Wirtschaft und Verkehr

Kartellamt prüft Lufthansa-Preise

Düsseldorf. Die nach der Air-Berlin-Pleite dramatisch gestiegenen Preise für innerdeutsche Flüge beschäftigen jetzt auch das Bundeskartellamt. Marie-Agnes Strack-Zimmermann wirft der Bundesregierung vor, mit der Schaffung eines „nationalen Champions“ massiv in den Markt eingegriffen zu haben. Jetzt müsse die Politik Lösungen finden, um wieder fairen Wettbewerb im Luftverkehr zu ermöglichen, sagte die FDP-Vizechefin am Freitag.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (Bild: NRW.direkt)

Nach wochenlangen Beschwerden über im Zuge der Air-Berlin-Insolvenz dramatisch gestiegene Preise im innerdeutschen Luftverkehr will das Bundeskartellamt jetzt die Ticketpreise des Lufthansa-Konzerns überprüfen. „Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten“, zitierten mehrere Medien am Freitag Kartellamtschef Andreas Mundt.

FDP-Vizechefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann reagierte darauf mit scharfer Kritik an der Bundesregierung: „Seit Bekanntwerden der Insolvenz von Air Berlin war es das Bestreben der Bundesregierung, einen ,nationalen Champion‘ zu schaffen. Ein Ziel, das von vorneherein so nicht funktionieren konnte. Trotzdem hat das Bundeswirtschaftsministerium einen vollständigen Erhalt von Air Berlin verhindert und so massiv in den Markt eingegriffen“, sagte die im September in den Bundestag gewählte Düsseldorfer Politikerin.

„Die Passagiere dürfen die Zeche zahlen“

„Jetzt fehlen täglich rund 60.000 Plätze im Flugverkehr. Die Ticketpreise sind merklich gestiegen. Das bedeutet, dass die Passagiere die Zeche zahlen dürfen. Die schlimmste Folge dieses Eingriffs jedoch sind tausende nun arbeitslose Mitarbeiter von Air Berlin, die den Preis für Missmanagement bezahlen. Ein Wettbewerb im Flugverkehr findet nun nicht mehr statt“, beschrieb Strack-Zimmermann die derzeitige Situation. „Die geschäftsführende Bundesregierung und der Bundestag sind jetzt aufgefordert, eine Lösung zu finden, um wieder einen fairen Wettbewerb im Flugverkehr zu ermöglichen.“

Die ehemals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin musste Mitte August Konkurs anmelden. Bundeswirtschaftministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprachen sich trotz Warnungen von Kartellrechtlern sofort für eine Übernahme großer Teile von Air Berlin durch den Lufthansa-Konzern aus. Begründet wurde das damit, dass die Lufthansa zu einem „nationalen Champion“ gemacht werden müsse. Damit hatten andere Unternehmen, darunter auch die British-Airways-Muttergesellschaft IAG, keine Chance mehr auf eine Übernahme von Air Berlin. (ph)

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