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Jugendstrafen für Neusser IS-Helfer

Düsseldorf/Neuss. Weil er dem österreichischen IS-Terroristen Lorenz K. Unterschlupf gewährt und mit ihm einen Sprengsatz gebaut hat, wurde ein 17-Jähriger am Freitag vom Oberlandesgericht zu drei Jahren und neun Monaten Jugendhaft verurteilt. Lorenz K. hatte einen Selbstmord-Anschlag in Neuss geplant.

Der heute 22-jährige Kevin T. aus Neuss wurde am Freitag vom 7. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) zu drei Jahren und neun Monaten Jugendhaft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 22-Jährige dem österreichischen IS-Terroristen Lorenz K. Unterschlupf gewährt und ihm beim Bau eines Sprengsatzes geholfen hat. Das teilte das OLG am Freitag mit. Die Öffentlichkeit war bei dem Jugendstrafprozess ausgeschlossen.

Der in Österreich zu neun Jahren Haft verurteilte Lorenz K. hatte einen Treue-Eid auf die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) geschworen. Er hatte den Plan entwickelt, in Neuss einen Selbstmord-Anschlag mit einer selbstgebauten Bombe zu verüben. Kevin T., der sich dem IS ideologisch zugehörig fühlte, gewährte Lorenz K. in seiner Wohnung in Neuss Unterschlupf. Außerdem war er bei dem Bau eines Sprengsatzes behilflich, indem er Material zur Verfügung stellte, Hilfstätigkeiten beim Bombenbau verrichtete und K., der an der Funktionsfähigkeit des hergestellten Sprengsatzes zweifelte, bei einer Testsprengung begleitete.

Die mitangeklagte Amal E. wurde zu neun Monaten Jugendhaft verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die zur Tatzeit 15 Jahre alte Amal E. hatte Lorenz K. Anfang Dezember 2016 in Neuss nach islamischen Ritus geheiratet. Sie unterstützte seine Anschlagsplanung durch Zusprache, die Übersendung eines von ihr aufgezeichneten Treue-Eides auf den IS sowie die Überlassung von 71 Euro nach dem Verkauf ihres Mobiltelefons. Nach der Tat hat sie sich mit Hilfe ihrer Familie von der islamistischen Szene abgewandt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Kevin T. wurde bereits im Januar 2017 in Untersuchungshaft genommen. (ph)

Bild: Der Hochsicherheits-Gerichtssaal des OLG Düsseldorf. Bildrechte: NRW.direkt

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