Düsseldorf Wirtschaft und Verkehr

Letzte Hoffnung Einstellung des Flugbetriebs?

Düsseldorf. Der Gläubigerausschuss von Air Berlin verhandelt nur noch mit Lufthansa und Easyjet. Das dürfte den Wünschen der Bundesregierung entsprechen. Aber wenn der insolventen Air Berlin trotz Staatshilfe vorzeitig das Geld ausgeht, wäre der Traum vom „nationalen Champion“ geplatzt und der Wettbewerb wiederhergestellt.

Als Air Berlin am späten Donnerstagabend in einer Börsen-Pflichtmeldung mitgeteilt hat, „dass mit Blick auf die Veräußerung der Lufttransport-Bereiche bis zum 12. Oktober mit einem ausgewählten Bieterkreis weiter verhandelt werden soll“ und dieser nur noch den Lufthansa-Konzern und die britische Billigfluglinie Easyjet umfasse, dürfte niemand überrascht gewesen sein. Bereits vor Wochen hatten Mitglieder der Bundesregierung mehrfach offen den Wunsch geäußert, dass der Lufthansa-Konzern große Teile der insolventen Air Berlin übernehmen soll und sich damit über die Warnungen von Kartellrechtlern vor höheren Preisen hinweggesetzt. Begründet wurde die Haltung der Regierung mit dem Wunsch nach einem „nationalen Champion“.

Und nur einen Tag zuvor wurde durch eine Veröffentlichung der Süddeutschen Zeitung bekannt, dass sich die Bundesregierung, Air Berlin und die Lufthansa bereits Tage vor der Insolvenz abgesprochen haben sollen. Spätestens damit war Ryanair-Chef Michael O’Leary eindrucksvoll bestätigt, der das Verfahren bereits am Tag der Insolvenz von Air Berlin als „abgekartetes Spiel“ von Bundesregierung und Lufthansa bezeichnet hatte.

Easyjet als „Feigenblatt“ für die Kartellbehörden?

Dass Easyjet noch zum Bieterkreis gehört, mag auf den ersten Blick verwundern. Tatsächlich aber liegt es im Interesse der Lufthansa: Eine vollständige Übernahme der Kurz- und Mittelstrecken von Air Berlin durch zum Lufthansa-Konzern gehörende Airlines hätte nicht nur innerdeutsch ein Monopol zur Folge. Da auch Austrian Airlines sowie Swiss zum Lufthansa-Konzern gehören, hätte dieser damit im ganzen deutschsprachigen Raum eine Monopolstellung. Dass eine solche Übernahme weder von den deutschen Kartellbehörden noch von der EU-Kommission genehmigt werden würde, weiß auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Also brauchen Lufthansa und Bundesregierung für die Strecken zwischen Städten wie Berlin, Düsseldorf, München, Wien und Zürich ein „Feigenblatt“, das die Kartellbehörden und die EU-Kommission milde stimmt. Und als Rivale des Lufthansa-Konkurrenten Ryanair ist Easyjet für diese Rolle ideal.

Wettbewerb oder „nationaler Champion“?

Aber auch wenn Easyjet als kartellrechtliches Alibi in Berlin und Düsseldorf einige Streckenrechte bekommen würde, so rückt mit der Entscheidung vom Donnerstag eine monopolähnliche Stellung des Lufthansa-Konzerns im Binnenverkehr des deutschsprachigen Raumes immer näher. Ein Szenario allerdings könnte den gemeinsamen Traum von Bundesregierung und Lufthansa-Aktionären in letzter Minuten noch platzen lassen: Falls Air Berlin trotz Staatshilfe das Geld vorzeitig ausgeht und die Airline ihren Flugbetrieb plötzlich einstellen muss, würden sämtliche bislang von ihr genutzten Slots sofort an die zuständige Vergabebehörde zurückgehen. Und die muss bei der Neuvergabe gemäß einer EU-Richtlinie neue oder bislang an dem jeweiligen Flughafen nur geringfügig vertretene Wettbewerber bevorzugen.

Da die zum Lufthansa-Konzern gehörenden Fluglinien in Düsseldorf bereits den größten Marktanteil haben, würden diese dabei also nicht allzu viele Slots bekommen. Für Fluggäste mit bestehenden Buchungen wäre eine vorzeitige Einstellung des Flugbetriebs von Air Berlin natürlich ein großes Ärgernis. Für den Wettbewerb und damit auch für den Luftverkehrs-Standort Düsseldorf aber wäre es die beste aller Lösungen.

Bild: NRW.direkt

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