmann

Redakteurin für Kultur bei NRW.direkt seit Dezember 2015.