Politik

„Merkel hat ein Monopol geschaffen“

Düsseldorf. Seit Donnerstag ist offiziell, dass sich der Lufthansa-Konzern die insolvente Air Berlin fast vollständig einverleiben wird. Der österreichische Luftfahrtunternehmer Niki Lauda warf CDU-Kanzlerin Merkel daraufhin vor, ein Monopol geschaffen zu haben. In der Landeshauptstadt habe der Lufthansa-Konzern bereits 90 Prozent aller Slots, warnte Lauda in einem Interview.

Air Berlin hat sich mit dem Lufthansa-Konzern über den Verkauf von großen Teilen des Unternehmens geeinigt. Der Lufthansa-Konzern wird die Air Berlin-Tochtergesellschaften Luftverkehrsgesellschaft Walter (LGW), die österreichische Ferienfluggesellschaft NIKI sowie 20 weitere Flugzeuge übernehmen. Das teilte die insolvente Fluggesellschaft am Donnerstag mit.

„Den heutigen Verhandlungsstand konnten wir nur mit der schnellen Überbrückungshilfe der Bundesregierung erreichen. Andernfalls hätten wir am Wochenende 12. und 13. August die Flotte grounden müssen“, sagte Thomas Winkelmann. Nachdem er mehr als 18 Jahre für den Lufthansa-Konzern tätig war, wurde Winkelmann im Februar Vorstandschef von Air Berlin. Kritiker werfen dem Manager vor, bei den Verhandlungen zwischen Lufthansa und Air Berlin die Interessen seines früheren Arbeitgebers vertreten zu haben.

„Monopol entsteht, Tickets werden teurer“

Kurz nachdem bekannt wurde, dass die Übernahme von Air Berlin durch den Lufthansa-Konzern offiziell ist, warf der österreichische Luftfahrtunternehmer Niki Lauda der Bundesregierung in einem Interview des Deutschlandfunk vor, sie habe mit dem Überbrückungskredit an Air Berlin verhindert, dass die insolvente Fluglinie regulär in Konkurs geht. „Die Frau Merkel hat übersehen, dass sie nachher ein Monopol geschaffen hat, in einer Art und Weise, was es in Europa noch nie gegeben hat“, sagte Lauda wörtlich.

In dem Interview ging Niki Lauda auch auf die neue Situation in der Landeshauptstadt ein: „Es ist mittlerweile so, dass in Düsseldorf 90 Prozent aller Slots jetzt in Lufthansa-Hand sind. Das heißt, es kann kein Konkurrent dort mehr hineinfliegen, nur mehr die Lufthansa mit ihrer Eurowings-Gruppe. Das heißt: Monopol entsteht, Tickets werden teurer.“

Hat Merkel den Staatskredit unehrlich begründet?

Bei einem regulären Konkurs hätten die bislang von Air Berlin genutzten Start- und Landerechte neu vergeben werden müssen. Dabei hätten gemäß einer EU-Richtlinie neue und bislang nur schwach im Markt vertretene Wettbewerber berücksichtigt werden müssen.

Die CDU-Kanzlerin hatte den Kredit damit begründet, die Bundesregierung dürfe „zehntausende Reisende nicht im Stich lassen“. Tatsächlich aber tritt genau dieser Fall jetzt ein, denn bei allen vor der Insolvenz am 15. August gebuchten Tickets dürften Kunden von Air Berlin mit der noch für diesen Monat angekündigten Einstellung des Flugbetriebs weder Anspruch auf Beförderung noch auf Erstattung haben.

Bild: Ein bereits in den Farben der Lufthansa-Tochter Eurowings lackiertes Flugzeug von Air Berlin. Bildrechte: NRW.direkt

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