Düsseldorf Justiz Mönchengladbach

Lau-Prozess beginnt im September

Düsseldorf/Mönchengladbach. Der Prozess gegen den Salafisten-Prediger Sven Lau beginnt am 6. September. Dem ehemaligen Weggefährten von Pierre Vogel wird die Unterstützung einer ausländischen Terror-Organisation vorgeworfen.

Sven Lau (Bild: NRW.direkt)

Sven Lau (Bild: NRW.direkt)

Wie das Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) am Mittwoch mitgeteilt hat, beginnt der Prozess gegen den ehemaligen Mönchengladbacher Salafisten-Chef Sven Lau am 6. September. Der 35-Jährige, der sich in Salafisten-Kreisen „Abu Adam“ nennen lässt, wurde im Dezember 2015 in Mönchengladbach festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, 2013 von Deutschland aus als verlängerter Arm der in Syrien aktiven Terror-Organisation Jaish al-muhajirin wa-l-ansar (Armee der Auswanderer und Helfer, JAMWA) agiert zu haben. Die JAMWA gründete sich im März 2013 und war spätestens seit Mitte 2013 eng an die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) angebunden.

Der in Mönchengladbach geborene Lau trat dort im Sommer 2010 erstmals öffentlich in Erscheinung. Seine Auftritte mit dem ebenfalls bundesweit bekannten Salafisten-Prediger Pierre Vogel riefen in der Bevölkerung Angst und Empörung hervor. Die Untätigkeit der nordrhein-westfälischen Politik führte schnell zur Gründung einer Bürgerinitiative, die ein Jahr lang gegen Lau und Vogel demonstrierte. Dann gaben die Salafisten auf; Vogel verließ die Stadt wieder, Lau widmete seine Aufmerksamkeit zunehmend dem syrischen Bürgerkrieg.

Anfänglich von der Justiz verschont

Obwohl Sven Lau bereits 2011 mehrfach in Mönchengladbach mit dem Gesetz in Konflikt kam, hatte er dort nie Strafverfolgung zu befürchten. Eine Staatsanwältin stellte alle gegen ihn gerichteten Strafverfahren wieder ein. Ungeklärt ist bis heute eine Brandstiftung in der Mönchengladbacher Salafisten-Moschee am 5. Juni 2011. Bereits drei Monate später war laut der Rheinischen Post aus Ermittlerkreisen zu vernehmen, dass die Polizei ausreichende Beweise dafür hätte, dass Lau diesen Brand zusammen mit Glaubensbrüdern selber gelegt habe, um die Tat den „Muslim-Hassern“ der Bürgerinitiative in die Schuhe zu schieben. Dennoch wurde auch dieses Strafverfahren im Januar 2012 wieder eingestellt, was in der Bevölkerung große Empörung auslöste.

Im September 2014 erlangte Lau als Anführer der „Scharia-Polizei“ bundesweite Bekanntheit. Die selbsternannten Polizisten patrouillierten mehrfach durch die Wuppertaler Innenstadt, um muslimische Jugendliche vor Diskotheken oder Spielhallen von einem „gottgefälligen“ Leben zu überzeugen und „aus den Häusern des Teufels zu bekommen“. Dabei wurde auch die Einführung des islamischen Rechts in Deutschland gefordert. Zuletzt lebte Lau im Düsseldorfer Stadtteil Holthausen. Wovon, ist bis heute nicht bekannt.

Der Prozess gegen Sven Lau wird vom 5. Strafsenat des OLG unter dem Vorsitzenden Richter Frank Schreiber geführt. Folgetermine wurden bis Januar 2017 vergeben. Unklar ist bislang, wer Lau verteidigen wird. In den vergangenen Jahren wurde er von dem bekannten Bonner Salafisten-Anwalt Mutlu Günal vertreten. Zuletzt jedoch soll Lau den Wunsch nach neuen Anwälten geäußert haben. Wegen seines Auftritts als Chef der „Scharia-Polizei“ erwartet ihn zusätzlich noch ein Verfahren vor dem Wuppertaler Landgericht.

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