Mönchengladbach Panorama

Mönchengladbacher „Nazi-Terror“ frei erfunden?

Mönchengladbach. Bei einer Schlägerei am 15. Juni in der Altstadt soll es sich laut türkischen Medien um „Nazi-Terror“ gehandelt haben. Deren Quelle ist offenbar eine türkischstämmige Frau aus Viersen. Am Freitag aber widersprach die Polizei diesen Darstellungen. Aufzeichnungen einer Videokamera stützen die Darstellung der Polizei.

„Die Angreifer waren Neo-Nazis.“ Die beiden 18-Jährigen, die das laut der Rheinischen Post (RP) gesagt haben, wohnen im Kreis Viersen und haben einen Migrationshintergrund. „Dort hat sich eine kleine Unterstützergruppe zusammengefunden, die alles tun möchten, damit die Täter gefasst werden. Kadriye S., lange Jahre im Integrationsrat im Kreis Viersen, gehört dazu“, berichtete die RP am Donnerstag weiter. Dabei ließ die Zeitung jedoch nicht die Angegriffenen zu Wort kommen, sondern Kadriye S.: „Die Jungen haben berichtet, dass die Angreifer kahle Köpfe hatten und Bomberjacken trugen. Außerdem hätten sie ,Scheiß-Ausländer‘ gerufen.“

Eine Darstellung, die sich schnell bis in die Türkei herumgesprochen hatte. Noch vor der Berichterstattung der RP titelte die türkische Zeitung Daily Sabah mit „Nazi-Terror in Mönchengladbach“. Und auf der Facebook-Seite von Kadriye S. wurde bereits am Montag ein Artikel der türkischen Zeitung Hürriyet geteilt, der sich mit dem Vorfall in Mönchengladbach beschäftigt hatte. Das dazugehörige Artikelbild zeigt Kadriye S. mit zwei jungen Männern – offenbar die Opfer des vermeintlichen Nazi-Überfalls. Ein entsprechender Screenshot des Facebook-Beitrages von Kadriye S. liegt unserer Redaktion vor.

Die Schlägerei gab es wirklich

Was steckt tatsächlich hinter dieser Geschichte? Richtig ist, dass es am 15. Juni gegen 5 Uhr auf dem Alten Markt in Mönchengladbach eine Schlägerei gegeben hat. Vorausgegangen war ein Wortgefecht zwischen einem bislang unbekannten Tatverdächtigen und den beiden 18-Jährigen. Dann begann der Tatverdächtige zu treten, später schlug er einem der 18-Jährigen mit der Faust ins Gesicht. Der junge Mann stürzte, verletzte sich und musste später im Krankenhaus behandelt werden.

Der Unbekannte aber flüchtete mit zwei Begleitern vom Tatort. Am Freitag veröffentlichte die Polizei mit richterlichem Beschluss drei Fahndungsfotos, die den Tatverdächtigen sowie seine flüchtenden Begleiter zeigen. Dabei bat die Polizei um sachdienliche Hinweise zu den abgebildeten Personen unter der Rufnummer 0 21 61 – 290.

Die Glatzen und die „Scheiß Ausländer“-Rufe aber gab es nicht

Gleichzeitig wies die Polizei aber auch darauf hin, dass sich die Darstellungen eines fremdenfeindlichen Hintergrunds und glatzköpfiger Angreifer durch die bisherigen Ermittlungen „nicht bestätigt haben“. So haben die Auswertungen der Videoaufzeichnungen ergeben, dass die beteiligten Personen „weder durch ihre Bekleidung noch durch ihre Frisuren einer rechtsmotivierten Gruppierung zuzuordnen sind“. Auch habe die Vernehmung eines unbeteiligten Zeugen ergeben, dass bei dem Vorfall „keine fremdenfeindlichen Ausdrücke fielen, aber beleidigende Kraftausdrücke“.

Bild: Zwei nicht glatzköpfige Begleiter des Tatverdächtigen flüchten nach der Schlägerei. Bildrechte: Polizei

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