Düsseldorf Politik

Missbrauch von Widerstandskämpfern?

Düsseldorf. Im Vorfeld des AfD-Kreisparteitages protestieren linke Gruppierungen dagegen, dass dieser in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums stattfindet. Der JA-Landesvorsitzende Sven Tritschler bezeichnete Hans und Sophie Scholl als „leuchtende Beispiele für die deutsche Jugend“ und warf den Linken „historische Leichenschändung“ vor.

Hans und Sophie Scholl gelten seit der Nachkriegszeit als bedeutende Symbolgestalten eines an humanistischen Werten orientierten Widerstands innerhalb Deutschlands gegen das totalitäre Regime des NS-Regimes. Beide waren als Mitglieder der Weißen Rose aktiv, einer stark christlich motivierten Gruppe von Münchner Studenten, die während des Zweiten Weltkriegs im Widerstand gegen den nationalen Sozialismus aktiv war. Am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl beim Auslegen von Flugblättern an der Münchner Universität von deren Hausmeister Jakob Schmid überrascht und bei der Gestapo denunziert.

Bereits vier Tage später wurden sie vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz des aus Berlin angereisten Roland Freisler zum Tod verurteilt und noch am selben Tag im Gefängnis München-Stadelheim mit der Guillotine enthauptet. Schmid, der seit 1933 SA-Mitglied und seit 1937 NSDAP-Mitglied war, wurde von Gauleiter Paul Giesler mit 3.000 Reichmark belohnt und zum Truppenführer ehrenhalber ernannt. Im Juni 1946 wurde er zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. In zwei Gnadengesuchen gab er später an, lediglich seine „Pflicht getan“ zu haben. 1951 wurde er aus der Haft entlassen.

DSSQ weiß, was die Geschwister Scholl gewollt hätten

Zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer ist im Düsseldorfer Stadtteil Bilk ein Gymnasium nach dem Geschwisterpaar benannt. Nahezu alle im Rat der Stadt vertretenen Parteien haben die Aula des Gymnasiums in der Vergangenheit für Veranstaltungen genutzt. Dass aber auch die zuwanderungskritische AfD von dieser Möglichkeit Gebrauch macht und dort am Sonntag ihren Kreisparteitag abhält, sorgt bereits im Vorfeld für Proteste linker Gruppierungen.

Dabei haben diese auch keine Hemmungen, den 1943 hingerichteten Widerstandskämpfern rückwirkend eine Haltung zu heutigen Parteien zu unterstellen: „Die Frage, die wir uns als Düsseldorferinnen und Düsseldorfer stellen sollten, ist, was hätten Hans und Sophie Scholl gemacht? Was müssen wir tun? Dürfen solche Veranstaltungen einfach so stattfinden?“, fragte Oliver Ongaro, Sprecher des Bündnisses Düsseldorf stellt sich quer (DSSQ). Christian Jäger, ebenfalls DSSQ-Sprecher, nahm für sich in Anspruch, das zu wissen: „Das Erbe der Ẃeißen Rose ernst zu nehmen, bedeutet heute Widerstand zu leisten gegen neue rechte Demagogen und gegen menschenverachtendes Gedankengut. Es ist vor diesem Hintergrund äußerst pietätlos, dass eine äußerst rechte Partei im Geschwister-Scholl-Gymnasium tagt.“

„Mit AfD-Anhängern reden? Nö … bekämpfen“

Unterstützung bekommt DSSQ von den zumeist linken Medien der Stadt. So gab etwa ein Stadt-Portal am Mittwoch die Marschrichtung bereits in der Überschrift vor: „Mit AfD-Anhängern reden? Nö … bekämpfen“. In dem dazugehörigen Artikel wurde es als „Skandal“ und „Beleidigung jenes Teils des deutschen Volkes, dem seine Geschichte gegenwärtig ist“ bezeichnet, dass die AfD ihren Kreisparteitag im Geschwister-Scholl-Gymnasium abhalten darf.

Sein eigenes Verhältnis zur deutschen Geschichte offenbarte der Verfasser jedoch nur wenige Absätze später, als er der Stadtverwaltung widersprach, die darauf verwiesen hatte, einer nicht vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Partei die Vermietung der Aula nicht verweigern zu können: „Wirklich nicht? Gab es da keinen Wasserrohrbruch? Keinen Reparatur-Einsatz in der Aula?“

„Selbstgerechte linke Mitläufer“

Als „leuchtende Beispiele für die deutsche Jugend“ bezeichnete der Landesvorsitzende der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA), Sven Tritschler, Hans und Sophie Scholl: „Es wäre bequem gewesen, sich der Masse anzuschließen anstatt Widerstand zu leisten. Doch sie sind ihrem christlich-konservativen Patriotismus treu geblieben und haben gegen Hitler aufbegehrt. Sie zahlten dafür den höchsten Preis.“

Für die Instrumentalisierung der hingerichteten Widerstandskämpfer zeigte Tritschler jedoch kein Verständnis: „Es ist blanker Hohn, wenn heute selbstgerechte linke Mitläufer ihr Erbe für sich beanspruchen, denn es ist ihr undemokratisches und obrigkeitshöriges Denken, dass die Scholls unters Fallbeil gebracht hat. Jede Vereinnahmung der beiden durch linksgrüne Ideologen ist historische Leichenschändung.“ (ph)

Bild: NRW.direkt

Lesen Sie dazu auch den Kommentar „Widerstandskämpfer, die keine sind“

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