Politik

Konservative über CDU-Austritte beunruhigt

Düsseldorf. Einen Tag nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Chefin ist die WerteUnion über Austritte aus der CDU beunruhigt und appelliert zum Verbleib in der Partei. FDP und AfD hingegen freuen sich bereits auf neue Wähler und Mitglieder.

Annegret Kramp-Karrenbauer (Bild: NRW.direkt)

Die Delegierten des CDU-Bundesparteitags in Hamburg haben Annegret Kramp-Karrenbauer am Freitag mit 51,7 Prozent der abgegebenen Stimmen zur Nachfolgerin von Angela Merkel als Parteivorsitzende gewählt. Der von den Konservativen unterstützte frühere Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz erhielt lediglich 48,25 Prozent der Stimmen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der sich ebenfalls um Merkels Nachfolge beworben hatte, war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden.

Im linksgrünen Lager wurde das Wahlergebnis sofort begrüßt: Noch am selben Tag twitterte der ehemalige Grünen-Chef Jürgen Trittin freudig „Don’t mess with Merkel“ an die Adresse von Wolfgang Schäuble und Friedrich Merz. Schäuble hatte sich im Vorfeld für Merz als neuen CDU-Chef ausgesprochen.

„Viele gestandene Parteifreunde verlassen die CDU“

Die Konservativen in der CDU hingegen sind über erste Parteiaustritte beunruhigt: „Seit gestern Abend verlassen offenbar viele gestandene Parteifreunde die CDU. Ich bedauere diesen Schritt, aber respektiere ihn – habe ich doch selbst in den bleiernen Jahren unter Merkel oft mit diesem Gedanken gespielt“, schrieb Peter Scholze, Bundesvorstandsmitglied und rheinland-pfälzischer Landesvorsitzender der WerteUnion, am Samstagabend auf seiner Facebook-Seite.

Gleichzeitig appelliert Scholze aber auch an seine Parteifreunde, in der CDU zu bleiben: „Doch allen, die dies hören wollen – und vor allem denen, die es nicht hören wollen – sage ich das Folgende: Ich bin 1980 in die CDU eingetreten. Ich bin nicht willens, meine Partei von Salonkommunisten und Postenschacherern weiter zugrunde richten zu lassen! 48 Prozent der Delegierten und, mein Eindruck von den Regionalkonferenzen, mehr als zwei Drittel der Parteibasis wollten den Kurswechsel. Gegen diese Stimmungslage ist Annegret Kramp-Karrenbauer nur als Interregnum (lateinischer Begriff für Zwischenherrschaft, Anm. d. Red.) zu betrachten, auch wenn sie immer wieder den Neuanfang beschwört.“

Geschenk für FDP und AfD?

FDP und AfD aber stellen sich bereits auf neue Wähler und Mitglieder ein. Am schnellsten nutzte die FDP die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Chefin, um bisherige CDU-Mitglieder für sich zu gewinnen: „Für die 48 Prozent der CDU’ler mit Wirtschaftskompetenz und Visionen für die Zukunft: Ihr seid herzlich bei uns willkommen“, hieß es noch am selben Tag in einem Facebook-Beitrag der Liberalen.

Ähnliche Reaktionen gab es auch bei der AfD: „Parteipolitisch betrachtet war der CDU-Parteitag für uns ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“, sagte Gabriele Walger-Demolsky, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion. „Von Hochmut halte ich nichts, aber mit Annegret Kramp-Karrenbauer ist tatsächlich der geringste ‚Konservativruck‘ zu erwarten. Der Mangel der CDU an wirtschaftsliberalen und kulturkonservativen Positionen dürfte uns neue Mitglieder und Wähler bescheren.“ (ph)

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