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Marco G. verzichtet auf letztes Wort

Düsseldorf/Bonn. Marco G. verzichtete beim Salafisten-Prozess auf das letzte Wort. Lediglich Koray D. nutzte die Gelegenheit, um den Ermittlern vorzuwerfen, sie hätten „Phantom-Taten erfunden“. Eine Aussage des Richters sorgte für Verwirrung.

Marco G. wird nach der kurzen Sitzung wieder in die Haftanstalt geflogen (Bild: NRW.direkt)

Mit Spannung wurde am Montag im Hochsicherheits-Gerichtssaal des Düsseldorfer Oberlandesgerichts das letzte Wort von Marco René G. erwartet. Der zum Islam konvertierte Marco G. ist angeklagt, am 10. Dezember 2012 versucht zu haben, auf dem Bahnsteig 1 des Bonner Hauptbahnhofs eine selbstgebaute Rohrbombe zur Explosion zu bringen, um damit möglichst viele Menschen zu töten. Der heute 30-Jährige hatte bereits zwei Jahre zuvor in einer E-Mail angekündigt, dass „die Ungläubigen Blut weinen werden“. Außerdem soll er zusammen mit seinen drei Mitangeklagten Enea B., Koray D. und Tayfun S. einen Mordanschlag auf Markus Beisicht geplant haben. Beisicht ist Vorsitzender der wegen ihrer islamkritischen Grundhaltung vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Partei Pro NRW. Das Attentat auf ihn scheiterte, die vier Salafisten wurden am 13. März 2013 verhaftet.

In dem inzwischen mehr als 30 Monate andauernden Prozess hatte sich Marco G. wiederholt als glühender Islamist präsentiert, unter anderem hatte er in Briefen aus der Haft Terror-Anschläge bejubelt. Die Bundesanwaltschaft forderte für ihn lebenslange Haft sowie die Feststellung der besonderen Schwere seiner Schuld. Seine Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Zu deren Erleichterung verzichtete Marco G. am Montag auf das letzte Wort. Auch Tayfun S. schüttelte nur den Kopf. Enea B. beschränkte sich auf eine wegwerfende Handbewegung.

„Lächerliche Vorwürfe“

Lediglich Koray D. nutzte sein letztes Wort, um den Ermittlern fast zehn Minuten lang schwere Vorwürfe zu machen. Deren Vorwürfe seien „lächerlich“ und „kafkaesk“, es seien „Phantom-Taten behauptet und erfunden worden, damit es interessant wird“. Der 28-jährige Deutsch-Türke sagte, er fühle sich „hinter der Scheibe wie ein Zuschauer im falschen Film“. Er sei überrascht gewesen, Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein, von der er selbst gar nichts wusste. „Was ist denn passiert? Im Grunde nichts.“ Dem Gericht warf er Voreingenommenheit vor, es werde „aburteilen, was die Bundesanwaltschaft vorgekaut hatte“. Die hatte für Koray D. 13 Jahre Haft gefordert. Seine Anwälte hatten auf Freispruch plädiert.

Für Verwirrung sorgte der Vorsitzende Richter Frank Schreiber mit seiner Aussage, dass Gericht werde sich jetzt beraten und am nächsten Montag eine Entscheidung verkünden. Teilweise wurde das so verstanden, dass Schreiber damit bereits das Urteil für die nächste Woche angekündigt hat.

Wahrscheinlicher ist aber, dass damit eine Entscheidung über mehrere von den Verteidigern bei ihren Plädoyers gestellte Hilfsbeweisanträge gemeint war. Damit ist selbst eine Wiederaufnahme der Beweisaufnahme nicht völlig ausgeschlossen. Eine Nachfrage beim Gericht, was mit dieser Ankündigung tatsächlich gemeint war, brachte bislang keine Klärung.

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