Düsseldorf Wirtschaft und Verkehr

Letzter Lufthansa-Langstreckenflug von Düsseldorf

Düsseldorf. Mit Flug LH 408 nach Newark bei New York hob am Freitag der letzte Langstreckenflug der Lufthansa ab. Fortgeführt wird die Verbindung ab Samstag von der Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Damit geht aber auch eine Ära zu Ende. Ein Rückblick auf 63 wechselvolle Jahre der Lufthansa-Langstrecke in der Landeshauptstadt.

Als Flug LH 408 am Freitag um 12 Uhr 27 von Düsseldorf nach Newark im US-Bundesstaat New Jersey abhob, ging damit in Düsseldorf auch die Ära der Lufthansa-Langstreckenflüge zu Ende. Kurz zuvor war der Airbus A.330-300 mit der Kennung D-AIKB und dem Kranich am Leitwerk von der Flughafen-Feuerwehr mit einer Wasser-Fontäne verabschiedet worden.

Begonnen hatte diese Ära vor mehr als 63 Jahren: Im Mai 1955 erlangte Deutschland seine Lufthoheit zurück. Damit konnte die Nachkriegs-Lufthansa, die einen Monat zuvor ihren Flugbetrieb aufgenommen hatte, auch internationale Ziele anfliegen. Bereits am 8. Juni 1955 startete der erste Flug über den Atlantik. Der führte von Hamburg und Düsseldorf nach New York-Idlewild, dem heutigen Kennedy-Airport.

Mit zwei Tank-Stopps über den Atlantik

Geflogen wurde mit einer Lockheed L-1049G „Super Constellation“, Kapitän des Eröffnungsfluges war der US-Amerikaner Eddie Wells. Die Gesamtflugzeit betrug rund 17 Stunden, ohne Zwischenlandungen zum Auftanken im irischen Shannon sowie in Gander in Neufundland war der Sprung über den Atlantik für die „Super Connie“ nicht zu schaffen.

„Im Duty Free in Shannon gab es übrigens ganz erlesene Spezialitäten und leckerste Pralinen, von denen wir im Nachkriegsdeutschland nur träumen konnten“, erinnerte sich die Stewardess Margot Rohde später an den Erstflug. Und der war eher wohlbetuchten Fluggästen vorbehalten, denn bereits der einfache Flug in der Touristenklasse kostete rund 1.500 Mark.

In zwei Tagen nach Bangkok oder Rio

Im Jahr darauf wurden die Langstreckendienste ausgebaut; am 15. August 1956 eröffnete die Nachkriegs-Lufthansa auf der Strecke Hamburg-Düsseldorf-Frankfurt-Paris-Dakar-Rio de Janeiro ihren ersten Südamerikadienst. Die Verbindung wurde zwei Mal in der Woche beflogen, die reine Flugzeit betrug laut Flugplan rund 22,5 Stunden.

Am 1. September 1959 folgte mit dem ersten Flug auf der Route Hamburg-Düsseldorf-Frankfurt-Rom-Kairo-Karachi-Kalkutta-Bangkok auch die erste Verbindung nach Asien. Auch diese Strecken wurden mit den viermotorigen „Super Connies“ beflogen. Dass der Erstflug nach Bangkok erst zwei Kalendertage später dort ankam, lässt erahnen, wie lange die Fluggäste damals auf Verbindungen in der Luft waren, die heute nur noch nonstop zurückgelegt werden.

Jet-Verkehr bringt Düsseldorf zunächst ins Abseits

Aber nur kurz darauf begann der Jet-Luftverkehr, womit die Landeshauptstadt jedoch schnell ins Abseits geriet: Mit der Einführung der Boeing 707 starteten die Langstreckenflüge der Lufthansa nicht mehr in Hamburg. Stattdessen wurde Frankfurt zum Drehkreuz der Kranich-Linie, womit auch die Zwischenlandungen in Düsseldorf entfielen. Nur die damalige Pan American blieb Düsseldorf bis weit in die siebziger Jahre treu, legte aber mit ihren Boeings auf dem Weg nach New York zumeist eine Zwischenlandung in London-Heathrow ein.

Die Lufthansa aber entschied 1970, ihren mit einer Boeing 707 durchgeführten Flug LH 408 zum New Yorker Kennedy-Flughafen nicht in Düsseldorf, sondern in Köln/Bonn starten zu lassen. Die Hintergründe dieser Entscheidung waren politischer Art: Damals war die Lufthansa noch ein Staatsunternehmen und Bonn die Bundeshauptstadt. Und die sollte aus Prestige-Gründen mit den USA verbunden sein.

In den 80er-Jahren geht’s mit Großraumjets weiter

Aber das politische Denken rechnete sich nicht: Anfang der achtziger Jahre startete LH 408 endlich in Düsseldorf. Mit der DC-10-30 kam dabei auch erstmals ein Großraumjet zum Einsatz. Mit dem Ruhrgebiet als Einzugsgebiet rechnete sich der Flug offenbar deutlich besser als mit ein paar politischen Beamten an Bord, denn gelegentlich kam auf der Strecke nach New York sogar ein „Jumbo Jet“ B-747-200 zum Einsatz. Später eröffnete die Lufthansa auch eine Nonstop-Verbindung von Düsseldorf nach Miami in Florida. Mit einer Zwischenlandung in Anchorage in Alaska ging es mit der B-747-200 kurzzeitig auch in die japanische Hauptstadt Tokio.

In den neunziger Jahren wurde das Fluggerät erneut umgestellt; nun kam nach New York der gerade eingeflottete Airbus A.340 zum Einsatz. Auch führte LH 408 nicht mehr zum Kennedy-Flughafen im New Yorker Bezirk Queens, sondern nach Newark im benachbarten New Jersey. Aber die traditionsreichen Flugnummern LH 408 und 409 blieben weiter erhalten.

Neuer Rückschlag durch 9/11-Anschläge

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 aber blieb auch LH 408 am Boden. Die Nachfrage nach Flügen über den Atlantik war dramatisch zurückgegangen: United und die damalige Continental Airlines verabschiedeten sich ganz aus Düsseldorf. Und auch Lufthansa sowie die damalige LTU sahen keinen Sinn mehr in USA-Flügen ab Düsseldorf.

Das führte jedoch schnell zu Unzufriedenheit bei vielen Wirtschaftsunternehmen, die die Wiederaufnahme von Direktflügen aus der Landeshauptstadt in die USA forderten. Die Lufthansa kam diesen Wünschen zwar nach, blieb aber vorsichtig: Als LH 408 2002 wieder im Flugplan auftauchte, kam dabei nur eine in der Schweiz gecharterte und zum Business-Jet umgebaute Boeing 737-700 zum Einsatz. Die hatte aber auch nur 48 Business-Class-Plätze – und mit Ticketpreisen ab 2.880 Euro für den Hin- und Rückflug war dieser Flug für die große Mehrheit der USA-Reisenden uninteressant.

Kurzzeitige Renaissance der Lufthansa-Langstrecke

Erst als LTU und später Air Berlin ihre Flugzeuge von Düsseldorf nach New York wieder füllen konnten, änderte auch die Lufthansa ihre Haltung: Ab 2008 kamen bei LH 408 wieder Airbus-Großraumjets vom Typ A.330 und A.340 in Drei-Klassen-Konfiguration zum Einsatz. Gleichzeitig wurde die Verbindung nach Miami wieder aufgenommen. Hinzu kamen Nonstop-Flüge nach Chicago in Illinois und Toronto in Kanada. Kurzzeitig war auch ein Nonstop-Flug nach Tokio im Gespräch. Damit erlebte Düsseldorf eine unerwartete Renaissance der Lufthansa-Langstrecken.

Die aber nicht lange währte: Die Flüge nach Chicago, Miami und Toronto wurden bereits nach mehreren Jahren wieder eingestellt. Die Linie nach Tokio wurde nie aufgenommen und stattdessen der japanischen Partner-Airline All Nippon Airways überlassen. Später entschied der inzwischen privatisierte Lufthansa-Konzern, Düsseldorf zum neuen Heimatflughafen seiner Billig-Tochter Eurowings zu machen.

Fest in der Hand einer Billig-Airline

Anfang 2015 wurde die Entscheidung umgesetzt, womit sich der Kranich fast vollständig aus der Landeshauptstadt zurückzog. Lediglich die Flüge zu den Hubs Frankfurt und München sowie LH 408 nach Newark blieben im Flugplan. Air Berlin versuchte die Lücke zu nutzen, indem es Düsseldorf zum Drehkreuz machte und massiv in Richtung USA expandierte – was aber im Sommer 2017 in der Insolvenz der beliebten Airline endete. Damit war Düsseldorf fest in der Hand von Eurowings.

Und damit war es auch nur eine Frage der Zeit, bis LH 408 ebenfalls eingestellt und an Eurowings übergeben wird. Bereits am Samstag hebt Flug EW 1112 nach Newark ab. Bemalt ist der Airbus A.330 zwar in den grellen Farben von Eurowings, aber die Kennung OO-SFJ lässt erkennen, dass das Flugzeug von der ebenfalls zum Lufthansa-Konzern gehörenden Brussels Airlines betrieben wird.

Auch das gehört zum Konzept von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, für den Tradition nichts, aber Rendite alles ist. Und damit geht nach den Pleiten von LTU und Air Berlin am Flughafen Düsseldorf innerhalb weniger Jahre zum dritten Mal eine Ära zu Ende. Gleichzeitig aber hat eine Ära begonnen, bei der der an Selbstbewusstsein nicht gerade arme Düsseldorfer stets gedacht hatte, sie hätte mit seinem Flughafen und seiner Stadt nichts zu tun – nämlich die der Billigflieger.

Bild: Ein Airbus A.330 der Lufthansa startet nach Newark. Bildrechte: NRW.direkt

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