Politik

Landesregierung sagt nichts zum Frauenbild der Ahmadiyya-Gemeinde

Düsseldorf. Vor fast genau einem Jahr warfen mehrere CDU-Politiker der Ahmadiyya-Gemeinde vor, bei einer Ausstellung im Rathaus Broschüren mit frauenfeindlichen Inhalten verteilt zu haben. Jetzt hat sich die Landesregierung auf Nachfrage von Gabriele Walger-Demolsky (AfD) erstmals dazu geäußert. „Mir fehlt hier eindeutig die kritische Betrachtung dieser Sekte“, sagt die Landtagsabgeordnete zu der Antwort, in der auf den Inhalt der Broschüren gar nicht eingegangen wurde.

Frauen der AMJ bei einer Demonstration in Köln (Bild: NRW.direkt)

„Eine Reise durch die islamische Zeit“ hieß die Ausstellung, die vom 6. bis zum 9. Februar 2017 im Düsseldorfer Rathaus zu sehen war. Ausrichter war die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde (AMJ). Obwohl die Internet-Enzyklopädie Wikipedia darauf verweist, dass die weltweite Vorherrschaft des Islam unter Führung eines ihrer künftigen Kalifen zu den Zielen der AMJ gehört, wurde diese im April 2013 in Hessen als erste muslimische Gemeinde in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. 2014 folgte die Ahmadiyya-Gemeinde in Hamburg. Mit diesem Status ist die Gemeinde den christlichen Kirchen rechtlich gleichgestellt.

Die Ausstellung im Rathaus geriet zum Skandal, nachdem der Düsseldorfer Anzeiger berichtet hatte, dass dort auch Broschüren mit Titeln wie „Die Rechte und Pflichten einer Frau im Islam“, „Die islamische Ehe“ oder „Warum trägt die Muslima Schleier oder Kopftuch?“ angeboten wurden. Bei näherer Betrachtung hätten die bunten Heftchen jedoch frauenfeindliche Inhalte offenbart. Etwa, dass Frauen nicht ohne Einverständnis des Mannes arbeiten gehen dürfen sowie Schleier oder Kopftuch tragen, um sich „vor anderen Männern zu schützen“. Auch sollten Frauen, im Gegensatz zu Männern, die unter bestimmten Voraussetzungen bis zu vier Frauen ehelichen können, nur einen Mann haben, weil sie sonst zu häufig schwanger würden. Die Aussage, dass Frauen nicht gegen ihren Mann opponieren dürfen, war ebenfalls in einer der Broschüren zu finden.

„Für alle Frauenorganisationen unserer Stadt beschämend“

Mehrere CDU-Politiker kritisierten die Ausstellung daraufhin mit teilweise scharfen Worten. Darunter war auch Sylvia Pantel: „Es ist nicht hinzunehmen, dass Frauen hier unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit in ihren Bürgerrechten beschnitten werden“, sagte die Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Düsseldorfer Frauen Union damals unserer Redaktion. „Wir diskutieren über eine gendergerechte Sprache und übersehen gleichzeitig elementare Menschenrechte. Frauen und Männer sind gleichberechtigte Partner! Und wenn eine solche Ausstellung ohne Reaktion in unserem Rathaus stattfinden kann, finde ich das für alle Frauenorganisationen in unserer Stadt beschämend.“

Auch die Recherchen der Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall ergaben ein entsprechendes Frauenbild der AMJ. So gehöre die strikte Geschlechtertrennung ebenso zu deren Ideologie wie die Überordnung der Männer gegenüber den Frauen oder die Tatsache, dass Ahmadiyya-Frauen nur Männer aus ihrer Gemeinde heiraten dürfen. „Frauen werden nur dann als gleichwertig betrachtet, wenn sie die angeblich gottgewollten geringeren Rechte akzeptieren“, erklärte Herrmann-Marschall.

Broschüren erneut verteilt

Am 23. November veranstaltete die AMJ in Düsseldorf-Bilk einen Informationsabend zum Thema „Stellung der Frau im Islam“. Hauptrednerin dabei war die in der Öffentlichkeitsarbeit der Ahmadiyya-Gemeinde sehr aktive Journalistin Khola Maryam Hübsch. Auch Gabriele Walger-Demolsky, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion, nahm daran teil. Nach der Veranstaltung berichtete Walger-Demolsky, dass die Broschüren mit den frauenfeindlichen Inhalten dort erneut verteilt wurden.

Anfang des Jahres stellte Gabriele Walger-Demolsky eine Kleine Anfrage an die Landesregierung, in der sie ausgiebig zitierte, welche Standpunkte zur Rolle der Frau in diesen Broschüren dargelegt wurden. Unter anderem wollte Walger-Demolsky wissen, ob die AMJ auch in Nordrhein-Westfalen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts beantragt hat, wie sich die Landesregierung eine integrationspolitische Zusammenarbeit mit der AMJ vorstellt und wie diese „das in den Broschüren vermittelte Frauenbild vor dem Hintergrund der Errungenschaften der Frauenbewegung der letzten 100 Jahre beurteilt“.

Am Dienstag wurde die von Landesintegrationsminister Joachim Stamp (FDP) im Einvernehmen mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) verfasste Antwort auf Walger-Demolskys Anfrage veröffentlicht. Die Frage, ob die AMJ auch in Nordrhein-Westfalen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts beantragt hat, wurde darin zunächst verneint. In einer am Mittwoch veröffentlichen korrigierten Fassung der Antwort wurde jedoch eingeräumt, dass bereits am 19. Januar in der Staatskanzlei ein Antrag der AMJ auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingegangen ist.

„AMJ auch künftig potentieller Ansprechpartner der Landesregierung“

Zu den Inhalten der Broschüren äußerten sich die Vertreter der Landesregierung aber mit keinem einzigen Wort. Stattdessen antwortete Joachim Stamp, dass „die AMJ auch künftig als potentieller Ansprechpartner der Landesregierung in Fragen des Dialogs mit dem Islam betrachtet“ werde. Voraussetzung für deren dauerhafte Einbeziehung in Gremien und Projekte der Landesregierung sei, „dass sich die AMJ – wie andere muslimische Zusammenschlüsse auch – zu den Prinzipien und Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennt und sowohl ihr Handeln als auch ihre öffentlichen Verlautbarungen danach ausrichtet“.

Auch seine Antwort auf die Frage von Walger-Demolskys Frage, wie das in den Broschüren vermittelte Frauenbild vor dem Hintergrund der Errungenschaften der Frauenbewegung beurteilt werde, fiel knapp aus: „Die Frauenbewegung hat in den letzten 100 Jahren ganz wesentlich dazu beigetragen, dass das Grundrecht der Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Grundgesetz verankert und 1994 entscheidend ergänzt wurde. Die Landesregierung erwartet, dass die verfassungsgemäß garantierten Grundrechte von allen Religionsgemeinschaften respektiert und eingehalten werden.“

Zufrieden ist Gabriele Walger-Demolsky mit diesen Antworten nicht. „Mir fehlt hier eindeutig die kritische Betrachtung dieser Sekte“, sagte sie unserer Redaktion. „In den letzten Monaten und Jahren gab es genügend Belege für deren krudes Gleichberechtigungsverständnis.“ (ph)

Der Artikel wurde am 14. Februar um 13 Uhr 00 geändert. Grund war, dass die Landesregierung am Mittwoch ihre Antwort korrigiert und dabei eingeräumt hat, dass bereits am 19. Januar in der Staatskanzlei ein Antrag der AMJ auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingegangen ist.

Print Friendly, PDF & Email