Düsseldorf Panorama

Jüdische Gemeinde richtet Erfassungsstelle ein

Düsseldorf. Die Jüdische Gemeinde hat eine Antidiskriminierungs- und Antisemitismus-Servicestelle eingerichtet. Diese erfasst seit Mitte Juni alle Fälle von Diskriminierung und Antisemitismus. Die neue Einrichtung steht aber nicht nur Juden offen: „Wir nehmen jeden Fall von Antisemitismus und Diskriminierung auf“, sagte Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde.

Synagoge der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (Bild: NRW.direkt)

Stereotype sowie verbale Attacken, oftmals unter dem Deckmäntelchen der politischen Israel-Kritik, und körperliche Aggressionen: In Deutschland und Europa sehen sich Juden einer immer stärkeren Diskriminierung ausgesetzt, sei es durch Links- oder Rechtsextreme, den fundamentalistischen Islam oder andere Gruppen, die aus verschiedenen Motivationen heraus das Judentum als Feindbild identifiziert haben.

„Immer wieder müssen wir und unsere Familien, besonders unsere Kinder, Enkel, Nichten und Neffen, erfahren, dass die Seuche des Antisemitismus in Deutschland wieder auf dem Vormarsch ist. Auf Schulhöfen und in Fußballstadien ist ‚Jude’ als Schimpfwort wieder akzeptiert und auch in den Medien herrscht ein regelmäßig untergründiger Antisemitismus. Man denke nur an die Debatte um den Film ‚Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa’, der erst nach vielen Protesten und dann unter unwürdigen Umständen im WDR kürzlich ausgestrahlt worden ist“, sagte Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (JGD), am Montag. Dabei verwies er auf den aktuellen Antisemitismusbericht der Bundesregierung. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland antisemitische Stereotype haben.

„Dies geht einher mit der Forderung nach einem Antisemitismusbeauftragten direkt im Bundeskanzleramt und der Einrichtung eines Expertenkreises. Damit sollen unter anderem Projekte zusammengeführt und besser gesteuert werden, um antisemitische Straftaten konsequenter zu erfassen“, sagte Oded Horowitz weiter. Damit soll ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung von Antisemitismus entstehen. Um sich im Kampf gegen den Antisemitismus „ganz klar“ zu positionieren, hat die JGD, die zu den größten Jüdischen Gemeinden in Deutschland gehört, bereits Mitte Juni eine Antidiskriminierungs- und Antisemitismus-Servicestelle eingerichtet. Die neue Einrichtung wurde in direkter Nachbarschaft der Jüdischen Gemeinde angesiedelt und soll Mitte September mit einem Festakt auch offiziell eröffnet werden.

Antidiskriminierungsstelle steht allen offen

„Die Einrichtung dient als Anlaufpunkt zur Beratung bei Fällen von Diskriminierung und Antisemitismus und wird alle Vorfälle zentral erfassen. Wichtig ist uns, gegen jede Form von Diskriminierung vorzugehen, weshalb wir nicht nur jüdischen Mitbürgern offen stehen. Wir nehmen jeden Fall von Antisemitismus und Diskriminierung auf“, sagte Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde.

„Es ist wichtig, dass wir alle Möglichkeiten nutzen, auf Diskriminierung und Antisemitismus aufmerksam zu machen. Daher werden wir alle Angaben sammeln, auswerten und versuchen, diese Erfahrungen und Erkenntnisse in den politischen Prozess einzubringen, um bestmögliche Ergebnisse im Kampf gegen den Antisemitismus in Deutschland zu erzielen. Dafür werden wir auch bei der neuen nordrhein-westfälischen Landesregierung aktiv, um die Aufstellung eines Expertenkreises zu begleiten und mit dem geplanten Antisemitismusbeauftragten des Landes eng zu kooperieren“, so Michael Szentei-Heise abschließend. (ph)

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