Kein Niqab in der Sparkasse

Neuss/Mönchengladbach. In der letzten Woche gab es Schlagzeilen, weil eine muslimische Frau eine Filiale der Neusser Sparkasse nicht vollverschleiert betreten durfte. Im benachbarten Mönchengladbach wäre dies aber auch nicht erwünscht gewesen.

Filiale der Stadtsparkasse Mönchengladbach (Bild: NRW.direkt)

Stadtsparkasse Mönchengladbach (Bild: NRW.direkt)

In der vergangenen Woche kam die Neusser Sparkasse in die Schlagzeilen, weil eine muslimische Frau Strafanzeige gegen einen ihrer Mitarbeiter erstattet hatte. Angeblich habe dieser die 20-jährige Frau „aus dem Haus geschoben“, nachdem diese vollverschleiert eine Überweisung tätigen wollte. Da sie über ihrer Schulter eine schwere Einkaufstasche getragen hat, habe sie sich dabei Schürfwunden zugezogen.

Die Neusser Sparkasse aber bestreitet den Hergang. „Es ist uns unglaublich wichtig, dass es nicht um das Thema Religion, sondern um Sicherheit geht“, zitierte die Neuss-Grevenbroicher-Zeitung deren Sprecher. Die Frau sei lediglich freundlich auf das Vermummungsverbot hingewiesen worden, welches durch ein Schild mit einem durchgestrichenen Motorradhelm neben dem Eingang gekennzeichnet sei. Den Vorschlag der Frau, sie in einen Nebenraum zu begleiten, wo sie ihren Niqab ablegen und ihren Ausweis vorzeigen könnte, habe das Personal abgelehnt. „Kein Mensch hat ein gutes Gefühl, mit einer unkenntlichen Person Flure entlang oder in einen Raum zu gehen“, sagte der Sprecher des Geldinstituts.

Das Ehepaar zeigt sich empört

Das Ehepaar jedoch zeigte sich wenig einsichtig. „Wir finden das empörend“, sagte der türkischstämmige Ehemann der Frau. Seine Frau sei seit dem Vorfall noch immer verstört, weshalb das Paar schon einen Termin mit einem Psychologen vereinbart habe. „Sie müssen verstehen, dass sie noch nie von einem fremden Mann berührt wurde“, lautete die Erklärung des Ehemannes.

Im benachbarten Mönchengladbach waren in den letzten Jahren ebenfalls zunehmend vollverschleierte Frauen im Straßenbild zu sehen. Bereits 2012 beantragte die CDU im Stadtrat ein Verbot der Vollverschleierung in öffentlichen Gebäuden, was jedoch mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP zurückgewiesen wurde. Dennoch sind vollverschleierte Frauen dort in den Räumlichkeiten der Sparkasse ebenso wenig erwünscht wie andere Personen, die ihr Gesicht verbergen. Auf Nachfrage von NRW.direkt sagte ein Sprecher der Mönchengladbacher Stadtsparkasse am Montag, dass es keine entsprechenden Hinweisschilder an den Eingangstüren gebe. Dennoch bitte die Sparkasse ihre Kundinnen und Kunden, ihre Geschäftsräume „aus Sicherheitsgründen nicht mit Vollverschleierung, Motorradhelmen, Gesichtsmasken oder Ähnlichem zu betreten“. Bislang habe es in diesem Zusammenhang aber noch keine kritischen Situationen gegeben.

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