Kolumnen Politik

Mit Vollgas gegen den Brückenpfeiler?

CDU, SPD und FDP planen über die „Klimaziele 2050″ bereits einen Teilausstieg bei mit Benzin oder Diesel betriebenen Autos. Den Grünen reicht das noch nicht. Sie fordern einen Komplettausstieg bis 2030. Deutschlandweit sind 600.000 Arbeitsplätze gefährdet. Ist Deutschland damit auf dem Weg ins 19. Jahrhundert? Eine Kolumne von Christian Loose.

Christian Loose

Die Deutschen sind gerne empört über große Konzerne. Und Autokonzerne haben sich bereits mehrfach über Preise abgesprochen und damit ihrem Ruf als Kartell alle Ehre gemacht. 2016 ist das Kartell in der Lkw-Sparte aufgeflogen, jetzt das im Pkw-Bereich. Zudem haben viele Automobilkonzerne bei den Abgaswerten betrogen. Was liegt da also näher, als sich möglichst schnell an diesen bösen Konzernen zu rächen? Diese Methode benutzt die Partei die Grünen bereits seit ihrer Gründung. Direkt nach Fukushima etwa kam die große Empörungswelle zu Kernkraftwerken. Japan war zwar weit weg, hinzu kam, dass die Gefahren überhaupt nicht vergleichbar waren. Aber das Empörungspendel schlug gerade in die richtige Richtung. Nun nutzen die Grünen die Empörungswelle um „Dieselgate“ und den Kartellskandalen, um den Ausstieg vom Verbrennungsmotor zu fordern.

Nun könnte man die Forderung der Grünen sicherlich als Spinnerei belächeln, wenn da nicht die „Klimakanzlerin“ wäre, die bereits – zusammen mit der FDP – den Atomausstieg aus politischen Gründen verkündet hatte. Erste Rufe nach einer schwarz-grünen Koalition auf Bundesebene werden schon in der CDU laut.

600.000 Beschäftigte durch Verbot betroffen

In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen, davon rund 80.000 in Nordrhein-Westfalen, in der Automobilindustrie beschäftigt. Von einem Verbot des Verbrennungsmotors wären laut einer Ifo-Studie mehr als 600.000 Beschäftigte betroffen, die Teile rund um den Verbrennungsmotor fertigen. Das entspricht etwa zehn Prozent aller Industriearbeitsplätze in Deutschland und letztlich sogar 13 Prozent der gesamten Wertschöpfung Deutschlands in Höhe von etwa 48 Milliarden Euro. Damit würde ein Verbot des Verbrennungsmotors die deutsche Industrie dauerhaft extrem schädigen.

Doch nicht erst die Umsetzung ab dem Jahr 2030 würde einen solchen enormen Schaden für die Industrie bedeuten. Allein die Diskussionen über ein Verbot führt dazu, dass deutsche Firmen ihre Produktion frühzeitig ins Ausland verlagern werden.

Standorte für die Automobilfertigung werden in der Regel für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten geplant. Wenn aber bereits absehbar ist, dass in 15 – 25 Jahren keine Produktion von Verbrennungsmotoren in Deutschland mehr stattfinden soll, so wird bereits bei der nächsten größeren Revision in der Chefetage der deutschen Automobilkonzerne über eine Verlagerung ins Ausland nachgedacht werden.

Elektroauto ist rückwärtsgewandte Politik

Als Alternative zu Verbrennungsmotoren gelten Elektroautos. Diese sind jedoch ein Relikt aus der Zeit des 19. Jahrhunderts und wurden nach 1910 durch die Entwicklung des Anlassers, der die Kurbel ersetzt hat, und des billigen Öls schnell von Benzinern verdrängt. Aktuell kommen die Elektroautos nur durch massive Subventionen wieder in Mode. Dabei werden Elektroautos häufig von staatlichen Organisationen gekauft, die durch politische Ziele zu den Käufen gedrängt werden. Da diese Firmen ihre Kosten 1:1 an die Endkunden weitergeben können, zahlt der am Ende die Zeche.

Ein Zurück zu den Elektroautos würde für die Menschheit einen Rückschritt bedeuten. Fahrzeuge mit Reichweiten um 1.000 Kilometer und einer Tankzeit von zwei Minuten sollen ersetzt werden durch Fahrzeuge mit Reichweiten von etwa 300 Kilometer und Ladezeiten von 20 Minuten bis zu 10 oder mehr Stunden. Und das, obwohl diese Autos nach aktuellem Stand selbst bei einem Kleinwagen bereits mehr als 10.000 Euro teurer sind als ein herkömmlicher Benziner.

Netzengpässe vorprogrammiert

Außerdem setzt eine Schnellladezeit von gegenwärtig 20 Minuten voraus, dass auch ein Stromanschluss mit einer Leistung von etwa 350 Kilowatt zur Verfügung steht. Derzeit hat ein Hausanschluss jedoch nur eine Leistung von knapp 30 Kilowatt. Das bedeutet, dass die Netzleistung bei jedem Hausbesitzer oder Mieter mit Stellplatz entsprechend verzehnfacht werden müsste. Denn die derzeitigen Tankstellen für Benzin und Diesel sind nur auf eine Kunden-Verweildauer von etwa zwei Minuten eingestellt und verfügen damit nicht über die Kapazität von Stellplätzen, um Kunden dort 20 Minuten „tanken“ zu lassen.

Da der Zeitpunkt des „Tankens“ der Elektroautos im Vorhinein kaum prognostizierbar ist, würde dies bedeuten, dass das derzeitige Stromnetz gerade im innerstädtischen Bereich massiv ausgebaut werden müsste. Zudem müssten Maßnahmen für die Netzstabilität getroffen werden, das bedeutet nach aktuellem Standard etwa das Vorhalten von fossilen Kraftwerken, um bei Netzspitzen kurzfristig Strom zur Verfügung stellen zu können. Das würde aber gerade die Idee der Abkehr von fossilen Energieerzeugern ad absurdum führen. Werden diese Maßnahmen aber nicht ergriffen, droht ein Netzengpass.

Unanständigkeit der Debatte

Ständige Behauptungen, dass es nur mehr Speicher bedürfe, um die erneuerbaren Energien voranzubringen oder dass Batterien bei Autos in naher Zukunft nur noch ein Bruchteil der heutigen Preise kosten würden, sind absolut unseriös und damit unanständig. Wie dargelegt, sind allein die Überlegungen, den Verbrennungsmotor aus Deutschland zu verdrängen, schädlich für unsere Industrie, da damit Verlagerungen ins Ausland schon jetzt immer wahrscheinlicher werden.

Deutschland wandelt sich immer mehr zurück zu einem planwirtschaftlichen Land. Allein die Prognosen über die Zukunft des Elektromotors und der Batterien erinnern an die völlig illusorischen Fünfjahrespläne der DDR. Ein Zurück in dieses Zeitalter sollten wir aber entschieden ablehnen!

Die Kolumnen bei NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Christian Loose

Der im Münsterland geborene Christian Loose ist seit Mai 2015 wirtschaftspolitischer Sprecher der NRW-AfD. Seit Juni 2017 ist er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Der gelernte Bank- und Diplomkaufmann arbeitet seit sieben Jahren bei einem großen Energieunternehmen und führt dort wirtschaftliche Analysen für Großprojekte ab einer Million Euro durch. Eines seiner politischen Ziele ist es, die Steuerverschwendung der Politiker zu bekämpfen, wofür er auch einen entsprechenden Straftatbestand fordert. Sein Lieblingszitat stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money." Übersetzt: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir am Ende das Geld anderer Leute ausgehen wird."