Düsseldorf Justiz Lau-Prozess Mönchengladbach

Laus Ex-Frau verweigert Aussage

Düsseldorf/Mönchengladbach. Im Prozess gegen Sven Lau verweigerte dessen erste Ehefrau am Mittwoch die Aussage. Kurz nach seinem Auftritt als „Scharia-Polizist“ abgehörte Telefonate legen nahe, dass beide ein für ein geschiedenes Paar ungewöhnliches Vertrauensverhältnis verbindet.

Sven Lau (Bild: NRW.direkt)

Sven Lau bei einer Rede in Mönchengladbach (Bild: NRW.direkt)

Bis zu dieser Woche war über Sven Laus erste Ehefrau nichts öffentlich bekannt. Anders als bei seiner derzeitigen marokkanischen Ehefrau, die ihrer früheren Nachbarschaft in Mönchengladbach zumindest durch ihre auffällige Vollverschleierung gut bekannt war. Damit war die Neugierde groß, als am Mittwochmorgen im Prozess gegen den ehemaligen Mönchengladbacher Salafisten-Chef eine Zeugin mit deutschem Namen geladen war, um zu dessen persönlicher und religiöser Entwicklung vernommen zu werden. Gegen Sven Lau wird seit Anfang September vor dem 5. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgericht verhandelt. Vorgeworfen wird ihm die Unterstützung in Syrien aktiver Terror-Organisationen.

Als die 30-jährige und westlich gekleidete Frau den Saal betrat, winkte und lächelte sie Sven Lau zu – eine für ein geschiedenes Paar ungewöhnlich herzliche Begrüßung. Lau winkte verlegen zurück. Seine Ex-Frau hatte nur Augen für ihn, weshalb der Vorsitzende Richter Frank Schreiber sie daran erinnern musste, wo sie sich gerade befand: „Vielleicht schenken Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz kurz mir.“ Dann aber zeigte sich schnell, dass die 30-Jährige gar nichts sagen wollte: „Ich möchte von meinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen.“ Kurz darauf durfte sie den Gerichtssaal wieder verlassen, nicht ohne sich erneut auffällig herzlich von ihrem Ex-Mann zu verabschieden.

Langweilig wurde es dennoch nicht; anstelle ihrer Vernehmung verlas Frank Schreiber Protokolle am 10. September 2014 zwischen ihr und Sven Lau geführter Telefonate. Als der Richter das Datum der abgehörten Gespräche nannte, spitzten sich sofort alle Ohren, denn nur wenige Tage zuvor sorgte Sven Lau als Anführer der „Scharia-Polizei“ für Wirbel im ganzen Land. Die Salafisten führten Streifengänge Wuppertal-Elberfeld durch, um muslimische Jugendliche vor Diskotheken oder Spielhallen von einem „gottgefälligen“ Leben zu überzeugen und „aus den Häusern des Teufels zu bekommen“. Bei der Scharia handelt es sich um das islamische Recht. Bei ihren Patrouillen waren die selbsternannten Polizisten mit Warnwesten bekleidet, die die Aufschrift „Shariah Police“ trugen. Nachdem alle große Medien darüber berichtet hatten, machte sich bundesweit große Empörung breit. Tagelang wurde in der deutschen Politik über die Vorgänge in Wuppertal debattiert.

Distanzierung vom IS für die mithörenden Ermittler?

In diesen Telefonaten beklagte Laus Ex-Frau, dass dessen Mutter wegen des Wirbels um die Scharia-Polizei „fast einen Herzinfarkt bekommen“ hätte. Sven Lau musste sie beruhigen und ihr versprechen, dass weitere Aktivitäten dieser Art nicht beabsichtigt seien. In den insgesamt vier Gesprächen ging es aber auch um die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS). Lau distanzierte sich auffällig deutlich vom IS und betonte gegenüber seiner Ex-Frau, dass er selbst „keine Leute für Syrien suche“.

Ob seinen Darstellungen am Telefon jedoch Beweiskraft eingeräumt wird, bleibt abzuwarten. Laus Telefon wurde bereits 2011 abgehört, nachdem er in Verdacht geriet, einen Brand in der Mönchengladbacher Salafisten-Moschee selber gelegt zu haben. Die mithörenden Ermittler mussten jedoch schnell feststellen, dass ihm die Abhörmaßnahme bewusst war und Lau deshalb Aussagen vermied, die ihn hätten belasten können. Und dass gegen ihn wegen seiner Verstrickungen in den syrischen Bürgerkrieg ermittelt wird, dürfte ihm spätestens seit seiner ersten Verhaftung im Februar 2014 bewusst gewesen sein. Damit liegt die Vermutung nahe, dass Sven Lau im September 2014 nicht nur eine ihm noch immer verbundene Ex-Frau beruhigen, sondern auch gleichzeitig mithörende Ermittler in die Irre führen wollte.

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Über den Autor

Peter Hemmelrath

Herausgeber von NRW.direkt seit Dezember 2015.