Wirtschaft und Verkehr

Lufthansa greift auch nach NIKI

Düsseldorf. Offenbar greift die Lufthansa auch nach der Air-Berlin-Touristiktochter NIKI. Gleichzeitig bestreitet der vom Lufthansa-Konzern gekommene Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, dass die Zerschlagung der insolventen Fluglinie ein mit seinem Ex-Arbeitgeber abgesprochenes Komplott sei. Dient die britische Billigfluglinie Easyjet dabei als Beruhigungspille für Öffentlichkeit sowie Kartellbehörden?

Die Gläubigerausschüsse von Air Berlin sind am Mittwoch zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammengekommen. Dabei wurden die weitere Betriebsfortführung sowie die Weiterführung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung einstimmig beschlossen. Kurz vor dem Zusammentreffen hieß es laut Medienberichten aus Lufthansa-Kreisen, dass die größte deutsche Fluggesellschaft für die Air-Berlin-Touristiktochter NIKI sowie weitere Unternehmensteile, nicht aber für das ganze Unternehmen bieten wolle.

Nach den Vorstellungen von Deutschlands größter Fluggesellschaft soll NIKI in der zum Lufthansa-Konzern gehörenden Eurowings aufgehen. Als weitere Interessenten gelten die britische Billigfluglinie Easyjet sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor. Wie siegessicher die Lufthansa aber inzwischen ist, zum Hauptprofiteur der Zerschlagung von Air Berlin zu werden, zeigten am Mittwochabend im Internet von Eurowings veröffentlichte Stellenausschreibungen für Airbus-Piloten und Kabinenpersonal.

Drehbuch von oder für Lufthansa geschrieben?

Übernahmeangeboten für Air Berlin als Ganzes, wie sie etwa von dem Nürnberger Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl oder der irischen Billigfluglinie Ryanair ins Spiel gebracht wurden, werden nur noch geringe Chancen eingeräumt. Eine Komplettübernahme von Air Berlin durch einen Konkurrenten der Lufthansa wäre nicht in deren Interesse. Dabei steht die Bundesregierung hinter dem ehemaligen Staatsunternehmen: Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich in den letzten Tagen mehrfach und übereinstimmend für eine Übernahme großer Teile der insolventen Airline durch die Lufthansa ausgesprochen.

Hinzu kommt, dass Air Berlin seit Februar mit Thomas Winkelmann von einem Manager geführt wird, der davor mehr als 18 Jahre für den Lufthansa-Konzern tätig war. „Herr Winkelmann vertritt offensichtlich nach wie vor die Interessen seines früheren Arbeitgebers“, sagte Hans Rudolf Wöhrl am Dienstag in einem Interview des Tagesspiegels. Ryanair-Chef Michael O’Leary äußerte sich ähnlich und bezeichnete die Zerschlagung von Air Berlin als „abgekartetes Spiel“ zugunsten der Lufthansa.

Easyjet als Beruhigungspille für Öffentlichkeit und Kartellbehörden?

Neben dem Interesse an NIKI, die gegenwärtig die drittgrößte Fluggesellschaft in Düsseldorf ist, gilt die Lufthansa auch als einziger Interessent der Nordatlantik-Strecken von Air Berlin. Die auf diesen Strecken eingesetzten Airbus A.330 würden in die Flotte und zum Konzept der Lufthansa-Tochter Eurowings passen.

Dass neben Lufthansa für die Air-Berlin-Strecken von und nach Düsseldorf auch immer wieder die britische Billigfluglinie Easyjet ins Spiel gebracht wird, könnte darin begründet sein, dass Öffentlichkeit sowie Kartellbehörden beruhigt werden sollen, um einer Teilübernahme durch die Lufthansa schneller zuzustimmen. Eine vollständige Übernahme aller bislang von Air Berlin bedienten Strecken ab Düsseldorf durch zum Lufthansa-Konzern gehörende Fluglinien gilt kartellrechtlich als aussichtslos. Im Gegensatz zu Ryanair hat Easyjet nie die direkte Konkurrenz zum Lufthansa-Konzern gesucht.

Winkelmann bestreitet Komplott

In einem Interview der Rheinischen Post bezeichnete Thomas Winkelmann am Mittwoch Düsseldorf als „das Kronjuwel von Air Berlin“. Die Sorgen vor einem Monopol der Lufthansa versuchte er zu zerstreuen: „Aber an den Aufbau eines neuen Monopols denkt hier keiner. Die Zeiten von Monopolen sind überall vorbei.“ Vorwürfe, die schnelle Zerschlagung von Air Berlin sei ein mit seinem früheren Arbeitgeber abgesprochenes Komplott, bezeichnete er als „Unsinn“.

Seinen Wechsel vom Lufthansa-Konzern zu Air Berlin erklärte er damit, dass ihm Ende 2016 von dessen Großaktionär Etihad Airways ein Vierjahresvertrag geboten wurde. Dies habe er als „Bekenntnis zu einer langfristigen Strategie nach mehreren Führungswechseln“ verstanden und unterschrieben. Das aber war zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die einstigen Konkurrenten Lufthansa und Etihad Airways bereits geschäftlich angenähert hatten. Winkelmanns Gehalt wurde dabei durch eine Bankbürgschaft in Höhe von 4,5 Millionen Euro gegen eine mögliche Pleite von Air Berlin abgesichert.

Bild: Airbus von NIKI in Düsseldorf. Bildrechte: NRW.direkt

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