Düsseldorf Panorama

KDDM als Ganzes nicht extremistisch

Düsseldorf. Einzelne Mitglieder des Kreises der Düsseldorfer Muslime verfügen über Kontakte ins legalistisch-islamistische Spektrum. Der KDDM als Ganzes wird jedoch nicht als extremistisch bewertet. Das ergab ein am Donnerstag im Innenausschuss erörterter Bericht zum KDDM-Cup. Zum Mitveranstalter des Fußball-Turniers, der umstrittenen Benefiz-Organisation Islamic Relief, wollte aber niemand etwas sagen.

Symbolbild: NRW.direkt

Mitte Juni sorgte ein WDR-Fernsehbericht für Schlagzeilen, nach dem in diesem Jahr der Salafisten-Prediger „Abu Jibriel“ am 10. Mai beim KDDM-Cup in der Mannschaft der Imame mitgespielt hat. Auf einem der Bilder vom KDDM-Cup war der Salafisten-Prediger sogar mit dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) abgelichtet. Auf Nachfrage des WDR sagte der Vorstand des KDDM, Abu Jibriel habe sich unbemerkt in das Sportfest „eingeschlichen“.

Beim KDDM-Cup handelt es sich um ein Turnier muslimischer Fußball-Mannschaften, das seit mehreren Jahren an Christi Himmelfahrt in Düsseldorf stattfindet. Organisiert wird das Turnier vom Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM) sowie von Islamic Relief. In diesem Jahr kamen rund 8.000 Besucher auf die Anlage in Düsseldorf-Benrath, darunter auch der stellvertretende Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) sowie der umstrittene Fußball-Nationalspieler Mesut Özil. Zusammen mit dem Düsseldorfer Oberbürgermeister hatten Stamp und Özil auch die Schirmherrschaft des Turniers übernommen. Höhepunkt des Fußball-Turniers ist traditionell das 20-minütige Spiel christlicher Pfarrer gegen muslimische Imame.

Am Donnerstag wurde der Vorfall im Innenausschuss des Landtages erörtert. Dazu legte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) einen Bericht zum KDDM-Cup vor. Darin hieß es: „Der KDDM wird nicht als extremistisch bewertet. Nach hiesigen Erkenntnissen verfügen einzelne Mitglieder über Kontakte ins legalistisch-islamistische Spektrum. Es ist jedoch nicht bekannt, dass sich dieser Sachverhalt bisher auf die Aktivitäten des Gesamtverbandes und dessen Ausrichtung auswirken konnte.“ Da der KDDM als Ganzes nicht als extremistisch bewertet werde, gebe es von Seiten der Landesregierung auch keinerlei Bedenken gegen eine Kooperation.

Niemand will sich zu Islamic Relief äußern

Obwohl die Erlöse des KDDM-Cup nicht an den KDDM, sondern an Islamic Relief gehen, ging Herbert Reul in seinem Bericht auf diese Organisation jedoch mit keinem Wort ein. Islamic Relief Deutschland ist nach eigener Darstellung eine von islamischen Werten inspirierte muslimische Wohltätigkeitsorganisation, deren Handeln frei von politischer Überzeugung ist. 2016 berichtete die BZ unter Berufung auf ein ihr vorliegendes Dokument des israelischen Verteidigungsministeriums, dass der deutsche Ableger von Islamic Relief Worldwide darin als „Teil des Finanz-Systems der Hamas-Organisation“ bezeichnet wurde. Islamic Relief Deutschland reagierte auf den Zeitungsartikel mit einer Gegendarstellung, in der die Unterstützung der Terror-Organisation Hamas bestritten wurde.

Im Innenausschuss aber hakte lediglich der AfD-Fraktionsvorsitzende Markus Wagner nach und wollte wissen, ob die Unterstützung des KDDM-Cup „nicht etwas leichtfertig“ gewesen sei. „Unterstützung der Hamas ist schließlich kein Pappenstiel“, begründete Wagner seine Nachfrage. Seine Frage wurde von Landesverfassungsschutz-Chef Burkhard Freier beantwortet. Aber ebenso wie der Innenminister ging auch Freier in seiner Antwort mit keinem einzigen Wort auf Islamic Relief ein. In Ermangelung weiterer Wortmeldungen dazu wurde der Tagesordnungspunkt daraufhin wieder beendet.

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