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Laschet: „Islam gehört zu NRW“

Aachen. Bei der Eröffnung der neuen DITIB-Moschee betonte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Samstag, dass „der Islam zu Nordrhein-Westfalen gehört“. Mit diesem Bekenntnis zum umstrittenen Moschee-Dachverband DITIB stoße Laschet Aleviten, Kurden und säkulare Türkischstämmige vor den Kopf, kritisierte Sigrid Herrmann-Marschall. „Der DITIB-Islam kann nicht zu NRW gehören, weil er Teil der Türkei ist“, sagte die bekannte Islamismus-Expertin.

Armin Laschet (Bild: NRW.direkt)

Nach siebenjähriger Bauzeit wurde am Samstag die Yunus-Emre-Moschee der türkisch-islamischen DITIB-Gemeinde in Aachen mit einer interreligiösen Zeremonie eröffnet. Daran haben auch der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen, der Pfarrer einer benachbarten katholischen Kirche, der Imam der DITIB-Gemeinde, der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp sowie Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) teilgenommen. „Der Islam gehört zu Nordrhein-Westfalen und die 1,5 Millionen Muslime sind selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft“, betonte Armin Laschet in seiner Rede. „Wir stehen zusammen und lassen uns unsere friedliche Gesellschaft nicht durch Hass kaputt machen.“

Laut der Rheinischen Post bietet die neue Moschee mit 700 Quadratmetern Gebetsfläche unter einer riesigen Glaskuppel Platz für 600 Betende. Das vierstöckige Gemeindezentrum mit einer Gesamtfläche von 6.000 Quadratmetern beherbergt neben dem zentralen Gebetssaal eine Cafeteria, zwölf Sozialwohnungen, eine Bibliothek und Gemeinschaftsräume für Kulturveranstaltungen und Bildungskurse. Das Minarett ist 40 Meter hoch, einen Muezzin-Ruf aber soll es nicht geben. Von den insgesamt 8,5 Millionen Euro Baukosten seien sechs Millionen durch Spenden zusammengekommen.

Letzter Skandal erst einen Monat her

Die Diyanet Isleri Türk Islam Birligi (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, abgekürzt DITIB) ist durch ihre Satzung an die türkische Religionsbehörde Diyanet gebunden. In den letzten Jahren war die DITIB aufgrund mehrerer Skandale immer wieder in den Schlagzeilen. Erst vor einem Monat sorgten die Vorgänge in den DITIB-Moscheen in Herford und Mönchengladbach für Diskussionen. Auf im April in die Öffentlichkeit gelangten Videos, die in diesen Moscheen aufgenommen wurden, waren Kinder zu sehen, die als Soldaten gekleidet mit türkischen Fahnen paradieren und salutieren. Hintergrund war offenbar der „Tag der Gefallenen“ am 18. März. An jenem Tag hatten die Türken 1915 Briten und Franzosen in der Schlacht von Gallipoli besiegt.

„Man könnte meinen, es hätte all die Vorfälle mit Kindern in Uniformen nicht gegeben“, sagte die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall unserer Redaktion. „Auch stößt Herr Laschet durch sein Bekenntnis zur DITIB – und damit mittelbar zur türkischen Regierungspartei AKP – Aleviten, Kurden und säkulare Türkischstämmige vor den Kopf. Türkischstämmige Muslime sind vielfältig orientiert und hängen nicht nur am Tropf der DITIB. Der DITIB-Islam kann nicht zu NRW gehören, weil er Teil der Türkei ist – und zwar selbstgewählt.“

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