Justiz Nachrichten

Keine Mordanklage gegen mutmaßlichen Todes-Raser

Mönchengladbach. Bei einem illegalen Autorennen wurde im Juni 2017 ein 38-jähriger Mann getötet. Ein zweiter Fußgänger wurde nur knapp verfehlt. Eine Mordanklage gegen den mutmaßlichen Todes-Raser wurde vom Schwurgericht aber nicht zugelassen.

Blumen, Kerzen und ein Holzkreuz erinnern an den getöteten Fußgänger (Bilder: NRW.direkt)

Bei einem illegalen Autorennen wurde am späten Abend des 16. Juni 2017 auf der Fliethstraße in Mönchengladbach ein 38-jähriger Fußgänger getötet. Nachdem der Mann nach dem Aufprall auf eines der Fahrzeuge 37 Meter durch die Luft geschleudert wurde, kam sein Körper nur zum Stillstand, weil er unter einem abgestellten Auto eingeklemmt wurde. Der Fußgänger starb noch vor Ort. Eine Obduktion ergab, dass er durch den Aufprall „multiple Verletzungen“ erlitten hatte, todesursächlich sei eine Schädelverletzung gewesen.

Ein zweiter Fußgänger, der zwei bis drei Sekunden vorher die Straße überquert hatte, wurde nur „knapp verfehlt“, hieß es Tage später auf einer Pressekonferenz. Der zweite Fußgänger habe nur noch sehen können, dass drei Autos gleichzeitig auf ihn zurasten. Die Ermittlungen hatten ergeben, dass die Fahrzeuge Geschwindigkeiten bis zu 100 Kilometer pro Stunde erreicht hatten. Erlaubt sind auf der Fliethstraße aber nur Geschwindigkeiten bis 40 Kilometer pro Stunde.

Staatsanwalt wertete das Rennen als Tötungsdelikt

Der mutmaßliche Todesfahrer, der heute 29-jährige Manuel S. aus Schwalmtal, wurde wenige Tage nach dem Rennen wegen Mordes in Untersuchungshaft genommen. „Ich bin schon lange der Auffassung, dass ein solches Ereignis als Tötungsdelikt zu bewerten ist“, begründete Staatsanwalt Stefan Lingens den Vorwurf auf der Pressekonferenz.

Zu einer Anklage wegen Mordes dürfte es jedoch nicht mehr kommen: Wie ein Sprecher des Mönchengladbacher Landgerichts am Donnerstag mitgeteilt hat, wurde die Anklage gegen den 29-Jährigen von Schwurgericht zugelassen – allerdings ohne den Vorwurf des Mordes. „Das Schwurgericht sieht beim Angeklagten S. nach den Ergebnissen des Ermittlungsverfahrens keinen hinreichenden Tatverdacht für einen Tötungsvorsatz“, hieß es zur Begründung.

Neues Gesetz kann nicht angewendet werden

Damit kann der 29-Jährige, dem nunmehr vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs sowie fahrlässige Tötung vorgeworfen wird, nicht mehr zu zehn, sondern nur noch zu maximal fünf Jahren Haft verurteilt werden. Ein neues Gesetz, das bei illegalen Autorennen mit tödlichem Ausgang Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren vorsieht, kann in seinem Fall nicht angewendet werden, da es erst nach der Tat in Kraft getreten ist.

Wann der Prozess beginnt, ist derzeit noch nicht bekannt. Noch kann die Staatsanwaltschaft gegen den Beschluss des Schwurgerichts Rechtsmittel einlegen. Dann müsste das Oberlandesgericht darüber entscheiden. Falls die Staatsanwaltschaft jedoch darauf verzichtet, würde die zuständige Große Strafkammer nach Ablauf der Rechtsmittelfrist die Prozesstermine festlegen. Mitangeklagt ist der 25-jährige Nasratullah A. aus Willich, der auch an dem Rennen beteiligt gewesen sein soll. Ihm wird vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs sowie Unfallflucht vorgeworfen. (ph)

Bild ganz oben: Markierungen der Polizei auf dem Teil der Fliehtstraße, an dem der Fußgänger getötet wurde

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