Düsseldorf Nachrichten

Kein „Füchschen“-Zelt wegen IS-Terror

Düsseldorf. Wegen des drohenden IS-Terrors wird es auf der Rheinkirmes kein ‚Füchschen‘-Zelt mehr geben. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) spricht von einem „verhängnisvollen Signal“. Nur die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU) zeigt Verständnis für die Entscheidung von Brauerei-Inhaber Peter König.

Brauerei-Zelt auf der Rheinkirmes 2016 (Bild: NRW.direkt)

„Ich habe mich dazu entschieden, das Zelt in den nächsten Jahren nicht mehr aufzubauen“, sagte Peter König in einem am Mittwoch auf YouTube veröffentlichten Video. „Wenn ich an den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt denke, und die angekündigten und zum Glück vereitelten Anschläge gerade auch in den letzten Wochen, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich noch hundertprozentig für die Unversehrtheit meiner Gäste und Mitarbeiter garantieren kann“, begründete der Brauerei-Inhaber seine Entscheidung. Bereits 2016 gab es auf der Rheinkirmes kein Füchschen-Zelt. Grund dafür waren Modernisierungsarbeiten. 28 Jahre lang war das Zelt fester Bestandteil der Kirmes in Düsseldorf-Oberkassel.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) reagierte darauf mit sofortiger Kritik: „Ich halte die Absage für ein verhängnisvolles Signal“, sagte Geisel laut der Rheinischen Post am Rande der Immobilienmesse Mipim. „Als Oberbürgermeister habe ich Peter König keine Vorschriften zu machen, aber ich möchte ihn bitten, seine Entscheidung zu überdenken.“ Der SPD-Politiker warnte davor, „uns von Dingen verabschieden, die zu unseren festen Lebensgewohnheiten gehören“.

Auch der Chef des St. Sebastianus-Schützenvereins stimmte sofort in die Kritik ein: „Was Peter König sagt, ist aus meiner Sicht absolut nicht nachzuvollziehen: Wie jeder von uns weiß, kann immer und überall etwas geschehen – die Situation auf den Düsseldorfer Rheinwiesen ist auch nicht anders als im Karneval, beim Frankreich-Fest, bei der Tour de France oder auf der Ratinger Straße am Samstagabend“, sagte Lothar Inden in einer ersten Stellungnahme. „Mit diesem Alleingang und der Begründung für die Absage hat Peter König unserer Kirmes und den Schaustellern potentiell geschadet, das kann ich in keiner Weise billigen.“ Beim St. Sebastianus-Schützenverein handelt es sich um den Ausrichter der Rheinkirmes.

„Ist die Stadt bereit, das Risiko zu übernehmen?“

Lediglich die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU) zeigte Verständnis für die Situation des Brauerei-Inhabers. „Ich finde es auch sehr schade, dass sich Herr König so entschieden hat“, sagte Pantel auf Nachfrage unserer Redaktion. „Es ist aber immer einfach zu sagen, man dürfe sich doch nicht so leicht unterkriegen lassen. Hier geht es darum, Verantwortung für andere zu übernehmen. Wer diese Risikoübernahme anders einschätzt, kann sie gerne übernehmen. Vielleicht wäre die Stadt ja bereit, dieses Risiko zu übernehmen, um unsere lieb gewonnenen Gewohnheiten beibehalten zu können.“

Wegen der Terrorgefahr sowie aus Sorge vor Übergriffen gegen Frauen wurden die Sicherheitsmaßnahmen der Rheinkirmes 2016 stark erhöht. Die Kirmes auf den Oberkasseler Rheinwiesen gehört mit rund vier Millionen Besuchern zu den größten Volksfesten in Deutschland.

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