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„Keine Experimente zu Lasten der Soldaten“

Köln. Die deutsche Rüstungsindustrie ist nicht damit einverstanden, dass die Bundeswehr neue Transporthubschrauber in den USA kaufen will. Dafür wiederum hat der Verband der Soldaten der Bundeswehr (VSB) kein Verständnis. „Keine Experimente zu Lasten der Soldaten“, sagte der VSB-Bundesvorsitzende Ulrich Timmermann. „Die Bundeswehr braucht jetzt erprobte und bewährte Hubschrauber.“

Gegenwärtig sucht das Bundesverteidigungsministerium einen neuen schweren Transporthubschrauber, um die seit 1972 eingesetzten Sikorsky CH-53 zu ersetzen. Als Nachfolger ist die aktuelle Version der CH-53 ebenso im Gespräch wie das Modell CH-47 „Chinook“ des US-Flugzeugbauers Boeing. Ungewöhnlich, aber für den Steuerzahler erfreulich ist, dass das Ministerium dabei keine kostspielige Neuentwicklung der heimischen Flugzeugindustrie will, sondern bereits verfügbare und bewährte Hubschrauber. Diese sollen zusammen mit einem Betreuungs- und Instandhaltungspaket geordert werden. Begründet wird dies unter anderem mit einem erwarteten Zeitgewinn im Beschaffungsverfahren, klareren Verantwortlichkeiten und höherer Kostentransparenz.

Das aber rief den Protest der deutschen Rüstungsindustrie hervor. Medienberichten zufolge haben Lobbyisten bereits gegen diese Pläne protestiert. In einem bekannt gewordenen Brief an das Verteidigungsministerium befürchtet der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) den „Verlust nationaler Handlungsfähigkeit“, wenn ausländische Firmen für Wartung und Instandhaltung von Bundeswehr-Material verantwortlich sind.

„Ausstattung von Soldaten wichtiger als Verkaufserfolge von Managern“

Dafür wiederum hat der Verband der Soldaten der Bundeswehr (VSB) mit Sitz in Köln kein Verständnis. „Die Sicherheit unserer Soldaten steht für den VSB über dem Interesse der Industrie“, sagte der VSB-Bundesvorsitzende und Oberstleutnant im Generalstabsdienst Ulrich Timmermann am Donnerstag. Der VSB begrüße das Ziel des Verteidigungsministeriums, leistungsfähiges und bewährtes Gerät zeitnah den Bedürfnissen der Truppe entsprechend zu beschaffen. „Die Pflicht zur Fürsorge gegenüber Soldaten zählt zu den wichtigsten Obliegenheiten des Dienstherrn“, erläutert VSB-Pressesprecher Roland Bösker. „Eben weil unsere Kameraden in ihrem Beruf ein hohes Risiko eingehen, muss zuverlässiges Gerät dann beschafft werden, wenn es gebraucht wird und nicht erst, wenn die Industrie ihre Gewinnerwartungen kalkuliert hat.“

Der Verlust nationaler Handlungsfähigkeit, wie ihn der Industrieverband befürchtet, tritt laut einer Erklärung des VSB nur dann ein, „wenn die Soldaten der Bundeswehr den Eindruck gewinnen, dass ihre Forderungen nach moderner Ausstattung in gefährlichen Einsätzen weniger wichtig sind als die Verkaufserfolge von Managern in klimatisierten Büros“. (ph)

Bild: Boeing CH-47 der US Army. Bildrechte: NRW.direkt

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