Köln Politik

Kritik an DITIB-Absage

Köln. Wird die von der islamischen Religionslehrerin Lamya Kaddor für Samstag angekündigte Kundgebung gegen islamistischen Terror zur Farce? Der türkische Moschee-Dachverband DITIB sagte seine Teilnahme ab, da es fastenden Muslimen im Ramadan nicht zumutbar sei, in der Mittagssonne zu demonstrieren. Jaklin Chatschadorian (CDU), stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates, kritisiert die Entscheidung.

„Den Personen, die diese aktuelle Demonstration organisieren, hätte bewusst sein müssen, dass für eine gemeinsame Veranstaltung Vorgespräche notwendig sind. Auch hätten wir den betreffenden Personen vorab erklären können, dass am 22. Tag des Ramadan, an dem in Köln von 3 Uhr 47 bis 21 Uhr 55 gefastet, also nichts gegessen und getrunken wird, es den fastenden Muslimen schlichtweg nicht zumutbar ist, stundenlang in der prallen Mittagssonne bei 25 Grad zu marschieren und demonstrieren“, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung der DITIB zur Begründung der Absage.

Auch würden Forderungen nach muslimischen Anti-Terror-Demos zu kurz greifen, die Muslime stigmatisieren und den internationalen Terrorismus auf sie „verengen“, hieß es weiter. Dies sei „der falsche Weg und das falsche Zeichen, denn diese Form der Schuldzuweisung spaltet die Gesellschaft“. Darin pflichte die DITIB der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz, bei.

Die Diyanet Isleri Türk Islam Birligi (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, abgekürzt DITIB) ist der größte Islam-Dachverband in Deutschland. Zur DITIB gehören etwa 900 Moscheen in Deutschland und rund 800.000 Mitglieder. Über ihre Satzung ist die DITIB an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara angebunden.

Initiatoren haben 10.000 Teilnehmer angemeldet

„Der türkische DITIB-Islam stellt sich nicht einmal dann gegen den islamistischen Terror, wenn eine Veranstaltung den Ruf der Religion retten soll“, kritisierte Jaklin Chatschadorian (CDU), stellvertretende Vorsitzende des Kölner Integrationsrates, am Donnerstag. „Der Kooperationspartner der deutschen Politik zeigt sich fordernd, rechtfertigend, spricht sich frei von Schuld und Verantwortung und versäumt nicht, vor allem jene zu tadeln, die es wagen, sich dem gesellschaftlichen Druck der ‚Ungläubigen‘ zu beugen. Dazu braucht es nicht einmal einer Anweisung aus der Türkei.“

Initiiert wird die unter dem Motto „Nicht mit uns“ am frühen Samstagnachmittag startende Demonstration von der islamischen Religionslehrerin Lamya Kaddor sowie dem von einigen Medien als „muslimischem Friedensaktivisten“ bezeichneten Tarek Mohamad. Zur Teilnahme aufgerufen sind aber auch Nicht-Muslime. Angemeldet ist die als „Friedensmarsch“ bezeichnete Kundgebung für 10.000 Teilnehmer. Zu den zahlreichen Einzelunterzeichnern des Aufrufs gehörten neben der Fernsehmoderatorin Nazan Eckes auch führende Politiker von CDU, SPD, Grünen, Linken und FDP. Laut Tarek Mohamad wollen zwei TV-Sender live von der Kundgebung berichten. Die Polizei wird mit rund 700 Beamten im Einsatz sein. Ein Teil der 700 Polizisten ist allerdings einer anderen Demonstration geschuldet. (ph)

Bild: DITIB-Moschee in Köln-Ehrenfeld. Bildrechte: NRW.direkt

Print Friendly, PDF & Email