Düsseldorf Justiz Lau-Prozess Mönchengladbach

Sven Lau sieht sich als Opfer

Düsseldorf/Mönchengladbach. In einem emotionalen und tränenreichen letzten Wort vor Gericht offenbarte Sven Lau, dass er sich als Opfer eines übereifrigen Staatsschützers sieht. Dabei gab er einen sechs Jahre alten Vorfall falsch wieder. Bereits in seiner Zeit als Mönchengladbacher Salafisten-Chef hatte sich Lau als Opfer dargestellt.

Sven Lau bei einer Rede in Mönchengladbach (Bild: NRW.direkt)

Die erneuten Plädoyers am Mittwoch im Prozess gegen den ehemaligen Mönchengladbacher Salafisten-Chef Sven Lau erbrachten nichts Neues. Die Bundesanwaltschaft blieb bei ihrer Forderung nach sechs Jahren und sechs Monaten Haft wegen vierfacher Unterstützung einer in Syrien aktiven terroristischen Vereinigung. Gegen den 36-jährigen Sven Lau wird seit 6. September 2016 vor dem Fünften Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) verhandelt.

Sven Laus Verteidiger, darunter der bekannte Bonner Strafverteidiger Mutlu Günal, blieben bei ihrer Forderung nach einem Freispruch. Günal machte in seinem Plädoyer erneut deutlich, dass Sven Lau seiner Meinung nach in diesem Prozess für andere Taten bestraft werden soll, so etwa für seinen Auftritt als „Scharia-Polizist“ im September 2014 in Wuppertal.

Nachdem dieser deutschlandweit für Empörung gesorgt hatte, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel ein konsequentes Durchgreifen des Rechtsstaats gegenüber den von Sven Lau angeführten Scharia-Polizisten. Das Landgericht Wuppertal aber teilte am 9. Dezember 2015 mit, die entsprechende Anklage nicht zuzulassen. Nur zwei Tage später erhob die Bundesanwaltschaft jene Anklage, die zum Prozess vor dem OLG geführt hat.

Sechs Jahre alten Vorfall im letzten Wort falsch wiedergegeben

Spektakulär wurde es am Mittwoch jedoch, als der Vorsitzende Richter Sven Lau die Möglichkeit des letzten Wortes gewährte. In einer rund viertelstündigen, emotionalen und mehrfach von Tränen unterbrochenen Ansprache offenbarte Sven Lau, dass er sich als das Opfer eines Mönchengladbacher Staatsschützers sehe, der ihn „seit elf Jahren begleite“ und „Narrenfreiheit“ habe. So sei dieser daran schuld, dass seine Kinder in der Schule „gehänselt und gemobbt“ würden, etwa dadurch, dass sie Aussagen wie „Dein Vater ist ein Terrorist“ zu hören bekämen.

Als Beispiel für die seiner Meinung nach überzogene Härte der Polizei verwies Sven Lau in seinem letzten Wort auf einen tätlichen Angriff eines Glaubensbruders auf den Chef einer Mönchengladbacher Anti-Salafisten-Initiative am 24. Juni 2011: Damals habe ihm die Polizei vorgeworfen, den Täter vom Tatort weggefahren zu haben. Mitglieder der Bürgerinitiative würden jedoch bezeugen, so Laus Überzeugung, dass er nur habe „schlichten“ wollen.

Tatsächlich aber hatten mehrere Augenzeugen unmittelbar nach der Attacke übereinstimmend ausgesagt, Lau habe den Täter vom Tatort weggefahren. Ebenfalls unerwähnt ließ Sven Lau in seinem letzten Wort, dass er die Mitglieder der Bürgerinitiative in den Wochen vor diesem Zwischenfall als „Nazis“ und „Muslimhasser“ beschimpft hatte.

„Nazi-Überfall“ entpuppte sich als Aggression der Salafisten

Mitglieder einer Bürgerinitiative hatten 2010 und 2011 in Mönchengladbach fast ein Jahr lang regelmäßig gegen den lange Zeit von Sven Lau geführten Salafisten-Verein Einladung zum Paradies (EZP) demonstriert. Dabei hielten sich alle Mitglieder der Bürgerinitiative stets an das Gesetz. Sven Lau hingegen wurde bei diesen Auseinandersetzungen in den verschiedensten Zusammenhängen von der Polizei als Tatverdächtiger ermittelt.

Dabei stellte er sich selbst mehrfach als Opfer dar, so etwa bei einer Schlägerei am 6. März 2011: Nur wenige Stunden danach behauptete er in einem im Internet veröffentlichten Video, es habe einen „Nazi-Überfall“ auf ihn und seine Familie gegeben. Zeugenaussagen brachten jedoch hervor, dass rund 15 Salafisten, einer davon mit einer Eisenstange, auf einen am Boden liegenden betrunkenen Karnevalisten eingeschlagen und -getreten hatten. Lau räumte später ein, auch daran beteiligt gewesen zu sein.

Zu befürchten hatte er in seiner Heimatstadt dennoch nie etwas, da alle gegen ihn gerichteten Strafverfahren von der Staatsanwaltschaft wieder eingestellt wurden. In der Mönchengladbacher Bevölkerung lösten die Verfahrenseinstellungen teilweise große Empörung aus. Das Urteil in dem jetzt stattfindenden Verfahren soll am nächsten Mittwoch verkündet werden.

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