Panorama

Lohnt sich der „Five Guys“-Burger?

Essen. Kaum hatten die ersten Filialen von „Five Guys“ in Deutschland eröffnet, wurde im Netz heftig darüber diskutiert. Die einen waren von den Burgern begeistert, die anderen schimpften über die Preise. Lohnt sich der Gang zu der neuen US-Restaurantkette?

Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen an einem Samstagnachmittag: Bei „Five Guys“ ist es voll, aus den Lautsprechern dröhnt AC/DC und nicht wenige Gäste warten darauf, ihre Bestellung abzugeben. In den USA wurde das Unternehmen 2012 vom Magazin Forbes als schnellstwachsende Restaurantkette eingestuft. Gegründet wurde die Kette 1986 in Virginia von Janie und Jerry Murrell. Die vier Söhne des Ehepaares bildeten zusammen mit ihrem Vater die Original-„Five Guys“. Später kam noch ein fünfter Sohn hinzu, der Name der Restaurantkette aber blieb.

Um sich von seinen Mitbewerbern abzugrenzen, betont das Unternehmen die frische und handgemachte Zubereitung der Speisen. So werden etwa die Kartoffeln für die – in Erdnussöl frittierten – Pommes vor Ort geschnitten. Auch eine offene Küche gehört zur Gestaltung der Filialen. Weltweit betreibt „Five Guys“ fast 1.500. Zwei davon wurden im Dezember in Essen und Frankfurt eröffnet. Weitere sollen unter anderem in Düsseldorf und Köln folgen.

Aber kaum waren die ersten beiden deutschen Filialen eröffnet, gab es heiße Diskussionen im Internet. Fast niemand hatte keine Meinung dazu; entweder ergingen sich die Nutzer in Begeisterung für die „Five Guys“-Burger – oder sie schimpften über deren Preise. Und die sind tatsächlich nicht klein: Mit 5,95 Euro ist der „Little Hamburger“ mit nur einer Scheibe Fleisch der günstigste Burger. Lediglich das „Veggie Sandwich“ sowie das mit gegrilltem Käse sind mit 4,75 Euro günstiger. Aber wer geht schon in ein Burger-Lokal, um ein vegetarisches Sandwich zu essen?

„Build Your Own Burger“

Das Angebot an Burgern und Hot Dogs wirkt auf den ersten Blick einfach: Der Gast hat die Auswahl zwischen einem Burger mit einer oder zwei Scheiben Fleisch, mit oder ohne Speck sowie mit oder ohne Käse. Ähnliches gilt für die Hot Dogs, bei denen der Kunde entscheiden muss, ob Speck oder Käse oder gar beides gewünscht sind. Dann aber können Burger oder Hot Dogs mit insgesamt 15 im Preis inbegriffenen Belägen individualisiert werden – ein in den USA unter dem Slogan „Build Your Own Burger“ bekanntes Konzept.

„Also wenn, dann richtig“, denkt sich der Autor und bestellt den Bacon-Cheeseburger für 9,95 Euro mit Salat, Tomaten, gegrillten Zwiebeln, Gurken, Jalapenos, BBQ-Sauce, Ketchup und Mayonnaise. Dazu Fries „Cajun Style“, die kleine Portion für 3,25 Euro. Bei Preisen bis 5,75 Euro für die große Portion soll die Rechnung zumindest nicht völlig aus dem Ruder laufen.

Getränke? Klar, zum Burger gehört eine Cola. Aber das sieht der Autor bei einem Preis von 3,25 Euro nicht mehr ein. Auch das aus den USA übernommene Angebot des „Refills“, bei dem der Kunde einmal bezahlt und dann so viel trinken kann, wie er will, überzeugt ihn nicht: Wer bleibt schon stundenlang in einem lauten Schnellrestaurant, um literweise Softdrinks zu trinken? Der normale Gast will nur eine einzige Cola zu seinem Burger – und dafür sind 3,25 Euro nicht akzeptabel. Womit der Milchshake für 5,95 Euro schon mal gar nicht zur Debatte steht. Allenfalls das Wasser für 2,50 Euro – nur passt das nicht zum Burger. Die Verkäuferin guckt erstaunt, als der Autor sagt, dass er nichts trinken will – sagt aber nichts.

Beim Warten gibt’s Erdnüsse

Nach der Bestellung muss der Kunde mit einer Nummer in der Hand an der Ausgabestelle warten. Dabei kann er sehen, wie die Mitarbeiter von „Five Guys“ die Burger braten und belegen. Gleichzeitig ist er aber auch an der lautesten Stelle des Lokals angekommen: Um trotz der Musikbeschallung noch verstanden zu werden, müssen die Mitarbeiter aus Leibeskräften schreien, wenn sie die Nummern der fertigen Bestellungen ausrufen. Wer’s mag oder großen Hunger hat, kann sich bei den Erdnüssen bedienen, die in großer Menge ausliegen. Ebenso wie Ketchup und Mayonnaise für die Pommes sind die Nüsse kostenlos. Gegen den Lärm aber hilft das nicht; das Warten ist wenig angenehm. Glücklicherweise sind Bacon-Cheeseburger und „Cajun Fries“ bereits nach sechs Minuten fertig. Die Mahlzeit wird in einer Tüte gereicht, Tabletts gibt es bei „Five Guys“ nicht.

Der Autor findet ein kleines Tischchen für zwei Personen im hinteren Teil des Lokals. Der lauten Musik kann er zwar auch dort nicht entgehen, aber insgesamt ist es dort deutlich ruhiger als im vorderen Teil des Lokals. Sofort der neugierige Blick in die Tüte: Die Pommes sind zum Teil in einem Becher, zum Teil in der Tüte. Das gehört zum Konzept von „Five Guys“, wo neben dem Becher mit den Pommes noch eine weitere Schüppe davon in die Tüte kommt. Der Burger ist mit Alu-Folie umwickelt.

Fast ein perfekter Burger

Die „Cajun Fries“ stellen sich als angenehm scharf heraus, könnten aber etwas knuspriger sein. Dafür kommt gleich beim ersten Biss in den Burger Zufriedenheit auf; die beiden Scheiben Fleisch sind auf den Punkt genau durchgebraten, der Speck, bei dem nicht gespart wurde, ist knusprig. Die Jalapenos sorgen auch hier für eine angenehme Schärfe. Dass als Käse nur Cheddar genommen wurde verwundert, mindert aber nicht das Geschmackserlebnis. Eigentlich ein perfekter Burger, wäre da nicht eine winzige Kleinigkeit: Mit den Händen kann man den größten Burger von „Five Guys“ nicht essen, weil alles sofort zur Seite flutscht.

Bleibt die im Internet heiß diskutierte Frage, ob es Sinn macht, so viel für einen Burger in einem Schnellrestaurant zu bezahlen? Für den, der demnächst in die USA fliegt, wohl eher nicht: Dort gibt es nahezu überall ein Diner, wo man für weniger Geld einen genauso umfangreichen und frisch zubereiteten Burger bekommt. Und zwar inklusive Fritten, mit Besteck, darunter nicht selten einem Fleischmesser, und von einer Kellnerin in ruhiger Atmosphäre serviert.

In Deutschland aber sieht die Burger-Welt anders aus; hier gibt es traditionell nur die Wahl zwischen den billigen, aber industriell vorgefertigten Produkten allseits bekannter Ketten. Und hochpreisigen Edel-Burgern, deren vielfältiger Schnickschnack jedoch oftmals mehr Event-Charakter hat. Kurz: Über die Preise von „Five Guys“ kann man geteilter Meinung sein. Aber wer weder einen industriell vorgefertigten Burger herunterwürgen noch seinen Wunsch nach einem ordentlich belegten und frisch zubereiteten Burger als Event verstanden wissen will, der kommt an „Five Guys“ kaum vorbei.

Bild: NRW.direkt

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